POLITIK-DEBATTE
«Da hat er sich den Falschen ausgesucht»: Lebron James kontert Kritik von Zlatan Ibrahimovic

Lebron James solle beim Sport bleiben und sich von der Politik fernhalten, findet Zlatan Ibrahimovic. Der NBA-Superstar lässt die Aussagen des Schweden nicht einfach so auf sich sitzen.

Frederic Härri
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Lebron James fällt nicht nur als ausgezeichneter Basketballer, sondern auch als Aktivist auf.

Lebron James fällt nicht nur als ausgezeichneter Basketballer, sondern auch als Aktivist auf.

AP

Sollen sich Sportler in gesellschaftlichen und politischen Belangen äussern? An dieser Grundsatzdebatte entzündet sich gerade ein Streit zwischen zwei der prägendsten Athleten, die der Sport in den vergangenen beiden Dekaden hervorgebracht hat: Lebron James und Zlatan Ibrahimovic.

In einem Interview mit dem Fernsehsender Discovery+ zieht der schwedische Fussballstar zuerst den sprichwörtlichen Hut vor dem Aushängeschild der NBA. James sei «phänomenal in dem, was er tut», gibt Ibrahimovic kund. Nur um mit einem Schuss Bitterkeit anzufügen:

«Ich mag es nicht, wenn sich Leute mit einem gewissen Status gleichzeitig mit Politik beschäftigen.»

Der 39-Jährige rät seinem um drei Jahre jüngeren Kollegen, sich doch auf das zu konzentrieren, was er am besten könne. «Ich spiele Fussball, weil ich darin am besten bin. Ich beschäftige mich nicht mit Politik.»

Ibrahimovic klatscht Applaus für die sportlichen Leistungen von Lebron James, nicht aber für dessen gesellschaftspolitischen Aktivitäten.

Ibrahimovic klatscht Applaus für die sportlichen Leistungen von Lebron James, nicht aber für dessen gesellschaftspolitischen Aktivitäten.

AP

Provokante Wortmeldungen ist man sich vom Ausnahmekönner aus dem Norden Europas gewohnt. Nicht selten verhallen die Aussagen weitgehend unkommentiert in der Echokammer der lauten und überdrehten Welt des Profisports. Bei Lebron James aber ist das anders: Der möchte «Ibras» Kritik nicht einfach so stehen lassen.

Dazu sollte man wissen: Der Superstar der Los Angeles Lakers ist bekannt dafür, dass er mit seiner Meinung zu gesellschaftspolitischen Themen wie der sozialen Ungerechtigkeit in seinem Heimatland nicht zurückhält. Bis zuletzt galt James als einer der schärfsten Kritiker der amerikanischen Regierung unter Donald Trump, was eine Moderatorin von Fox News einst zum Ratschlag veranlasste, er möge doch einfach «shut up and dribble», den Mund halten und Basketball spielen. Überdies lässt James Worten auch Taten folgen. In seiner Heimatstadt Akron etwa gründete er 2018 eine Schule, die rund 300 sozial benachteiligten Schülern und Schülerinnen Platz, Bildung und Perspektiven bietet.

2018 prangerte Ibrahimovic unterschwelligen Rassismus in Schweden an

Und so ist es im Grunde nur folgerichtig, dass James nach Ibrahimovics Angriff nicht in der Defensive verharrt:

«Wenn ich finde, dass etwas falsch läuft, spreche ich das auch an. Ich nutze meinen Status, um Licht auf alles zu werfen, was in diesem Land und in der Welt passiert.»

Er würde niemals nur beim Sport bleiben, fügt James an, «weil ich verstehe, wie mächtig diese Plattform und meine Stimme sind.»

So oder so habe sich Ibrahimovic «den Falschen ausgesucht», schlussfolgert James. Und erinnert daran, wie es Ibrahimovic selbst war, der 2018 in aller Öffentlichkeit über unterschwelligen Rassismus, mangelnden Respekt und Vorbehalte aufgrund seines Nachnamens gesprochen hat. Insofern ist der finale Kommentar von James fast schon als Warnung zu verstehen: «Ich mache meine Hausaufgaben.»