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Klimawandel in den Alpen: Viele Arten passen sich zu langsam an

In den Alpen wird es immer wärmer. Viele Arten können sich den Veränderungen anpassen. Doch für einige Pflanzen und Tiere passieren diese Anpassungen zu langsam, wie eine Studie darlegt.

Dario Pollice
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Amphibien wie der Grasfrosch sind kaum in höhere Lagen gewandert.

Amphibien wie der Grasfrosch sind kaum in höhere Lagen gewandert.

WSL/Anne Delestrade

Seit 1970 ist das Klima in den Schweizer Alpen um zirka 1,8 Grad Celsius wärmer geworden. Viele Pflanzen und Tiere reagieren auf den Wandel, indem sie in kühlere Regionen aufsteigen. Doch den meisten Arten genügen die Verschiebungen der Lebensräume nicht, um mit den klimatischen Veränderungen mithalten zu können. Zu diesem Schluss kommt eine Studie unter der Leitung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

Dass viele Arten in höhere Lagen abwandern, sei im Grunde genommen eine positive Nachricht. «Aber den meisten Arten gelingt es nicht, die erforderlichen 60 bis 70 Höhenmeter pro Jahrzehnt zurückzulegen, die sie überwinden müssten, um unter den ihnen angestammten klimatischen Bedingungen weiterleben zu können», lässt sich Yann Vitasse, Spezialist für Waldökologie an der WSL, in einer Mitteilung vom Donnerstag zitieren.

Bäume und Sträucher können beispielsweise bis zu etwa 33 Höhenmeter pro Jahrzehnt aufsteigen. Allerdings reicht das laut der WSL nicht aus, um mit der Klimaveränderung Schritt zu halten. Noch langsamer steigen Vögel, Farne oder holzzersetzende Pilze auf, nämlich weniger als 15 Höhenmeter pro Jahrzehnt. Amphibien und Libellen hätten ihren Lebensraum dagegen überhaupt nicht in höhere Lagen verlegt, weil sie als Larven an wasserreiche Standorte gebunden sind.

Problematische Entwicklung

Der Klimawandel führt in den Alpen zu früherer Schneeschmelze und immer wärmeren Frühlingstagen. Während Schmetterlinge oder Heuschrecken darauf reagiert haben, gab es bei Vögeln oder Amphibien keine oder nur geringe zeitliche Verschiebungen bei ihren Frühjahrsaktivitäten, schreibt das WSL.

Die teilweise starken Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen sind für Yann Vitasse problematisch: «Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass sich die verschiedenen Arten in ihren Aktivitäten zeitlich nicht mehr auf einander abstimmen können, was für den langfristigen Fortbestand der Arten als Teil eines Ökosystems bedrohlich ist», so der Spezialist für Waldökologie.

Die Forschenden haben für die Studie Daten von mehr als 2000 Arten - Tiere, Pflanzen und Pilze - ausgewertet, die in den Alpen und den angrenzenden Regionen heimisch sind.