Urs-Peter Inderbitzin

Obschon Handwerker oft erst Jahrzehnte nach Asbest-Expositionen erkranken, verjähren ihre finanziellen Ansprüche gegen den Arbeitgeber oder die Suva innerhalb von zehn Jahren seit dem Kontakt mit dem tödlichen Asbest. Dies hat das Bundesgericht im Fall einer Witwe entschieden, deren Gatte Jahrzehnte nach dem Asbest-Kontakt erkrankt und kurz darauf verstorben ist. Der im Alter von 58 Jahren verstorbene Handwerker war zwischen 1965 und 1978 für ein Maschinenbauunternehmen im In- und Ausland unterwegs gewesen und dort mit dem gefährlichen Asbest in Berührung gekommen.

Erst nach 26 Jahren krank

Ab 1978 war er im Innendienst tätig. Im Mai 2004 kam für ihn die erschreckende Diagnose: auf den Asbestkontakt zurückzuführende, bösartige Wucherung des Rippenfells. Anderthalb Jahre später war der Handwerker tot.

Die Witwe des Verstorbenen klagte hierauf gegen die Suva und forderte die Zahlung einer Genugtuung von 50000 Franken. Sowohl die Suva als auch das Aargauer Versicherungsgericht wiesen die Klage wegen Verjährung der Forderung ab, worauf die Witwe - ebenfalls ohne Erfolg - das Bundesgericht anrief.

Verjährt, bevor Schaden eintritt

Die Richter der zuständigen sozialrechtlichen Abteilung in Luzern haben mit ihrem Entscheid bestätigt, dass Forderungen verjähren können, bevor man überhaupt vom Schaden Kenntnis hat. Bei der Berechnung der Verjährung ist mit andern Worten auf den Zeitpunkt der schädigenden Handlung und nicht auf den Zeitpunkt des Eintritts des Schadens abzustellen.

Im konkreten Fall war der Handwerker zuletzt wohl im Jahre 1978 mit Asbest in Berührung gekommen. Die Forderung auf Zahlung einer Genugtuung hätte deshalb spätestens im Jahre 1988 eingereicht werden müssen. Dass der Handwerker erst im Jahre 2004 ernsthaft erkrankte, spielt keine Rolle.

Ein Fall für die Politik

Die Problematik von Spätschäden zufolge Asbest-Expositionen und die in diesem Zusammenhang völlig ungelöste Frage der Verjährung ist zurzeit Thema in den eidgenössischen Parlamenten. Eine Gesetzesrevision zur Verlängerung der Verjährungsfristen im Haftpflichtrecht ist eine politische Entscheidung, welche nicht das Gericht, sondern das Parlament zu entscheiden hat. Vor zwei Jahren wurde eine entsprechende Motion überwiesen.