Brigit Leuenberger

«Es sind Reklamationen eingegangen, wir wissen es», sagt Hanspeter Grosswiler. Er und seine Frau, Sonja Grosswiler, sitzen auf der Terrasse ihres Betriebes und rauchen eine Zigarette. Sie haben noch einen Moment Zeit, bevor der mittägliche Ansturm auf ihre Suppen beginnt. Die zwei Quereinsteiger sind mit dem Geschäftsgang vom «Hot Soup» zufrieden. «Die Gäste loben unsere Küche. Dennoch müssen wir uns zur Decke strecken, genau wie jeder hiesige Gastrobetrieb.» Über den neu geschaffenen Biergarten sagt der Wirt: «Alles ist rechtens abgelaufen. Den Platz haben wir bei der Stadtpolizei, Festbude und Bänke von der Stadt gemietet. Zudem haben wir ein eigenes Häuschen bestellt und sehen uns nach einer Bestuhlung um. Wir wollen das Material der Stadt nicht allzu lange beanspruchen.»

Etwas anders sieht dies Stadtbaumeister Claude Barbey. «Das Baugesuch ist erst eingegangen, als die Bude schon stand», sagt er. Der Biergarten sei offiziell noch gar nicht bewilligt. «Strassencafés müssen öffentlich publiziert werden.» Die Baudirektion habe das Ehepaar Grosswiler dennoch nicht behindern wollen. «Es ist im Interesse aller, dass der Marktplatz stärker belebt wird. Darüber gibt es sogar einen Gemeinderatsentscheid.» Der Stadtbaumeister findet, dass es dem Konzept noch an «Design und Finish» fehle. «Es muss architektonisch ins Bild passen. Aber daran wird ja gearbeitet.»

In der Existenz bedroht

Der Biergarten steht aber nicht in erster Linie wegen der fehlenden Baubewilligung bei so manchem Gewerbler in der Kritik. Unverhofft hat dieser die Diskussion um die Randständigenproblematik auf dem Marktplatz neu angeheizt. Die Alkiszene, die sich eine Zeit lang unter den Bäumen getroffen hat, ist in die Mitte des Platzes zurückgekehrt. «Ich sagte ihnen, dass ich für den Platz Miete bezahle und sie nicht hier haben will. Das haben sie verstanden», sagt Hanspeter Grosswiler.

Nun treffen sich die Randständigen bei schönem Wetter wieder beim Brunnen vor der Drogerie Arnold. «Ich hatte eine Weile Ruhe und habe diese wirklich genossen», betont Geschäftsführer Markus Arnold. Nun würden diese «Happenings» wieder direkt vor seiner Ladentüre stattfinden. «Wenn der Alkoholpegel gegen Nachmittag hin steigt, wird es laut. Zudem stören die vielen Hunde.» Das Problem der Alkiszene sei nach wie vor ungelöst, stellt der Drogist klar. «Ich sage, was ich immer sage: Diese Szenenbildung ist eine schlechte Visitenkarte für die Stadt. Zudem wirkt sie für mich geschäftsschädigend.»

Kioskbesitzer, Peter Manta, bläst ins gleiche Horn: «Wir müssen arbeiten, damit wir überleben können. Und diese perspektivenlosen Leute bedrohen unsere Existenz.»

Mehr Leben - weniger Szene?

Der Stadtbaumeister kann zwar Baubewilligungen erteilen, nicht aber Randständige umsiedeln. Doch auch er findet, dass diese Problematik angegangen werden muss. «Meiner Meinung nach braucht es noch mehr Strassencafés. Der Biergarten zeigt es deutlich: Belebt sich der Marktplatz, verschwindet die Szene.» Nur wenige Möglichkeiten, gegen die Alkiszene vorzugehen, hat Stadtpolizeikommandant, Robert Gerber: «Wenn sie zu laut sind oder sich prügeln, können wir sie verwarnen und für eine Weile wegweisen. Das tun wir auch laufend, hat aber keine nachhaltige Wirkung.»

Dass ihre Idee die Randständigen wieder in die Mitte des Platzes getrieben hat, tut Hanspeter Grosswiler Leid. Aber: «Vorher waren sie bei mir und haben mich gestört. Ich kann doch nicht den ganzen Platz retten.» Allerdings, so betont er, wäre es auch ihm lieber, wenn die Szene gänzlich verschwinden würde. «Ich wünschte mir, dass sich unser Stadtpräsident mal einen Nachmittag lang bei uns auf die Terrasse setzt und die Szene beobachtet. Dann könnte man gleich gemeinsam nach Lösungen suchen.»

Grosswilers drücken ihre Zigaretten aus und erheben sich. Die ersten Gäste haben sich an einen Tisch gesetzt und studieren die Speisekarte.