Der ewige Olympiasieger

Multimillionär, Schauspieler, Selbstdarsteller, Mäzen, Bob-Champion: Hans «Hausi» Leutenegger wird heute 80

Hausi Leutenegger ist auch heute noch von ansteckender Fröhlichkeit.

Hausi Leutenegger ist auch heute noch von ansteckender Fröhlichkeit.

Der Thurgauer Hans «Hausi» Leutenegger hat Häuser gekauft, wie andere Leute Schuhe. Vom Bob-Olympiasieger hat er sich zum Self­mademillionär hochgearbeitet. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag.

Hier kommt Hausi: fröhlich, laut – ohne falsche Bescheidenheit. «Ich bin überall zu Hause. Ich habe Häuser gekauft wie andere Leute Schuhe.» Seine Wurzeln aber hat Leutenegger im wilden Osten der Schweiz: «In Wil liegt mein Geld auf der Raiffeisenbank, hier wurde ich schon nach einem Jahr an der Fasnacht zum Hofnarren ernannt.» Dies sei der höchste gesellschaftliche Stand, den man weit und breit erlangen könne. In seiner Heimatgemeinde Bichelsee-Balterswil ist Leuten­egger Ehrenbürger.

Hofnarr. Als solcher wird Leutenegger in der breiten Öffentlichkeit gelegentlich wahrgenommen – als Galionsfigur der Cervelat-Prominenz, die keine Hundsverlochete auslässt und jede zweite Woche aus der «Glückspost» lächelt. Doch da schreitet Leutenegger lautstark ein: «Ich gehe seit fünfzehn Jahren an keine Prominentenver­anstaltungen mehr. Als alter Chlaus gehöre ich da nicht mehr hin.»

Entwaffnende Grosszügigkeit

Der «alte Chlaus» legt nicht nur Wert auf seinen ewigen Status als Bob-Olympiasieger und Filmheld an der Seite von Klaus Kinski, er verblüfft auch durch seine entwaffnende Grosszügigkeit: kein Bettler, der von Hausi nicht ein Nötli zugesteckt erhält, kein Kellner, der sich nicht über ein generöses Trinkgeld freuen darf. Zu den Profiteuren seiner Spendierlaune zählt der Schweizer Sport. In fünfzig Jahren pumpte Leutenegger 22 Millionen Franken in Schweizer ­Vereine und Institutionen – etwa in die Fussballklubs Xamax, ­Chênois, Servette oder ins Genfer Eishockey. Er sponsert Bob- und Veloteams. Dreimal holte er die Tour de Suisse nach Genf. Er überwies dem gefallenen Thurgauer Profiboxer Stefan Angehrn 3000 Franken – «aus Mitleid». 1997 wurde er zum «Sportförderer des Jahres» ernannt. Den Schwinger Stefan Burkhalter beschäftigt er als Chauffeur und Bodyguard. Hausis Freunde geniessen in seiner Villa auf Gran Canaria lebenslanges Gastrecht.

Hausi Leutenegger wird 80 Jahre alt

«Ich musste fröhlich sein, aber im Innern sah es manchmal anders aus»: Hausi Leutenegger in der Sendung TalkTäglich im Dezember 2019.

Beim Aufstieg zum Self­mademillionär nahm Leutenegger 1963 als einfacher Monteur den Umweg über die Niederlande: «Damals führte ich ein richtiges Lumpenleben.» Was heissen will: Der braun gebrannte Hans aus der Schweiz war bei den Niederländerinnen Hahn im Korb. Hans im Glück! Weil er sich damit aber die Eifersucht der Einheimischen (Männer) einhandelte, verbrachte er zwei Tage im Gefängnis. «Ich war wegen Raubmords angeklagt und wurde fünf Stunden auf dem Polizeiposten an den Radiator angekettet – eine billige Verschwörung.»

Vermögen von 100 bis 200 Millionen Franken

Sein Schlüsselerlebnis war 1965 die Idee, sich als Handwerker selber zu vermieten. Zwar verstarb sein erster Geschäftspartner auf tragische Weise in einem versehentlich gestarteten Zementmischer, doch Hausis Businessplan war von grosser Langlebigkeit. Heute beschäftigt seine Firma 1200 Angestellte in zwölf Filialen, zwei davon in Deutschland. Mit einem Vermögen von 100 bis 200 Millionen Franken schafft er es locker in die Bilanz der reichsten Schweizer – «seit 20 Jahren», wie er festhält.

Hausi Leutenegger ist unersetzlich – auch für die Schweizer Medienwelt: «Ich war viermal auf dem Cover der ‹Schweizer Illustrierten›. Das hat sonst niemand geschafft.»

Mehr Steuermann als nur Mitfahrer

Gelegentlich ärgert sich Leuten­egger aber selbst über die ihm wohlgesinnten Journalisten. Dass er bei der Wahl des Schweizers des Jahres 2015 vom Staatsfernsehen schnöde übergangen wurde, war ihm alles andere als wurst: «Die haben mich nur nicht auf die Liste genommen, weil sie wussten, dass ich gewonnen hätte.» Konsequenterweise nannte er die Verleihung des Swiss Award an Polo Hofer eine «Muppet Show».

Sein Orientierungspunkt ist ohnehin der Olymp. Den erstieg er im Februar 1972 in Sapporo, als er im Viererbob von Jean ­Wicki zu olympischem Gold ­raste. Dass er dabei nur Mit­fahrer war, muss ein Missverständnis der Sportgeschichte gewesen sein. Denn bei keiner Persönlichkeit des Universums glänzt Gold heller als bei Hausi Leutenegger.

1972 in Sapporo auf dem Olymp: Hausi Leutenegger (2. von links) mit Jean Wicki, Werner Carmichel und Edy Hubacher und der Goldmedaille, die das Team im Bobrun geholt hat.

1972 in Sapporo auf dem Olymp: Hausi Leutenegger (2. von links) mit Jean Wicki, Werner Carmichel und Edy Hubacher und der Goldmedaille, die das Team im Bobrun geholt hat.

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