Coronakrise
In Krisen haben Verschwörungstheorien Aufwind – wer stimmt tatsächlich zu?

Ist das Virus meschengemacht und wollte der Staat mit dem Lockdown eine Massenüberwachung durchsetzen? Forscher der Uni Basel gingen Verschwörungen im Zusammenhang mit Covid-19 auf den Grund. Die Resultate aus der Schweiz und Deutschland liegen vor.

Gina Kern
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Das neue Coronavirus spaltet die Gesellschaft und gibt Auftrieb für Verschwörungstheorien.

Das neue Coronavirus spaltet die Gesellschaft und gibt Auftrieb für Verschwörungstheorien.

Keystone

Verschwörungstheorien haben in Krisen Hochkonjunktur. So auch in der Coronakrise. Es stellen sich viele Fragen und Aussagen zum Thema. Ein Forscherteam der Uni Basel wollte es genauer wissen und befragte im letzten Sommer in einer anonymen Online-Umfrage 1600 Personen in der Schweiz und in Deutschland. Die Resultate wurden im Fachjournal «Psychological Medicine» veröffentlicht, wie die Universität Basel am Mittwoch in einer Mitteilung schreibt.

Der grobe Umriss ist rasch erzählt: 10 Prozent aller Befragten stimmen einer Verschwörungstheorie zu. 20 Prozent der Leute glauben mehr oder weniger an Verschwörungen und 70 Prozent können gar nichts damit anfangen. Die Theorien müssen aber differenzierter angeschaut werden.

Ist das Virus menschengemacht?

Unentschlossen zeigten sich die Befragten bei der Frage, ob das Virus menschengemacht sei. Diese Aussage erfuhr mit 28 Prozent die stärkste Zustimmung. 38 Prozent der Leute sind sich in dieser Frage unschlüssig und 35 Prozent wiesen diese Aussage klar von sich. Interessanterweise zeigen sich viele Menschen über die offizielle Erklärung über die Ursache des Virus skeptisch: 27 Prozent sind der offiziellen Version gegenüber sehr misstrauisch, 38 Prozent sind unschlüssig und 35 Prozent glauben die offizielle Version. Eine etwas weniger hohe Zustimmung erfuhr die Idee, dass der tatsächliche Lockdown darin liege, eine Massenüberwachung durchzusetzen. Dieser Theorie stimmten nur noch gerade 17 Prozent zu.

Grösserer Glaube an Verschwörungen durch tieferes Bildungsniveau

Auf gar keinen Anklang stiessen Verschwörungstheorien, dass das Virus nur Panikmache sei, um den Brexit zu verhindern. Oder Juden hätten das Virus erschaffen, um die Wirtschaft zum Kollaps zu bringen. Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass Befragte in der Schweiz einigen Aussagen stärker zustimmten als die Menschen in Deutschland. Zum Beispiel «Big Pharma schuf das Coronavirus, um von den Impfstoffen zu profitieren». Die beiden verantwortlichen Forscherinnen Sandra Kuhn und Thea Zander-Schellenberg zeigen mit der Studie auf, dass die unterschiedliche Denkweise eine geringere Impfakzeptanz in der Schweiz darstelle.

Interessant ist auch, wer an Verschwörungstheorien glaubt. Die Forscherinnen schreiben, dass Teilnehmende, die den präsentierten Aussagen stärker zustimmten, eine politisch extremere Haltung sowie ein geringeres Bildungsniveau aufweisen. In der Geschlechterfrage konnte allerdings kein Unterschied gemacht werden.