Ein Seemann in (un)gewohnter Umgebung

Es gefällt Nagelritz im Zeltainer: Eine Bühne in Schiffscontainern, eine Garderobe mit Bullauge, und das alles in Unterwasser, lassen den Seemann zur Hochform auflaufen.

Sabine Schmid
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Der Seemann Nagelritz geht im Zeltainer an Land. Dort singt und erzählt er von seinen Abenteuern. (Bild: Sabine Schmid)

Der Seemann Nagelritz geht im Zeltainer an Land. Dort singt und erzählt er von seinen Abenteuern. (Bild: Sabine Schmid)

Unterwasser. Wer Nagelritz hört, denkt automatisch an Ringelnatz. Der Dichter Joachim Ringelnatz hat Anfang des 20. Jahrhunderts melancholische Gedichte voller Sehnsucht nach dem Meer geschrieben. Diese nimmt der Deutsche Kabarettist und Musiker Dirk Langer auf, vertont sie und bringt sie als Seemann Nagelritz auf die Bühne. Eingepackt in eine Geschichte rund um sich und seine Freunde Hinnerk und Raoul. Am Samstag hat er auf seinem Landgang im Toggenburg Station gemacht.

Unterwegs mit einer Kuh

In seinem Programm «Landgang mit Vieh, Gesang und Vollrausch» spinnt Nagelritz viel Seemannsgarn. In Rotterdam verliert er seinen Begleiter Hinnerk. Auf der Suche nimmt ihn ein mit Fischmehl beladener Transporter mit. Anstatt zu Hause in Gelsenkirchen landet Nagelritz in Brüllingen, wo er sich unsterblich in Renate verliebt. Verloren ohne Hinnerk und von Renates Verlobten Alois verfolgt, versucht der Seemann, seinen anderen Freund Raoul zu kontaktieren. Dieser kümmert sich aber mehr um seinen Sohn Ramon. Glück widerfährt Nagelritz, als er in einer Tombola eine Kuh gewinnt. Mit dieser reitet er bis zu den Alpen und sie treten als Gesangsduo in Shows auf. Schliesslich landen die beiden in Unterwasser, wo sich Nagelritz und Hinnerk wieder treffen. So absurd die Geschichte tönt, auch bei dieser findet sich eine Verbindung zu Ringelnatz. Dieser habe in einem Gedicht einen Seemann in eine ungewohnte Situation gebracht, indem er ihn einen Seelöwen gewinnen lässt. «Bei mir ist es nun eine Kuh geworden», erklärt Nagelritz.

Besser als beim letzten Mal

Immer wieder flicht er Lieder in die Geschichte ein. Ob von der verlorenen Liebe zu einer Frau oder vom harten Leben auf See – die Texte von Ringelnatz regen zum Nachdenken an und die Melodien von Nagelritz zum Mitsingen. Nicht nur damit bindet er das Publikum in die Geschichte ein, immer wieder verteilt er Ahoi-Brause und Bonbons. Das kommt beim Publikum im Zeltainer an. Mit viel Applaus verlangen sie eine Zugabe (oder eben Muhgabe). «Ich spiele sehr gerne in Unterwasser. Es ist heute noch besser gewesen als letztes Mal», verrät Nagelritz nach der Aufführung. Gerne möchte er wieder kommen, diesmal mit der Drei-Seemeilen-Kapelle. Dann lernt das Publikum Hinnerk und Raoul kennen. Sofern Ersterer nicht wieder in der Tobelsäge und Letzterer bei seiner Familie hängen bleibt.