Zezikon
Drei Jahre nach Leichenfund: Immer noch unklar, wie die 20-Jährige gestorben ist +++ Drei Personen angeklagt

Anfang 2018 wurde in Zezikon die Leiche einer jungen Frau gefunden. Sie war in einem Teppich eingerollt. Die Staatsanwaltschaft hat nun gegen drei Beschuldigte Anklage beim Bezirksgericht Frauenfeld erhoben. Nach wie vor ist unklar, woran die Frau gestorben ist.

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An dieser Stelle in Zezikon hat der Waldbesitzer damals eine Frauenleiche gefunden, die in einen Teppich eingewickelt war.

An dieser Stelle in Zezikon hat der Waldbesitzer damals eine Frauenleiche gefunden, die in einen Teppich eingewickelt war.

Bild: Mario Testa (Zezikon, 30. Januar 2018)

(pd/nat/mas) Am 25. Januar 2018 wurde im Waldstück «Wilderetobel» in Zezikon die Leiche einer 20-jährigen Frau aufgefunden. Anfangs gingen die Ermittler von einem Tötungsdelikt aus. Die Staatsanwaltschaft hat drei Beschuldigte angeklagt.

Gemäss Anklageschrift verstarb die 20-jährige Frau am Freitag, 3. November 2017, in der Wohnung eines damals 36-jährigen, in Thundorf wohnhaften Beschuldigten niederländischer Staatsangehörigkeit. Marco Breu, Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen, sagt auf Anfrage:

«Die genaue Todesursache der 20-jährigen Frau konnte nicht geklärt werden.»

Die rechtsmedizinische Untersuchung und auch die übrigen Beweiserhebungen haben keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung gegeben. Deshalb musste die ursprünglich wegen des Verdachts der vorsätzlichen Tötung und Unterlassung der Nothilfe geführte Strafuntersuchung eingestellt werden.

«Wir wissen, dass die Verstorbene an dem Tag, als sie verstarb, Drogen konsumiert hatte», sagt Breu. «Der Drogenkonsum kann als Todesursache nicht ausgeschlossen werden.» Aufgrund der fast dreimonatigen Liegezeit des Leichnams liesse sich diese Frage aber trotz rechtsmedizinischer Untersuchungen nicht mehr beantworten.

Angeklagt wegen Störung des Totenfriedens

In der Anklageschrift wird dem niederländischen Beschuldigten jedoch vorgeworfen, er habe, nachdem die Frau gestorben war, zwei Kollegen kontaktiert. Die herbeigerufenen Kollegen waren ihm gemäss Tatverdacht dabei behilflich, den Leichnam der jungen Frau in eine Decke und einen Fransenteppich einzurollen und zu verschnüren.

Den beiden mitbeschuldigten Kollegen wird gemäss Anklageschrift vorgeworfen, den Leichnam danach in ein Auto verladen und in Zezikon im «Wilderetobel» deponiert zu haben. Entsprechend wird allen drei Beschuldigten der Tatbestand der Störung des Totenfriedens vorgeworfen.

Wegen weiterer Delikte angeklagt

Zusätzlich werden den Beschuldigten in der Anklageschrift weitere Delikte im Bereich des Betäubungsmittelrechts vorgeworfen. Gegen den niederländischen Beschuldigten wird zudem Anklage wegen des Vorwurfs einer Vergewaltigung, der einfachen Körperverletzung, der mehrfachen Drohung wie auch der Widerhandlungen gegen das Waffen- und Heilmittelgesetz erhoben.

«Bei den restlichen Vorwürfen handelt es sich im Wesentlichen um andere Delikte, sie haben somit nichts mit dem Fund der sterblichen Überreste in Zezikon zu tun», sagt Marco Breu. Einzig betreffend gewisser Betäubungsmitteldelikte gebe es einen Zusammenhang, indem der beschuldigte Wohnungsinhaber zugestanden habe, mit der verstorbenen Frau an besagtem Abend im Ausgang und dann auch bei ihm zu Hause in Thundorf Betäubungsmittel konsumiert zu haben.

Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten

Die Staatsanwaltschaft beantragt gegen den niederländischen Beschuldigten und Wohnungsinhaber eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten. Dabei ist laut Angaben der Staatsanwaltschaft der Vorwurf der Vergewaltigung in einem anderen Fall das schwerste Delikt. Derzeit sei der niederländische Beschuldigte auf freiem Fuss. Man habe Ersatzmassnahmen wie die Schriftensperre, also den Entzug des Ausweises, angeordnet. Hiergegen sei jedoch Beschwerde erhoben worden.

Gegen einen anderen Mitbeschuldigten erfolgt die Anklage zudem wegen Irreführung der Rechtspflege und Begünstigung. Gegen die in der Störung des Totenfriedens mitbeschuldigten Kollegen werden unter Berücksichtigung der für die Anklagesachverhalte anwendbaren, altrechtlichen Regeln bedingte Geldstrafen von 240 und 340 Tagessätzen beantragt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Wann die Gerichtsverhandlung stattfindet, ist noch unklar.