Baden bei Wien

Baden bei Wien ist ebenfalls eine Bäder-und Kulturstadt

Zwei Städte, ein Name – Baden. Wenn sich dann sogar herausstellt, dass noch andere Ähnlichkeiten bestehen, werde ich neugierig: Thermalquellen, Casino, Kurpark – eine Erkundungstour durch das Baden bei Wien.

Stefan Keller aus Österreich

Sofort ist mir der Wegweiser «Baden» vor ein paar Wochen aufgefallen, als ich aus meinem neuen Wohnort in der Nähe von Wien nach Süden fuhr. Als langjährigem Badener kommt da Heimatgefühl auf. Mein Interesse war geweckt. Baden bei Wien präsentiert sich als Thermalkurort, als historische Biedermeier-Stadt mit 14 Schwefelthermalquellen, die bereits in der Römerzeit genutzt wurden. Inzwischen habe ich die Römertherme ausprobiert, die Stadt angesehen, mich mit Bürgermeisterin Adensamer und dem Tourismusdirektor Lorenz unterhalten. Auch durch die grossen Säle des Grand Casino Baden bin ich gestreift. Einen Besuch des Strandbades nehme ich mir für nächstes Frühjahr vor: Es laden 5000 m² Wasserfläche und ein riesiger Sandstrand zum Badevergnügen ein.

Badener Bahn und Casino

Unmittelbar an die Spanischbrötlibahn, die erste Schweizer Zugverbindung zwischen Zürich und Baden, erinnert die Geschichte der «Badener Bahn»: Erbaut wurde sie im 19. Jahrhundert, um den Adeligen und Grossbürgern aus Wien den Besuch der Thermalbäder zu erleichtern. Heute verkehren täglich 125 Züge im Viertelstundentakt zwischen Baden-Josefsplatz und der Staatsoper im Zentrum von Wien.

Weiter steht hier das «Congress Casino Baden», es ist das grösste Spielcasino Österreichs. Der Bau enthält ein Konferenzzentrum mit drei Sälen und steht auf historischem Boden. Hier entspringt die älteste Thermalquelle und hier wurde zu Ehren von Maria Theresia die erste Parkanlage der Stadt errichtet, aus welcher der Kurpark entstanden ist. Der Eintritt in die prachtvollen Räumlichkeiten des Casinos ist gratis, das Spielangebot gross. Vergnügen und Lebensqualität auf hohem Niveau - das österreichische und das schweizerische Baden sind sich diesbezüglich sehr ähnlich.

Halle B statt Halle 36

Als «aufregendste Museumsgründung des Jahres 2009» wird die Eröffnung des Arnulf-Rainer- Museums im ehemaligen Frauenbad bezeichnet. Der 1929 in Baden bei Wien geborene Arnulf Rainer gilt als einer der erfolgreichsten und international

bedeutenden zeitgenössischen Künstler Österreichs. Speziell sind die Räumlichkeiten des Museums: ein klassizistischer Bau aus dem 19. Jahrhundert wurde in ein modernes Ausstellungsgebäude adaptiert.

Das kulturelle Angebot Badens bei Wien ist in verschiedenster Weise reichhaltig. So wird analog dem Schweizer Pendant von der «Kulturstadt Baden» gesprochen. Besonders ins kulturpolitische Auge fällt die «Halle B», die von der Bezeichnung her an die «Halle 36» der Limmatstadt erinnert. Der ehemalige «Tanzpalast» steht seit kurzem als Zentrum der kreativen Jugend zur Verfügung. Hier ist unter anderem das Kinder- und Jugendtheater beheimatet. Parallel zum «normalen» Veranstaltungsbetrieb stehen die Räumlichkeiten auch für alternative Nutzungen zur Verfügung. In die bauliche Umgestaltung und Technik wurden 1,25 Mio. Euro investiert. Jugendorganisationen haben bei der Projektplanung mitgeholfen.

«Familientische» als erste Stadt

Die heutigen Zeiten des Wandels fordern eine historisch geprägte Stadt wie Baden besonders. Soziale Aufgabenstellungen und auch der Klimaschutz spornen die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zu innovativen Leistungen an: So organisiert Baden als erste österreichische Stadt «Familientische». Das sind offene Foren für alle Generationen in den verschiedenen Stadtteilen, die Teil eines umfassenden Entwicklungsprozesses sind.

Im Bereich Verkehrsplanung sticht - neben der Fussgängerzone - die Förderung des Radfahrens ins Auge: Für das innovative Massnahmenpaket - der Radverkehrsanteil wurde seit 2003 von 6 auf 10 Prozent gesteigert - wurde die Stadt als eine von 14 europäischen Städten mit dem «Climate Star 2007» ausgezeichnet. Weitere Umweltprojekte im sind in Entwicklung.

Als wichtigste Herausforderung für die Zukunft Badens sieht Tourismusdirektor Klaus Lorenz, die Kernkompetenz als «Stadt der Bäder» weiter auszubauen und touristisch effizient zu erschliessen. Der Bau eines 5-Sterne-Hotels soll dahingehend in den nächsten Jahren ein starkes Zeichen setzen. So können die historischen Wurzeln und Traditionen mit frischem Wind und einem modernen Image versehen werden.

Schweizer Woche 2010

Vom 11. bis 21. März wird im Congress Casino eine Schweizer Woche durchgeführt, organisiert durch die Schweizer Botschaft in Wien sowie Schweiz Tourismus. Vorgesehen ist u. a. der Auftritt eines (Schweizer) Badener Künstlers. Ich freue mich darauf, dann viele bekannte Gesichter aus dem aargauischen Baden begrüssen zu dürfen. Für alle, die etwas mitbringen möchten: Gefragt sind Badener Steine. «Spanischbrötli-Goldwändler» eignet sich weniger. Wein gibt es hier, mitten in einem der grossen Weinbaugebiete Österreichs, in Hülle und Fülle.

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