Martina Fuchs

Schweizer Journalistin bei Chinas Staatsfernsehen: «Natürlich war ich Teil der Propagandamaschine»

Talk Täglich – Ausschnitte

Martina Fuchs erzählt von ihrem Leben in China und den Abenteuern, die sie zuvor erlebt hatte.

Die Aarauer Journalistin Martina Fuchs hat beim chinesischen Staatsfernsehen gearbeitet. Jetzt ist sie zurück in der Schweiz. Im «Talk Täglich» spricht sie über Propaganda in China, ihre neue Aufgabe in der Schweiz – und verrät, warum sie bei der Spionage-Prüfung gescheitert ist.

Sie spricht neun Sprachen, hat fünf Jahre für das chinesische Staatsfernsehen berichtet und wäre fast Agentin geworden: Im Alter von nur 35 Jahren hat Martina Fuchs schon viel erlebt. Das letzte Abenteuer der Aarauer Journalistin, das Engagement bei "China Central Television" (CCTV), ist vor einem halben Jahr zu Ende gegangen.

Im Reich der Mitte war sie Wirtschafts-Reporterin. Sie berichtete englisch, obwohl sie auch Chinesisch spricht. Das Beherrschen der Sprache hat ihr geholfen, sich in China zu integrieren. Die Menschen seien von Natur aus eher misstrauisch, erzählt sie im "Talk Täglich" auf Tele Züri. Es dauere länger als anderswo, ihr Vertrauen zu gewinnen.

Nicht über Politik berichtet

Ob sie denn keine Gewissensbisse gehabt habe, für das Staatsfernsehen zu arbeiten in einem Land, das für Zensur bekannt ist, will Moderator Markus Gilli wissen. "Natürlich war ich ein Teil der Propagandamaschine", antwortet Fuchs. Sie habe aber ausschliesslich über Wirtschaft und nicht über Politik berichtet.

Bei der Recherche bekundete sie keine Probleme. Sie sei immer an ihre Informationen gekommen, trotz staatlichen Blockaden im Internet. Fuchs sagt aber auch, es werde immer schwieriger, die "great Firewall of China" zu umgehen.

Der "Talk Täglich" in voller Länge:

Vom Staatsfernsehen in China zurück in die Schweiz

Seit einem halben Jahr ist sie nun wieder in der Schweiz. Sie arbeitet als Moderatorin  beim neuen Privatsender CNN Money Switzerland. Obwohl der Kulturschock vielleicht noch eine Weile anhält, schätzt sie es, wieder in der Schweiz zu sein. Die Lebensqualität sei nirgends höher. "Und Zürich hat sich doch sehr gemacht."

Fuchs, die Rastlose

Bei CNN Money wird Fuchs wohl nicht bis zur Pension arbeiten. Lange hat sie es bisher nie an einem Ort ausgehalten. Sie hat schon für die Nachrichtenagentur Reuters in London und Dubai gearbeitet. An der Universität Genf studierte sie zuvor Wirtschaftsgeschichte und internationale Beziehungen sowie Arabisch und Portugiesisch. Ein Studium in Fernsehjournalismus absolvierte sie in Kairo. Nach Praktika auf der Schweizer Botschaft in Damaskus und bei der UNO in Genf ("zu viel Bürokratie und Administration") bewarb sie sich um einen Job beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB). Gesucht war ein Spion, jemand, der arabische Sender abhören konnte. Beim Bewerbungsgespräch scheiterte sie nicht am Sprach- sondern am Psychologie-Test. Fuchs erklärt, warum: "Weil ich einfach nicht aufs Maul sitzen kann."

Martinas langer Marsch – SRF-Reporter:

Januar 2017

(mwa)

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