Basel
Auf dem nt-Areal passiert mehr als nur Saufen

Es waren die Lärmklagen, die seit dem Einzug der Bewohner der Erlenmatt-Überbauung die Schlagzeilen dominiert hatten. Dabei geriet in Vergessenheit, dass die Zwischennutzung des nt-Areals einiges zur Quartiersentwicklung beitgetragen hat.

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Erlenmatt

Erlenmatt

bz Basellandschaftliche Zeitung

Toprak Yerguz

Es ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte: Mit der Zwischennutzung des nt-Areals im Kleinbasel wurde ein ansonsten brachliegendes Grundstück belebt, das dortige Angebot spielt für viele Basler eine wichtige Rolle in ihrer Freizeitgestaltung.

Seit letztem Sommer ist aber mit der Erlenhof-Überbauung der Ring an Wohnraum rund um das nt-Areal enger geworden. Wo früher die heimkehrenden Partygänger am Riehenring auf die ersten gestörten Nachbarn trafen, tun sie dies nun bereits auf dem nt-Areal selbst.

Die Lärmklagen begleiten seit Einzug der Bewohner der Erlenmatt-Überbauung die Diskussion um das nt-Areal. Anwohner bestätigen gegenüber der bz, dass die Absperrungen, die nach den
ersten Reklamationen den Durchgang der Heimkehrer durch die Erlenstrasse verhindern sollten, mittlerweile wieder abmontiert wurden.

Einer von ihnen, Ran Suter, berichtet von Zuständen, die keine Besserung der Situation erwarten lassen können: «Es scheint, als ob die Verantwortlichen kapituliert hätten.» Er bemängelt die mangelnde Information der Anwohner über allfällige Massnahmen gegen die lärmenden Partygänger: «Uns wird lediglich gesagt, das Areal sei im Wandel.»

Dieser Wandel kann an der Anzahl beteiligter Parteien abgelesen werden: Wo vorher nur Kanton und Zwischennutzer miteinander auskommen mussten, sind mittlerweile zwei weitere Akteure eingebunden: Die Firma Vivico, Eigentümerin der Erlenmatt-Überbauung, und die Mietparteien der Wohngebäude. Und alle haben eigene Interessen.

Eigentlich erscheint es logisch: Bei einer Verdoppelung der involvierten Parteien sind Probleme absehbar. Aber gerade weil die Probleme absehbar waren, hätten sie vermieden werden können. Dies glaubt Matthias Bürgin vom Verein k.e.i.m, der einst die Zwischennutzung initiiert hatte. Er sagt: «Die weitere Entwicklung des Areals wird ‹ab Reissbrett› vorangetrieben. Es ist, wie wenn die Zwischennutzung nicht existieren würde.»

Bürgin rät, dass der Übergang von einer Zwischennutzung in eine neue Nutzung sorgfältig in die Planung miteinbezogen werden müssen: «Der Prozess der Transformation muss gleichwertig wie die bauliche Planung angegangen und konzipiert werden.» Das sei beim nt-Areal nicht der Fall gewesen.

Dabei hat die Zwischennutzung durchaus angenehme Nebenerscheinungen für die Grundstückbesitzer. Der Preis pro Quadratmeter des nt-Areals ist innert weniger Jahre auf das beinahe

Vierfache gestiegen. Unabhängig davon wie gross der Anteil an dieser Wertsteigerung schlussendlich die Zwischennutzung ausgelöst hat - geschadet hat sie nicht.

Dass ein paar laute Saufbolde negative Schlagzeilen generieren, rückt die Tatsache in den Hintergrund, dass auch die Anwohner der Zwischennutzung ansonsten nicht abgeneigt sind. Angebote wie Trendsportanlagen oder Sonntagsmarkt werden akzeptiert. Suter sagt dazu: «Der Markt in der Halle geht gut über die Bühne, da gibt es keine Probleme.» Es sei einzig der Lärm in der Nacht, der die Anwohner plage: «Da ist der Alkoholkonsum ausschlaggebend.»