Aargauer TV-Mann Peter Minder: «Das war immer mein Bubentraum»

Der 53-jährige Aargauer Peter Minder war bei den Lauberhornrennen einmal mehr der Captain der 110-köpfigen Equipe des Schweizer Fernsehens.

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«Das war immer mein Bubentraum»

«Das war immer mein Bubentraum»

Felix Bingesser und
Richard Hegglin

Zwischen dem ersten und dem zweiten Slalomlauf kommt Renndirektor Günther Hujara aufgeregt ins Büro von Peter Minder. Haben Ivica Kostelic und Benjamin Raich das letzte Tor korrekt passiert oder nicht? Die Aufregung ist gross. «Peter, zeig mir nochmals die Bilder», ruft Hujara. Die Fernsehbilder belegen: Es war alles korrekt.

Seit 1987 ist Minder für das Fernsehen am Lauberhorn im Einsatz. Erst war er Assistent von Matthias Hüppi, später hat er selber Interviews geführt und seit 1995 ist er als Produzent verantwortlich für den gesamten Ablauf der Übertragung, die weltweit von zwanzig Ländern übernommen wird. «Dieser Job», sagt Minder, «war immer mein Bubentraum, seit ich als Achtjähriger im Berner Oberland in den Skiferien war.»

Minder, dessen Vater in Aarau ein Sportgeschäft geführt hat, ist mit dem Sport seit Kindsbeinen an verbunden. Er ist früher selber Skirennen gefahren, war später Spitzensportler und blieb danach dem Sport weiter verbunden. «Die Lauberhornrennen sind für mich eine Herzensangelegenheit», sagt der Mann, der in jungen Jahren auf der gegenüberliegenden Talseite jeweils auch Teilnehmer beim Inferno-Rennen in Mürren war.

Als verantwortlicher Produzent steht er am Lauberhorn-Wochenende im Dauereinsatz. «Diese Rennen sind auch ein Schaufenster für das Schweizer Fernsehen», sagt er. «Und wenn etwas nicht funktioniert, dann bin ich natürlich der Sündenbock.» Aber einmal mehr hat alles funktioniert und die Einschaltquote lag wieder im Bereich von einer Million.

Die Lauberhornrennen sind nicht zuletzt auch ein Stück Schweizer Fernsehgeschichte. Seit fünfzig Jahren wird das Rennen live übertragen. Als am 9. Januar 1960 die erste Übertragung über die Bildschirme flimmerte, stand das Regiepult noch in einem Kuhstall. Es habe fürchterlich gestunken, erinnerte sich der damalige Regisseur Walter Plüss. Die Schweizer spielten in jenen Rennen keine Rolle. In der Abfahrt siegte der heutige Mode-Gigant Willy Bogner aus Deutschland

Technische Unzulänglichkeiten gehörten damals zur Tagesordnung. Als bei einem Slalom auf der Kleinen Scheidegg mal die Zeitmessung nicht klappte, jagte Ernst Gertsch, der Vater des heutigen OK-Chefs Viktor, den Zeitnehmer-Chef kurzerhand zum Teufel. Es handelte sich um keinen Geringeren als den heutigen Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter. Die damalige Zeitmesser-Firma hatte schon in der Hahnenkamm-Abfahrt Probleme, als sie während über zwei Stunden den Schweizer Jean-Daniel Daetwyler fälschlicherweise als Sieger vermeldete. Karl Schranz war bei der Zieldurchfahrt versehentlich vom Lichtstrahl nicht erfasst worden. Blatter soll dem «Löwen vom Arlberg» bis auf die Toilette nachgerannt sein, um sich zu entschuldigen und ihn zu besänftigen.

Mittlerweile ist alles bis ins kleinste Detail durchorganisiert. Dank der Qualität der Lauberhorn-Übertragung erhielt das Schweizer Fernsehen den ehrenvollen Auftrag, an den Olympischen Spielen in Kanada die alpinen Skiwettbewerbe zu produzieren. Der Aufwand am Lauberhorn ist enorm. «Inzwischen ist der ganze Berg verkabelt. Der sensitivste Teil ist der Kabelbahnhof im Zielgebäude mit 144 Audi-Video-Kabeln», erklärt Minder den für einen Laien unvorstellbaren Kabelsalat. Deshalb wird das Zielhaus rund um die Uhr von einem Heer von Sicherheitskräften bewacht.

Für die Lauberhorn-Übertragung ist den TV-Leuten nichts zu viel. 19 Kameras und 110 Personen stehen inzwischen im Einsatz. Der Aufwand beträgt rund eine Million Franken. Der Captain der Lauberhorn-Equipe wird auch in Zukunft Peter Minder heissen. Der Bubentraum geht weiter.