Wahlen
«Ich trete nicht mehr an»: Überraschungsmann Andreas Kern nimmt sich für den zweiten Wahlgang in den Stadtrat von Rorschach aus dem Rennen

Der parteifreie Andreas Kern tritt am 26. September beim zweiten Wahlgang nicht mehr an. Er sorgte am Sonntag im ersten Wahlgang für eine Überraschung; er kam den etablierten Kandidierenden nahe.

Daniel Wirth
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Andreas Kern am See in Rorschach. Der politische Quereinsteiger holte im ersten Wahlgang überraschend viele Stimmen.

Andreas Kern am See in Rorschach. Der politische Quereinsteiger holte im ersten Wahlgang überraschend viele Stimmen.

Bild: Rudolf Hirtl

Seit dem Rücktritt von Ronnie Ambauen (FDP) Anfang dieses Jahres ist ein Sitz im fünfköpfigen Stadtrat von Rorschach vakant. Am Sonntag fand der erste Wahlgang der Ersatzwahl statt. Es kandidierten Reto Kaelli von der FDP, Giuseppa Guerreri von der CVP und der parteifreie Andreas Kern.

Am meisten Stimmen (591) konnte der freisinnige IT-Unternehmer Kaelli auf sich vereinen. Exakt 100 Stimmen weniger machte die christlichdemokratische Erwachsenenbildnerin Guerreri (491). Eine Überraschung stellte das Resultat des parteifreien 35-jährigen Saucenmanufaktur-Teamleiters Andreas Kern dar: Er holte lediglich 41 Stimmen weniger (450) als Guerreri.

Sein Wahlresultat ist bemerkenswert

Das ist bemerkenswert und mehr als ein Achtungserfolg. Denn im Gegensatz zu Kaelli und Guerreri, die politische Erfahrung im Schulrat gesammelt und eine Partei im Rücken haben, ist Kern ein politischer Quereinsteiger und mehr oder weniger auf sich alleine gestellt.

Kern ist in Rorschach bekannt. Er engagiert sich in Kulturinstitutionen und vertritt urbane Anliegen – das tut er ruhig, sachlich, unaufgeregt. Auf dem «Tagblatt»-Podium in der «Kleberei» schlug sich Kern wacker und war ehrlich genug, auch einmal auf eine Frage zu antworten: «Das weiss ich nicht.» Zu seinen Wählerinnen und Wählern dürften vor allen Dingen jüngere Rorschacherinnen und Rorschacher gezählt haben am 13. Juni.

Das Resultat überraschte auch ihn selber, wie Kern am Wahlsonntag sagte. Er habe diese Woche schlecht geschlafen und sich Gedanken gemacht, ob er auch im zweiten Wahlgang antrete oder sich zurückziehe. Er sei zum Schluss gekommen, dass er sein Potenzial ausgeschöpft habe und im zweiten Wahlgang gegen Kaelli chancenlos bliebe, würde er antreten. Aus all diesen Überlegungen habe er entschieden, auf eine Teilnahme am zweiten Wahlgang vom 26. September zu verzichten, sagt Andreas Kern.

Jetzt ist die Ausgangslage eine neue

Wohin seine 450 Stimmen im zweiten Wahlgang wandern werden, ist schwierig auszumachen. Tendenziell aber zu Giuseppa Guerreri. Kern holte seine Stimmen bei jungen und linken Wählerinnen und Wählern; sie werden im September eher eine Frau aus der Mitte als einen Freisinnigen wählen. Daran dürfte auch nichts ändern, dass die SP Rorschach Stadt am See Reto Kaelli empfahl im ersten Wahlgang. Andreas Kern selber sagt:

«Wohin meine Stimmen gehen, ist mir nicht so wichtig. Kaelli oder Guerreri – beide sind valabel.»

Nach dem ersten Wahlgang war für Reto Kaelli klar: Er tritt am 26. September wieder an. Er verpasste das absolute Mehr am Sonntag um 186 Stimmen. Er war als Favorit ins Rennen gegangen und startet aus der Poleposition in den zweiten Wahlgang, in dem das einfache Mehr reicht.

Reto Kaelli von der FDP ist in der Poleposition.

Reto Kaelli von der FDP ist in der Poleposition.

Bild: Rudolf Hirtl
Giuseppa Guerreri von der CVP überlegt sich noch, ob sie antreten wird im zweiten Wahlgang.

Giuseppa Guerreri von der CVP überlegt sich noch, ob sie antreten wird im zweiten Wahlgang.

Bild: Michel Canonica

Was macht die CVP? Ruth Belz, die Präsidentin der CVP Rorschach, erklärt auf Anfrage des «St.Galler Tagblatts» schriftlich, die Kandidatin und der Parteivorstand wollten sich noch etwas Zeit lassen mit dem Entscheid, am zweiten Wahlgang teilzunehmen oder nicht. Es ist aber nicht anzunehmen, dass die CVP der FDP das Feld kampflos überlassen wird. Mit dem Rückzug Andreas Kerns ist die Ausgangslage jetzt eine ganz andere. Bei den Wahlen in den Schulrat im Herbst 2020 holte Guerreri mehr Stimmen als Kaelli.

Der Stadtrat von Rorschach setzt sich aktuell so zusammen: Stadtpräsident Robert Raths (FDP), Ariane Thür Wenger, Guido Etterlin (beide SP) und Stefan Meier (CVP). Die SP erhebt keinen Anspruch auf einen dritten Sitz. Die SVP fand im ersten Wahlgang niemanden, der kandidieren wollte. Die Parteien haben bis zum 23. Juli Zeit, der Stadtkanzlei Kandidatinnen und Kandidaten zu nennen, deren Namen auf die Wahlunterlagen kommen.