Coronavirus
Hirslanden-CEO zur Impfung eines Milliardärs: «Wir haben hier Fehler begangen»

Nachdem die Impfung des südafrikanischen Milliardärs im Thurgau eine Empörungswelle ausgelöst hat, nimmt der CEO der Hirslanden-Gruppe Stellung.

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Daniel Liedtke, CEO der Hirslanden.

Daniel Liedtke, CEO der Hirslanden.

Keystone

(pd/evw/dpo) Die Hirslanden-Gruppe musste sich einige Fragen gefallen lassen, als bekannt wurde, dass sich der südafrikanische Milliardär Johann Rupert in der Klinik in Frauenfeld gegen Corona impfen liess. Insbesondere, da der 70-Jährige über ein Firmengeflecht im Besitz der Spitalgruppe ist und die Impfdosen prinzipiell für Hochrisikopersonen über 75 Jahre vorgesehen sind.

Nun wendet sich Daniel Liedtke, CEO der Hirslanden-Gruppe, mit einem Schreiben an die Bürgerinnen und Bürger im Thurgau. Er entschuldige sich bei allen und auch beim zuständigen Gesundheitsdirektor Urs Martin:

«Wir haben hier Fehler begangen, für die ich persönlich als CEO der Hirslanden-Gruppe geradestehe. Die Hauptverantwortung liegt bei mir, das ist meine Aufgabe und diese nehme ich ausdrücklich wahr.»

Mehrere Überlegungsfehler

Die Hirslanden Gruppe hat am 11. Januar Pilotimpfungen im Spital Münsterlingen mit insgesamt zwölf Testpersonen durchgeführt. Rückblickend gibt der Chef der Klinikgruppe einzelne Fehler in den Überlegungen zum Projekt zu: «Wir hatten unterschätzt, welche Symbolkraft mit der Impfung eines vermögenden Patienten verbunden ist.» Selbst wenn Rupert aufgrund seiner schweren Herzkrankheit, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht Anrecht auf eine sofortige Impfung gehabt hätte.

Der Überlegungsfehler wiege um so schwerer, als der Milliardär Miteigentümer der Gruppe sei und «damit unweigerlich der Eindruck entstand, wir hätten ihn privilegiert behandelt», schreibt Liedtke weiter.

Rupert hätte sich besser für Impfung in Genf angemeldet

Zudem wohne der Südafrikaner in Genf und nicht im Thurgau. «Es wäre deshalb rückblickend betrachtet klüger gewesen, Herrn Rupert zu empfehlen, sich über seinen Arzt für die ordentliche Impfung im Kanton Genf anzumelden», so der Hirslanden-CEO

Daniel Liedtke akzeptiert im Schreiben den Vorwurf, dass die Hirslanden Gruppe mit der Verimpfung von Rupert «unsensibel» gehandelt habe und zeigt Verständnis für die Kritik.