Ernesto Bertarelli
Drei Millionen für eine Party - und ein Prozess

Er verletzte in Südflorida Regeln, als er für das Geburtstagsfest seiner Frau eine Villa mietete. Noch vor die Party startete, stand Ernesto Bertarelli deshalb vor Gericht.

Renzo Ruf, Washington
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Grosszügig: Die Party für seine Kirsty kostete Bertarelli 3 Millionen.

Grosszügig: Die Party für seine Kirsty kostete Bertarelli 3 Millionen.

Keystone

Alles hat seine Grenzen, selbst in Miami Beach, dem Ferienort an der Südküste von Florida, in dem die Reichen und Schönen gerne zur Schau stellen, dass sie reich und schön sind. «Wir haben Gesetze, und jeder – selbst jemand, der Geld hat – muss sie befolgen», sagt Stadtpräsidentin Matti Herrera Bower.

Sie habe Angst vor einem Präzedenzfall, sagte die Lokalpolitikerin in der gestrigen «New York Times»: «Wenn man genug Geld hat, dann kann man mittels eines Anwalts einen Richter zum Gesetzesbruch anstiften.»

Der Anlass dieses Donnerwetters: Der Schweizer Milliardär Ernesto Bertarelli. Vorigen Monat schmiss der passionierte Segler seiner Gattin eine Geburtstagsparty – die Schönheitskönigin und Sängerin Kirsty Bertarelli wurde 40 Jahre alt. Weil man runde Geburtstage nie allein feiern sollte, lud Bertarelli 200 Gäste in eine Villa auf eine Privatinsel in Miami Beach ein.

40000 Dollar für die Villa

Das auserwählte Anwesen mit dem Namen «3 Star Island» war zwar nicht ganz billig: 40000 Dollar verlangte der Besitzer, ein deutschstämmiger Immobilienmagnat mit dem Namen Thomas Kramer, der sich gerne bloss «TK» nennt.

Andererseits verpulverte Bertarelli gemäss eigenen Angaben für die mehrtätigen Geburtstagsfeierlichkeiten mehr als drei Millionen Dollar – die Miete machte also nur einen kleinen Teil des Budgets aus. Und «3 Star Island» lässt sich wahrlich sehen: 650 Quadratmeter Wohnfläche, zwei Gästehäuser, ein privater Vorführraum, ein Weinkeller mit mehr als 10000 edlen Flaschen und natürlich eine grosszügige Parkanlage direkt am Wasser.

Im Trubel um die Partyvorbereitung ging allerdings eine lokale Verordnung vergessen. Miami Beach untersagt seit drei Jahren die Vermietung von Wohnhäusern zu kommerziellen Zwecken.

Ebenfalls verboten ist die temporäre Vermietung von Häusern für weniger als sechs Monate. Die Lokalpolitiker schoben dem florierenden Geschäft einen Riegel vor, weil sich immer mehr Nachbarn über lärmige Feste und chaotische Verhältnisse auf Seitenstrassen beklagten.

Allein: Das Verbot wird ignoriert und in der Verwaltung von Miami Beach stapeln sich die Klagen erzürnter Bürger. Nachdem die Stadtverantwortlichen per Zufall von Bertarellis Geburtstagsparty erfahren hatten, entschieden sie sich, an dem Schweizer ein Exempel zu statuieren: Einen Tag vor dem Fest, am 4. März, zogen sie vor Gericht, um die Lustbarkeit zu stoppen.

An einem Samstagsnachmittag, wenige Stunden vor dem offiziellen Beginn der Party, kam es deshalb zu einem Schlagabtausch vor einem Verwaltungsrichter.

Das Gericht zeigte sich nachsichtig

Bertarelli bat Justitia um Nachsicht: «Falls die Party nicht stattfände, würde der 40. Geburtstag meiner Frau ruiniert und meine Familie erinnerte sich für immer an die öffentliche Schande, der wir preisgegeben würden», schrieb er in einer beglaubigten Erklärung. (Für einen persönlichen Auftritt vor Gericht hatte er aufgrund der Festvorbereitungen keine Zeit.)

Richter Jose Rodriguez gab Bertarelli recht. «Kirsty’s Fabulous 40th Birthday Party», so der offizielle Titel, war damit gerettet.

Thomas Kramer allerdings ist noch nicht aus dem Schneider. Die Stadtverwaltung beschloss, den Fall an die nächste Instanz weiterzuziehen. «Kramer hätte es besser wissen müssen», sagt der Rechtsvertreter von Miami Beach. TK allerdings findet das Verfahren unfair.

Er habe keine Kenntnis vom Mietverbot gehabt, sagt er. Ausserdem erwartet der Immobilienmagnat ein bisschen mehr Dankbarkeit – schliesslich habe er in den Neunzigerjahren viel Geld in die Verschönerung von Star Island investiert und die einstige «Müllhalde» in ein exklusives Villenviertel verwandelt.