Luftfahrt
Swiss-Präsident hofft auf Hälfte der Gäste im Sommer – sonst drohen Entlassungen

Reto Francioni erwartet, dass sich die Lage in der Flugbranche 2024 normalisiert. Für nächsten Sommer nennt der Swiss-Präsident als Ziel 50 Prozent der Vorcoronazeit. Sonst drohten weitere Entlassungen.

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Erwartet weitere harte Jahre: Swiss-Präsident Reto Francioni rechnet 2024 mit einer Normalisierung in der Flugbranche. (Archivbild)

Erwartet weitere harte Jahre: Swiss-Präsident Reto Francioni rechnet 2024 mit einer Normalisierung in der Flugbranche. (Archivbild)

Keystone

(sat) Die Coronakrise setzt der Luftfahrt stark zu. Mit einer Normalisierung der Lage rechnet Reto Francioni, der Präsident der Schweizer Fluggesellschaft Swiss, allerdings erst in vier Jahren. «Das Verkehrsaufkommen wird dann voraussichtlich immer noch niedriger sein als vor der Pandemie», sagte er am Dienstag im Interview mit der NZZ. Bis dahin müsse die Swiss sozusagen auf Sicht fliegen. Als kurzfristiges Ziel nennt Francioni ein Verkehrsaufkommen von 50 Prozent im kommenden Sommer gegenüber der Zeit vor der Pandemie. Dann sei die Lufthansa-Tochtergesellschaft im Plan. Sonst müsse die Swiss weitere Stellen abbauen.

Im März werde man abschätzen können, wie die Buchungen aussehen. Und damit auch, wie die Swiss dastehe. Reto Francioni zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass bis im Sommer Schnelltests und Impfungen den Reisenden wieder Sicherheit geben werden und die Zeit der Einreisebestimmungen und Quarantäneregeln vorbei sei.

Lufthansa investierte 8 Milliarden Franken in die Swiss

«Für uns entscheidend ist die Wiederaufnahme der interkontinentalen Verbindungen, vor allem derjenigen in die USA», sagt Francioni. So seien kurz vor Ausbruch der Pandemie auch weitere Verbindungen nach Washington und Osaka bereits aufgegleist gewesen.

Und auch zum Verhältnis der Swiss zu ihrer Muttergesellschaft Lufthansa nimmt Reto Francioni in dem Interview Stellung. «Die Lufthansa hat bis zur Pandemie gezeigt, dass sie an den Erfolg der Swiss glaubt und sie weiterentwickeln will», sagt der Swiss-Präsident. So habe die deutsche Fluggesellschaft beispielsweise in den letzten zehn Jahren 8 Milliarden Franken in die Swiss investiert. Und Francioni sieht sich keinesfalls als Statthalter Frankfurts in der Schweiz: «Einer der wichtigsten Werte unserer Airline ist ihre starke Marke, geprägt durch ihre Swissness.» Zudem habe die Lufthansa bei Swiss nebst finanziellen auch strategische Interessen. Swiss betreibe mit Zürich eines der drei wichtigen Drehkreuze des deutschen Luftfahrtkonzerns.

«Ende 2020 werden wir noch über 1 Milliarde verfügen»

Derzeit baut die Swiss aufgrund der Coronapandemie innert zwei Jahren 1000 Stellen ab. Dies durch einen Einstellungsstopp, Fluktuation, Teilzeitarbeit sowie Frühpensionierungen. Zudem hat sie nebst Darlehen der Lufthansa – die selbst vom deutschen Staat gerettet werden musste – von Banken einen Notkredit in der Höhe von 1,5 Milliarden Franken erhalten. «Ende 2020 werden wir noch über 1 Milliarde Franken aus dem Bankenkredit zur Verfügung haben», sagt Reto Francioni. Die Liquidität der Swiss bleibe also bis auf weiteres ausreichend. «Und wir sind absolut überzeugt, dass wir den Kredit zurückzahlen können», sagt der Swiss-Präsident. Für diesen bürgt der Bund zu 85 Prozent.

Der Basler Wirtschaftsprofessor Reto Francioni ist seit vier Jahren Verwaltungsratspräsident der Swiss. Der 65-Jährige sitzt derzeit zudem Verwaltungsrat der Schweizer Grossbank UBS.