Winterzählung 2022
Erneut haben mehr Weissstörche in der Schweiz überwintert

730 Weissstörche haben den Winter in der Schweiz verbracht. Wohl wegen des kühlen Herbsts sind das zwar etwas weniger als erwartet. Trotzdem nimmt die Zahl der Überwinterer langfristig betrachtet weiterhin stark zu.

Samuel Thomi
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Mit 730 Störchen haben zwar erneut mehr dieser Zugvögel als je in der Schweiz überwintert. Der Anstieg fällt aber tiefer aus als erwarte wurde.

Mit 730 Störchen haben zwar erneut mehr dieser Zugvögel als je in der Schweiz überwintert. Der Anstieg fällt aber tiefer aus als erwarte wurde.

HO

Vor einer Woche haben im ganzen Land Menschen Ausschau gehalten nach Weissstörchen. Wer einen hiergebliebenen Zugvogel durchs Fernglas erspähte, versuchte diesen anhand der Beringung zu identifizieren und vermerkte die Koordinaten und den Zeitpunkt anschliessend auf einer Homepage.

Nun liegt das Ergebnis der diesjährigen, vierten Winterzählung vor: 730 Weissstörche sind am vergangenen Samstagnachmittag bis zur Dämmerung in der Schweiz gezählt worden. «Das sind fast gleich viele Weissstörche wie im vergangenen Winter», sagt Peter Enggist, Geschäftsführer von Storch Schweiz, auf Anfrage von CH Media. Damals waren 718 Weissstörche gezählt worden.

Kalter Herbst lässt Störche südwärts ziehen

Aufgrund der Zunahme bei den Storchpaaren im vergangenen Jahr habe man allerdings mit einer noch höheren Überwinterungszahl rechnen können, sagt Enggist weiter. Doch der kalte November habe wohl mehr Störche als sonst üblich südwärts ziehen lassen.

Die Schweizer Storchen-Hotspots: Linthgebiet, Rheintal und Neeracherried

Nicht überall in der Schweiz sind Weissstörche gleich vertreten. «Die grössten Gruppen von 40 – 68 Störchen wurden im Linthgebiet, im St. Galler Rheintal und im Neeracherried gezählt», schreibt Peter Enggist von Storch Schweiz zur diesjährigen Winterzählung. In der Westschweiz sei einzig bei Vallamand eine Gruppe von 34 Störchen gesichtet worden. Im Kanton Baselland wurden 27 Störche gezählt. Und selbst an dem bei Störchen beliebten Schlafsammelplatz «Flachsee» im Kanton Aargau wurden vergangenen Samstag nur gerade mal 23 Störche gezählt. (sat)

Der Trend über die Jahre gesehen sei jedoch ungebrochen: Während in Osteuropa immer weniger Weissstörche überwintern, steigt deren Zahl in Westeuropa an. Denn viele Störche ziehen nicht mehr wie üblich zum Überwintern nach Westafrika, sondern überwintern bereits in Spanien. Oder eben, harren gleich in der Schweiz aus. Daran vermöge auch der minime Rückgang in der aktuellen Winterzählung nichts zu ändern.

Die meisten Winterstörche gehen zurück auf Altreu

Konkret ist die Zahl der Brutstörche laut Storch Schweiz in den vergangenen fünf Jahren von 912 auf 1360 angestiegen. Der Anteil der sogenannten Überwinterer stieg derweil noch steiler an: Von 31,5 Prozent (2016/17) auf 52,8 Prozent (2020/21). Damit hat im vergangenen Jahr erstmals die Mehrheit der brutfähigen Weissstörche auch gleich den Winter in ihrem Sommerquartier der Schweiz verbracht.

«Wie schnell die restlichen Störche nun aus ihrem Winterquartier zurückkehren, wird sich erst noch weisen», sagt Peter Enggist von Storch Schweiz. Derzeit sei es dafür viel zu kalt. «Auf einmal kann es aber rasch gehen». Laut Storch Schweiz verlassen die Zugvögel ihr Sommerquartier zwischen Mitte Juli und Mitte Oktober und kehren im März oder April zurück. Die meisten Tiere, welche hierzulande überwintern, gehen laut Storch Schweiz auf ein Wiederansiedlungsprojekt zurück. Dieses wurde ab 1950 vom Storchenstützpunkt in Altreu SO aus gestartet.

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