Breitensport
Wegen Corona-Zertifikatspflicht: Vereine im Handball drohen mit Rückzug, weil sich zu wenig Spieler impfen lassen wollen

Der Bundesrat hat am Mittwoch die neuen Covid-Schutzmassnahmen verkündet. Davon sind neu auch die Hallensportvereine wie Handball, Unihockey, Basketball und Volleyball betroffen. In den Verbänden löst der Entscheid keine Panik aus. Trotzdem müssen sie sich mit einer neuen Realität auseinandersetzen.

Dan Urner, Pascal Kuba
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Im Unihockey ist Geduld gefragt, bis alle Entscheide bezüglich der neuen Regelungen gefallen sind.

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Ab Montag dürfen nur noch geimpfte, getestete oder genesene Personen an Hallensportveranstaltungen teilnehmen. Diese Massnahme, die für Personen ab 16 Jahren gelten soll, hat der Bundesrat am Mittwoch verkündet. Die neue Zertifikatspflicht stellt den Handball vor «grosse Herausforderungen». So formuliert es Marco Ellenberger, Mediensprecher von Handball Schweiz, auf Anfrage. Die politische Entscheidung des Bundesrates wollen er und sein Verband nicht kommentieren, «wir werden ihn einfach umsetzen».

Wie genau diese Umsetzung im Breitensport vonstattengehen soll, weiss Ellenberger zum jetzigen Stand nicht. Viele Fragen seien offen. So etwa, wer für die Organisation der Sportveranstaltungen und somit für die Kontrolle der Zertifikate verantwortlich sei. «Wir klären all das im Moment», sagt Ellenberger, dessen Verband am Freitagabend einen entsprechenden Leitfaden an die Vereine senden will.

Auch Marion Kaufmann, Kommunikationschefin bei Swiss Unihockey, kann keine konkreten Auskünfte liefern. «Es dauert noch eine Weile, bis wir uns an unsere Mitglieder wenden können»; man warte zunächst ab, wie die Verordnung konkret ausgestaltet werde.

Man habe als Verband keinen grossen Handlungsspielraum, erklärt Alessandro Raffaelli, Leiter Spielbetrieb bei Swiss Volleyball. Das Covid-Zertifikat müsse vom Organisator der Veranstaltung kontrolliert werden.

Erste Rückzüge von Mannschaften

Wie gross die besagten Herausforderungen für den Sport sein könnten, zeigt sich schon jetzt. Erste Konsequenzen der Ausweitung der Zertifikatspflicht werden bereits vor ihrem Inkrafttreten am kommenden Montag sichtbar. Man habe bereits Anfragen von Vereinen erhalten, die ihre Mannschaften zurückziehen möchten, verrät Ellenberger.

Spielt der HSC Aarau-Suhr künftig gegen weniger Gegner?

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«Es war klar, dass es so kommen musste. Es gibt Spieler, die sich bis anhin nicht haben impfen lassen und die sich auch nicht impfen lassen wollen.» Den Clubs stehen in diesem Fall schlicht nicht mehr genügend Spielerinnen und Spieler zur Verfügung, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. Ein Umstand, den auch Kaufmann bestätigt – ohne allerdings von konkreten Fällen in ihrem Verband in Kenntnis zu sein: «Auch ich habe das gehört. Es musste wohl oder übel passieren.»

Gelassenheit im Basketball

Ganz anders geht man beim Schweizer Basketball mit der Zertifikatspflicht um, wo die neue Saison der obersten Liga am 1. Oktober startet. «Wir erwarten keine Ausfälle von Teams», sagt Mike Wildi, Koordinator Marketing und Medien von Swiss Basketball. Der Verband gab bereits eine Impfempfehlung bekannt. Basketballerinnen und Basketballer, welche sich gegen eine Impfung entscheiden, können mit einem Covid-Test an das Zertifikat kommen. Die Kosten würden die Clubs tragen. «Das wird auf Dauer natürlich teuer, deswegen müssen die Vereine selbst regeln, wie sie damit umgehen», sagt Wildi. Nächste Woche soll bei einem Treffen mit den Verantwortlichen der Teams mehr Zählbares herausschauen.

Im Basketball werden die Clubs zukünftig die Covid-Tests der Spieler übernehmen.

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Pius Amrein / Luzerner Zeitung

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