Coronavirus
Oberster Gesundheitsdirektor: «Müssen Impfdynamik neu entfachen»

Mit dem Impfen geht es in der Schweiz nicht mehr so schnell voran wie in den letzten Monaten. Um eine vierte Welle im Zaum zu halten, muss es jetzt wieder vorwärts gehen.

Merken
Drucken
Teilen
Laut Lukas Engelberger braucht es jetzt gezielte Aktionen, um das Impfen zu fördern.

Laut Lukas Engelberger braucht es jetzt gezielte Aktionen, um das Impfen zu fördern.

Keystone

Die Impfkampagne habe sich verlangsamt, sagt der oberste Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger im Interview mit der «Sonntagszeitung». «Wir müssen die Impfdynamik halten und, wo nötig, neu entfachen.» Nun sei es wichtig, dass auch Schülerinnen und Schüler geimpft werden, um eine vierte Welle an den Schulen zu verhindern. Gerade an den Schulen bleibe zudem breites Testen wichtig. «Das schafft zusätzliche Sicherheit, solange viele noch nicht geimpft sind», so Engelberger.

Die vierte Welle werde nicht einfach zu bewältigen, so der Basler Gesundheitsdirektor. Eine Impfquote von 70 Prozent sei anzustreben und auch realistisch. Angesichts der ansteckenderen Delta-Variante zähle «jedes zusätzliche Prozent». Dazu brauche es gezielte Aktionen, um Bevölkerungsgruppen anzusprechen, die sich noch nicht so häufig haben impfen lassen. In Basel würde beispielsweise Kontakt mit Kulturvereinen der ausländischen Bevölkerung aufgenommen, verschiedene Kantone arbeiteten zudem mit niederschwelligen Impfangeboten wie in Einkaufszentren.

Delta-Variante dürfte in der Schweiz bald dominieren

Wie wichtig es jetzt ist, beim Impfen nicht nachzulassen betont auch Urs Karrer, Chefarzt am Kantonsspital Winterthur und Vizepräsident der nationalen Corona-Taskforce, im Interview mit dem «SonntagsBlick». Ab Mitte Juli werde die Delta-Variante das epidemiologische Geschehen in der Schweiz dominieren. Die Übertragbarkeit sei dermassen hoch, dass neue Wellen unter Nichtgeimpften auch im Sommer möglich seien. «Wir müssen jedenfalls gut aufpassen, dass wir in der Schweiz nicht in eine vierte Welle geraten», so Karrer.

Angesichts der Delta-Variante ist laut dem Taskforce-Vize gar eine Durchimpfung von über 80 Prozent nötig, insbesondere bei den über 50-Jährigen. «Ich erwarte insbesondere von denjenigen Parteien und Lobbyisten, die sich stets vehement gegen Massnahmen gewehrt haben, dass sie sich öffentlich für die Impfung starkmachen.» Diese hätten eine Bringschuld, der Bevölkerung jetzt zu helfen.