Sternekoch
Suizid des Starkochs Benoît Violier: Wurde er Opfer von Betrügern? - Anwälte widersprechen

Der Suizid des Sternekochs Benoît Violier wirft Fragen auf: Gemäss Medienberichten soll Violier Oper betrügerischer Machenschaften einer Walliser Firma geworden und einen grossen Geldbetrag verloren haben. Die Anwälte der im Verfahren gegen die Firma involvierten Parteien widersprechen dieser Darstellung.

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Weine gekauft, aber nicht erhalten: Sternekoch Benoît Violier.

Weine gekauft, aber nicht erhalten: Sternekoch Benoît Violier.

Keystone

Am 31. Januar wurde Benoît Violier tot aufgefunden. Der Sternekoch aus Crissier hatte sich das Leben genommen. Jetzt – einen Tag nach Violiers Beerdigung – mehren sich die Hinweise, dass der «Mozart der Gastronomie» das Opfer einer umfangreichen Betrügerei geworden sein könnte.

Laut dem Westschweizer Wirtschaftsmagazin «Bilan» hatte der Starkoch bedeutende Beträge in teure Weine investiert und in der Folge aufgrund betrügerischer Machenschaften der Walliser Gesellschaft Private Finance Partners verloren. Die Gesellschaft wurde am 30. November 2015 Konkurs erklärt.

Violier (l.) und Philippe Rochat 2012 im «Hotel de Ville» in Crissier.

Violier (l.) und Philippe Rochat 2012 im «Hotel de Ville» in Crissier.

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Die teuersten Weine der Welt

Ein prominenter Deutschschweizer Gastronom, der zum Kreis der düpierten Weinabnehmer zählt und anonym bleiben möchte, sagte «Bilan»: «B. war seit Jahren Kunde von mir. Wir haben mit der Zeit Freundschaft geschlossen. Wir waren zusammen in Bordeaux, um noch nicht ausgereifte Weine zu degustieren.»

Im Mai 2015 habe B. dem Deutschschweizer Chefkoch vorgeschlagen, Geld in den Kauf von Flaschen aus dem Weingut Henri Jayere im Burgund zu investieren – den teuersten Weinen der Welt, wie «Bilan» unter Hinweis auf einschlägige Websites erklärt. Die Weine sollten dann am 6. Dezember bei einer Versteigerung in Genf unter den Hammer kommen.

Dem Deutschschweizer Gastronomen stellte B. einen Gewinn von 40 Prozent in Aussicht. Ein Posten von zwölf Flaschen des Jahrgangs 1985 erzielte 264'000 Franken, ein weiterer Posten von sechs Flaschen ging für 216'000 Franken weg. Doch der Chefkoch, der B. 250'000 Franken überwiesen hatte, sah davon nichts. Er konnte B. seit August telefonisch nicht mehr erreichen. Der Walliser beantwortete auch keine SMS mehr.

1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
16 Bilder
Blumen und Kränze umrahmen den Sarg des verstorbenen Sternekochs Benoît Violier in der Kathedrale von Lausanne.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.
1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.

1500 Trauergäste nehmen in der Lausanner Kathedrale Abschied vom «Mozart der Gastronomie»: Der Sternekoch Benoît Violier nahm sich am 1. Februar das Leben.

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In Untersuchungshaft

Im Oktober erfuhr der Gastronom dann, dass B. schon seit mehr als einem Monat in Untersuchungshaft sass. Gegen den Finanzmann und seine Gesellschaft waren Strafklagen eingereicht worden. Die Nachlassverwalter des im vergangenen Mai verstorbenen Philippe Rochat hatten nach Informationen von «Bilan» in dessen Nachlass Dokumente gefunden, aus denen hervorging, dass B. Rochat rund 700'000 Franken schuldete.

Frédy Girardet, der von «Bilan» zu dieser Affäre befragt wurde, wollte sich nicht dazu äussern. Er habe auch keine Stellung zu den Gerüchten genommen, wonach er Millionen verloren habe und zu den ersten Klägern gehöre.

Auch Benoît Violier soll es so ergangen sein wie dem Deutschschweizer Chefkoch. B. sei Ende Januar aus der Haft entlassen worden sein – wenige Stunden, bevor Violier aus dem Leben schied.

Die gleiche Flasche mehrmals verkauft

B. et E. sollen die gleiche Flasche Wein verschiedenen Gastronomen verkauft haben – bis zu viermal, bei Preisen von 20'000 bis 40'000 Franken pro Flasche. Auf diese Weise sollen B. und sein Partner 20 Millionen Franken kassiert haben, während sie lediglich über Weinflaschen im Wert von 10 Millionen Franken verfügten.

Anwälte widersprechen

Der Anwalt eines der mutmasslichen Betrügers widersprich nun dem Bericht von «Bilan». Gegenüber «20 Minutes» sagte Michel Ducrot, Violier gehöre nicht zu den Geschädigten. Zwar sei ein Sternekoch unter den zehn Klägern, dabei handle es sich aber nicht um Violier. Auch Grégoire Rey, Anwalt der Kläger, verwehrt sich der Darstellung Bilans. Es könne zum aktuellen Zeitpunkt der Ermittlungen nicht davon ausgegangen werden, dass der Tod Violiers in einem Zusammenhang mit den betrügerischen Praktiken der Walliser Firma stünden, so Rey gegenüber «20 Minutes».

Schulden im Restaurant?

Überdies soll B. gemäss «Bilan» auch bei Violiers Betrieb, der zu den Grossabnehmern von B.s Weinen gehörte, Schulden haben. Dies nicht nur aufgrund von bezahlten, aber nie gelieferten Weinflaschen, sondern auch, weil B. – der jeden Tag bei einem Spitzenkoch zu dinieren pflegte – seinen 40. Geburtstag in Violiers Restaurant gefeiert hatte. Die Rechnung für diese Festlichkeit belief sich auf 500'000 Franken – die nie bezahlt wurden, wie «Bilan» vermutet. Violiers Betrieb soll in der «Affäre B.» insgesamt eine halbe bis zwei Millionen Franken Verlust eingefahren haben.

Vor diesem Hintergrund stellt «Bilan» sich die Frage, ob der Selbstmord des Starkochs etwas mit diesen Verlusten zu tun haben könnte. Auf jeden Fall seien «die letzten Monate im Leben des berühmten Chefkochs ziemlich unruhig» verlaufen, schreibt das Wirtschaftsmagazin.