Am Ende erhoben sich die Thalner

Zwanzig Jahre lang diente er seinem Dorf als Gemeindeammann, dazu noch ein knappes Jahr als Gemeinderat. Theo Wernli sagt: «Ja, ich bin in dieser Zeit ein anderer geworden.»

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Peter Belart

Seine letzte Gemeindeversammlung hat Theo Wernli ungemein gefreut. «Ich erhielt einige besonders liebevoll ausgedachte Geschenke. Und dann sagte der Vizeammann: ‹Dreh dich mal um!› Und ich sah, dass sich alle Leute im Saal von ihren Sitzen erhoben hatten und klatschten. Das berührte mich tief.»

Noch eine Gemeindeversammlung ist ihm in lebhafter Erinnerung, nämlich jene, die seinem Amtsantritt voranging. Damals wurde über die Erschliessung der Aussenhöfe diskutiert, ein Thema, das sehr viel zu reden gab und in dessen Verlauf auch ungewöhnlich emotional argumentiert wurde. «Mein Vorgänger nahm die Voten recht gelassen auf und verdankte sie höflich. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Ich dachte mir: So nicht. Mir gegenüber muss niemand so heftig auftreten.»

Zweifelte bisweilen an sich

Tatsächlich fühlte er sich in all den Jahren nie grob unanständig behandelt; er bedauert sogar, dass an den Thalner Gemeindeversammlungen nicht mehr diskutiert wurde. «Das hat mich irgendwie beunruhigt, fast gestört: Warum melden sich so wenige zu Wort? Aus Gleichgültigkeit? Manchmal zweifelte ich an mir.»

Dabei unterstreicht Wernli, wie er sich auf jede einzelne Gemeindeversammlung minuziös vorbereitet hat, wie er bei jedem Traktandum das Für und das Wider gegeneinander abwog und auf mögliche Fragen aus dem Plenum schon im voraus Antworten suchte. «Ich versetzte mich besonders bei heikeln Geschäften in die Rolle der Opposition und versuchte, aus deren Sicht zu denken.»

Die Menschen sind wichtig

Wernli kommt aufs Tagesgeschäft des Gemeindeammanns zu sprechen. «Ich habe sehr viel gelernt in diesen Jahren, und zwar über die unterschiedlichsten Aspekte des dörflichen Zusammenlebens. Selbst in den Bereichen, die mich als Geschäftsführer betreffen, im Bauwesen also, konnte ich noch vieles lernen. Und ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt.» Die Menschen: In seiner Rückschau betont Wernli immer wieder, wie wichtig ein gut funktionierendes Team für eine erfolgreiche Arbeit ist. «Ganz bestimmt hätte ich meinen Job als Gemeindeammann niemals so lange gemacht, wenn wir untereinander nicht immer, immer gut harmoniert hätten. Es wurde im Gemeinderat viel diskutiert, manchmal auch heftig, aber immer um die Sache, nie gegen Personen.»

«Eine intakte Gemeinde»

Mit 16 verschiedenen Gemeinderäten hatte er zu tun, dazu mit fünf Gemeindeschreibern. Ganz besonders gut harmonierte er mit Rolf Wernli, der bis vor wenigen Jahren seine Arbeit mustergültig verrichtete. Und auch mit dessen Nachfolgern verstand er sich durchwegs gut. Und doch betrübt ihn gerade dieses Thema ein wenig, denn es erscheint absehbar, dass er die Gemeinde seinem Nachfolger Roland Frauchiger übergibt, ohne dass dann schon ein neu gewählter Gemeindeschreiber sein Amt angetreten hätte.

«Sonst glaube ich aber sagen zu dürfen, dass ich eine intakte, gut funktionierende Gemeinde weitergebe. Selbstverständlich sind nie alle Aufgaben gelöst; die Arbeit geht nie aus.» Konkret: Strassen- und Werkleitungen müssen saniert werden, darunter auch einige grosse Brocken. Wernlis Gattin Ruth betritt kurz den Raum. «Es muss deutlich werden, dass er die Arbeit für die Gemeinde immer gern gemacht hat», sagt sie. Wernli schmunzelt und ergänzt: «Ja, zu Hause musste ich oft hören, zuerst komme bei mir die Gemeinde, dann das Geschäft, dann nochmals die Gemeinde und erst danach vielleicht die Familie. Tatsächlich betrieb ich den Aufwand immer so, als ob es ein mir besonders liebes Hobby wäre. Ausserdem konnte ich mich so leicht vom Geschäft und von seinen alltäglichen Anforderungen lösen und abschalten. Geschäft ist Geschäft und Gemeinde ist Gemeinde.»

Ist Theo Wernli nach seiner eigenen Einschätzung in diesen zwanzig Jahren ein anderer geworden? Er überlegt sich die Antwort eine Weile und sagt dann: «Ja, ich denke schon. Das Amt ist ohne Zweifel eine Persönlichkeitsschule. Ich habe gelernt, meinen sonst etwas aufbrausenden Charakter zu beherrschen. Und ich habe gelernt, den Stolz und die übrigen Eigenheiten der Thalnerinnen und Thalner besser zu verstehen, so- dass ich sie auch gegen aussen besser vertreten konnte.» Besondere Freude hat es ihm gemacht, wenn er in harten Diskussionen um Sachfragen Lösungen aushandeln konnte, die für Thalheim vorteilhaft waren, zum Beispiel im Bereich Feuerwehr.

Aber später - wer weiss?

Seinem Nachfolger wünscht Theo Wernli Glück und die gleiche Zufriedenheit, die er so nachhaltig erleben durfte. «Ich werde mich in den nächsten Jahren zurückhalten und höchstens im Sinne des Gemeinderates argumentieren. Aber später - wer weiss?» Er lächelt mit dem ihm eigenen Schalk in den Augen.