Baustellen, so weit das Auge reicht

Die Ferien sind da, der Süden ruft – doch von freier Fahrt keine Spur. Unsere Autobahnen: eine einzige Baustelle. Entweder sind die Fahrspuren so eng, dass man den Rückspiegel riskiert, oder man steht im Stau.

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Baustellen, so weit das Auge reicht

Baustellen, so weit das Auge reicht

Jessica Pfister

Es ist Sommerzeit, der Reiseverkehr rollt – doch ausgerechnet jetzt schiessen die Baustellen auf Autobahnen wie Pilze aus dem Boden. Alleine im Einzugsgebiet dieser Zeitung sind es deren 18, kürzere Arbeiten nicht einberechnet (siehe Grafik). 100 Kilometer Autobahn werden pro Jahr von Grund auf erneuert. So will es das Konzept des Bundes, der seit dem 1. Januar 2008 für Ausbau und Unterhalt des Nationalstrassennetzes verantwortlich ist.

Doch es ist nicht nur die Menge der Baustellen, die für Ärger sorgt. Auf der endlos erscheinenden, klaustrophobischen Fahrt zwischen roten Abschrankungen und Betonmauern sieht der Autofahrer nur selten mal einen Arbeiter oder Bagger. Und man fragt sich: Was machen die eigentlich?

«Arbeiten auf kürzeren Strecken»

Niklaus Zürcher vom Automobil-Club der Schweiz (ACS) übt Kritik an der Nationalstrassen-Unterhaltsplanung des Bundes. Es könne nicht sein, dass auf zehn Kilometer Baustelle, wie beispielsweise auf der Strecke zwischen Aarau Ost und Birrfeld, nur alle drei Kilometer ein Bauarbeiter stehe. «Die Arbeiten müssen sich künftig auf kürzere Strecken konzentrieren», fordert Zürcher.

Momentan gilt die Regel, dass 12 bis 15 Kilometer für die Autofahrer erträglich sind. Der ACS-Direktor stört sich aber auch an den Arbeitszeiten auf den Baustellen. «Während auf der Schiene 24 Stunden gebaut wird, finden Unterhaltsarbeiten auf der Strasse meist zwischen 7 und 17 Uhr statt.» Dabei sollte es laut Zürcher selbstverständlich sein, dass auch auf der Strasse 24 Stunden gearbeitet wird.

Vorbild Tunnelbau?

Auch SVP-Nationalrat This Jenny sieht in der Länge der Baustellen «Optimierungspotenzial». Um die Bauzeit zu verkürzen, hat Jenny im vergangenen Jahr eine Motion eingereicht, damit in der Baustellenausschreibung der Zweischichtbetrieb verankert wird. «Beim Tunnelbau ist das ganz normal, warum nicht auf Autobahnen?», sagt der Bauunternehmer.

Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra) versteht den Missmut vieler Autofahrer, stellt aber klar: «Wir bauen nicht zur Freude, sondern weil es nötig ist und uns das Gesetz dazu verpflichtet.» So seien 70 Prozent der Nationalstrassen 30-jährig oder älter. «Die alten Beläge sind diesen Anforderungen nicht mehr gewachsen und selbst moderne Beläge müssen alle 10 bis 15 Jahre erneuert werden.»

«Je heisser, desto besser»

Doch warum müssen diese Arbeiten ausgerechnet im Sommer stattfinden? «Das Verkehrsaufkommen im Schwerverkehr ist im August bis zu 40 Prozent kleiner», so Rohrbach. Hauptgrund sei aber, dass für gute Beläge eine Mindesttemperatur von 12 bis 15 Grad nötig sei. «Je heisser, desto besser.»

Was die Länge der Baustellenabschnitte angeht, hat der Astra-Sprecher gute Nachrichten: «Wir sind dabei, diese Abschnittsplanung zu überarbeiten.» Ziel sei, die Baustellen zu verkürzen und Abschnitte schneller wieder dem Verkehr zu überlassen. Bei den Zweischichtbetrieben ist Rohrbach allerdings skeptisch: «Erstens brauchen wir dazu Sonderbewilligungen, zweitens ärgern sich die Anwohner, weil ihre Nachtruhe gestört wird.»