Nena
Nena in Zürich: Aufruhr im Glitzerkostüm

Das Album «Made in Germany» und der 50. Geburtstag brachten Nena wieder auf Tour. Gestern war sie im Zürcher Hallenstadion und überraschte mit einer energiegeladenen Geburtstagsshow. Zickig wurde die deutsche Diva allerdings, als Zuschauer sie fotografieren wollten.

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Nena im Hallenstadion
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Nena im Hallenstadion Oma rockt: Nena im Zürcher Hallenstadion.
Nena im Hallenstadion Oma rockt: Nena im Zürcher Hallenstadion.
Nena im Zürcher Hallenstadion. Oma rockt: Nena im Zürcher Hallenstadion.

Nena im Hallenstadion

Keystone

Sie ist bis heute eine der erfolgreichsten deutschen Musikexporte und prägte die «Neue Deutsche Welle» in den frühen 80er Jahren massgeblich mit. Doch Nena lässt sich nicht bloss auf ihren grössten Hit «99 Luftballons» reduzieren, der auch mit englischsprachigem Text auf dem internationalen Musikmarkt die Charts stürmte.

Einen Tick zu eigenbrödlerisch, zu ungeschliffen für die glatte Popwelt wirkt die Fünfzigjährige aus dem Ruhrgebiet. Mit vier Jugendlichen als Backgroundchor, darunter auch ihre zwei eigenen Kinder, einem DJ und neben Gitarre, Bass und Schlagzeug viel Synthesizer-Sounds, gelingt Nena nicht nur ein vielseitiges Crossover zwischen Jahrzehnte übergreifenden Musikgenres.

Ansteckende Tanzbarkeit

Denn wie Nena im Glitzer-Outfit die Arme durch die Luft wirft und vom Laufsteg, der ins Publikum hineinführt, zurück auf die Bühne und wieder von Seite zu Seite läuft, hat etwas erfrischend Unroutiniertes.

Bewegungen sind selten choreografiert, es ist lediglich die ansteckende Tanzbarkeit, die Nena aus den Achtzigern mitgenommen hat, und die auch noch heute ihren Songs innewohnt. Nena hat über ihr einstiges Dasein als One-Hit-Wonder hinaus zu ihrer eigenen musikalischen Handschrift gefunden und gibt auch in reiferem Alter eine glaubwürdige, leidenschaftliche Figur ab.

Kurz nachdem beispielsweise mit Gitarre ein Lied angestimmt worden ist, erkennt Nena in dem Gitarristen, der kurz vorher auf die Bühne gekommen ist, einen alten Freund wieder, und bricht hoch erfreut darüber den Song ab. Eine sympathische Geste von einer Sängerin, die sowieso etwas von einer grossen Schwester inmitten der Bandfamilie hat.

Die Bühne als Diskothek

Nenas grosse Momente sind besonders jene, in denen sie mit ihren Musikern zu einer Mischung aus 90er-Jahre-Techno und teilweise überraschend schwerem Rock tanzt, als wäre die Bühne eine Diskothek. Es ist das leicht Selbstironische daran, wie die Band hinter dem Mikrophon oder den Synthesizern synchron headbangt, das an Nenas Show durchaus Spass macht.

Ärger wegen Kameras

Hin und wieder wirkt sie freilich etwas unkonzentriert und zu überzeugen vermögen vor allem die Tanznummern. Zwischen den Liedern forderte sie einen Zuschauer auf, seine «bescheuerte Kamera» wegzunehmen. «Spür mich und ich spür dich», fügte sie an - und man glaubte es ihr in dem Moment.