«TalkTäglich»

Die Ära Fredy Knie junior geht zu Ende: «Wenn man keine Neider hat, ist man nicht gut»

Fredy Knie Junior im TalkTäglich (Zusammenschnitt)

Fredy Knie Junior im TalkTäglich: «Ich glaube, wenn man keine Neider hat, ist man nicht gut.»

Der 73-Jährige hat die Leitung des Schweizer Nationalzirkus an seine Tochter Géraldine abgegeben. Zusammen mit Markus Gilli schaut er im «TalkTäglich» auf seine Karriere zurück.

Fredy Knie junior tritt ab: Fast 70 Jahre lang war er in der Manege, während drei Jahrzehnten amtete er als Direktor. Beim Schweizer Nationalzirkus Knie geht mit dem Rückzug von Knie eine Ära zu Ende. Im «TalkTäglich» auf «TeleZüri» zieht der 73-Jährige zusammen mit Moderator Markus Gilli nach der 100-Jahre-Jubiläums-Tournee dieses Jahr Bilanz.

Ob er seinen Entscheid sich zurückzuziehen schon bereue, will Gilli am Anfang der Sendung wissen. «Nein. Es war wirklich mein Entscheid und ich stehe dahinter. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, das Jubiläum mache ich noch und dann überlasse ich die Manege ganz den Jungen.» Er sei ja auch noch weiterhin für die Jungen da und trainiere mit ihnen. Auch der Applaus wird ihm nicht fehlen, denn: «Der Applaus für die Jungen, der gehört auch mir und das freut mich wahnsinnig.» 

Der Entscheid aufzuhören, sei nicht spontan gekommen. Vielleicht hätte er sich auch schon etwas früher zurückgezogen, aber: «Dann habe ich gesagt, jetzt wird das Jubiläum vorbereitet, da mache ich noch mit und das ist gut so.»

Dann werden Bilder von der Abschiedsvorstellung der Jubiläums-Tournee – also auch der Abschiedsvorstellung von Fredy Knie junior – eingespielt. Auch jetzt werde er noch emotional, wenn er diese Aufnahmen sehe, sagt Knie. «Wenn du siehst, dass die Grosskinder traurig sind, die Tochter traurig ist, dann berührt dich das ganz sicher. Aber es macht mich auch stolz, dass sie traurig sind.» So merke er, dass er für sie alles richtig gemacht habe.

Tiere sind seine Leidenschaft – Pferde im Speziellen

Schon für Vater Fredy Knie senior waren die Pferdenummern die grosse Leidenschaft. Der Junior ritt als Vierjähriger zum ersten Mal auf einem Pferd durch die Manege. Gilli will wissen, ob es für den Sohn also gar keine Alternative zu den Pferdenummern gab.

«Er (der Vater) hat mir die Liebe zu den Pferden in die Wiege gelegt, das kann man so sagen. Aber er hat mich nie dazu gezwungen.» Er habe in seiner ganzen Karriere eigentlich auch nie das Bedürfnis gehabt etwas anderes zu machen, etwa als Clown aufzutreten.

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22. März 2019: Humor und Nervenkitzel zu 100 Jahre Circus Knie

Der Zirkus Knie feiert sein 100-jähriges Bestehen. An der Premiere der Jubiläumstournee in Rapperswil wurde gestaunt und viel gelacht. Für Komik sorgen die Stargäste Viktor Giacobbo und Mike Müller, die sich in der Manege für nichts zu schade waren. Aber auch die berühmten Pferdenummern der Familie Knie dürfen im Programm nicht fehlen.

Ganz allgemein verstand er sich sehr gut mit den Zirkustieren, manchmal sogar besser als mit Menschen. Vielleicht verstehe das nur jemand, der sein Leben lang mit Tieren zu tun hat. «Man muss mit dem Tier eigentlich dessen Sprache reden und nicht Menschensprache.»

Als Fredy Knie junior schulpflichtig geworden war, musste er weg vom Zirkus und ins Internat – die Eltern wollten es so. «Das war Horror für mich und meinen Bruder, wir mussten weg von unseren Eltern, weg vom Zirkus. Das ist hart für Kinder.» Früher habe man Kinder halt anders erzogen. Diese harte Erfahrung führte allerdings dazu, dass künftige Generationen der Zirkusfamilie nicht mehr ins Internat mussten, sie durften alle in die Zirkusschule.

Ist der Circus Knie nun ganz ohne Fredy junior?

Knie wirke eher wie ein scheuer Mensch, meinte Moderator Gilli: «Wie gehst du mit Kritik um?» Mit Kritik könne er gut umgehen, solange sie konstruktiv sei. «Wenn sie aber bösartig ist, dann geht sie mir den Buckel runter», so Knie. Auch mit Neid, den er in 30 Jahren als Zirkusdirektor erlebte, geht er locker um: «Ich glaube, wenn man keine Neider hat, ist man nicht gut», sagt der 73-Jährige schmunzelnd.

Und jetzt? Wie geht es weiter ohne Fredy Knie junior. Ein wirklicher Rückzug sei es ja nicht, der Zirkus bleibe ein Familien-Business. «Ich kann weiterhin Einfluss nehmen, wenn das die Jungen akzeptieren.» Aber wenn man sie immer nur bremse, dann verleide es ihnen plötzlich.

Der Zirkus Knie– eine Geschichte in Bildern:

Seine Enkel bereiten Fredy Knie junior eine grosse Freude: «Für Chanel ist der Zirkus ein grosser Freizeit-Spass, sie lebt dafür. Bei Ivan ist das etwas anders, er sieht das jetzt als Beruf an.» Auch der zweijährige Enkel werde schon auf das Pony gesetzt. «Nur wenn er will», betont der stolze Grossvater.

Zum Schluss äussert sich der langjährige Zirkusdirektor dann noch zum Publikum: «Ich sage den Jungen immer wieder: Ihr müsst publikumsnah sein. Die Leute müssen euch Fragen stellen können, euch sogar berühren können.» Das müsse so bleiben.

Sehen Sie hier die ganze Sendung mit Fredy Knie junior

Eine Ära geht zu Ende: Die ganze Sendung «TalkTäglich» mit Fredy Knie Junior.

Eine Ära geht zu Ende: Die ganze Sendung «TalkTäglich» mit Fredy Knie Junior.

Als 5-Jähriger ging Fredy Knie junior zum ersten Mal mit auf Schweizer Tournee. Nach fast 70 Jahren in der Manege und 30 Jahren als Direktor sagt er: Adieu! Die Leitung des Zirkus hat er seiner Tochter Géraldine übergeben. In Zukunft wird Fredy Knie im Hintergrund tätig sein. «Ich freue mich darauf, dass ich mich nun nicht mehr jeden Tag schminken und mir die Haare föhnen muss.» Im «TalkTäglich» schauen wir zurück auf ein bewegtes Leben im Scheinwerferlicht und 100 Jahre Circus Knie.

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