Buschauffeur pinkeln Toilette um 30 Meter verfehlt
Brünzli-Chauffeure: Toiletten 30 Meter verfehlt

Die Anwohner an der Haltestelle Brühl trauten ihren Augen nicht: Regelmässig urinierten Buschauffeure im öffentlichen Raum. Jetzt wurde einer verwarnt.

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Toilette um 30 Meter verfehlt

Toilette um 30 Meter verfehlt

Solothurner Zeitung

Andreas Kaufmann

Wer beruflich auf Achse ist und an einen Fahrplan gebunden, tut gut daran, seine Pinkelpausen zu koordinieren. Bei den Busbetrieben Solothurn und Umgebung BSU hat man es da einfacher, wie eine Chauffeurin auf der Linie 5/7 bestätigt: «Sofern man vorher nicht zu viel Kaffee getrunken hat, sind die 50 Minuten für Herzogenbuchsee–Brühl durchaus zu bewältigen», schmunzelt sie. Danach wartet am Endhalt in Brühl eine den BSU zugängliche WC-Anlage, die zum Gebäude an der Platanenallee 35 gehört. Und nicht nur das: Auch sonst haben Busfahrer bei Notdurft Zugang zu vielen WCs. «In unserem Netz hat das Personal praktisch an allen Endhaltestellen über einen Schlüsselkasten Zugang zu einer Toilette», bestätigt BSU-Betriebsleiter Robert Fürst.

«Dies ist keine ‹Schiffländte›»

Dennoch scheinen einzelne Buschauffeure so viel Kaffee zu trinken, dass sie vor Nervosität den Weg von der Haltestelle Brühl bis zum «Hüsli» nicht mehr finden. Dies lassen zumindest Beobachtungen von Anwohnern vermuten: «Diesen Sommer sassen wir abends regelmässig auf dem Balkon. Und gleich mehrere Male haben wir festgestellt, dass Chauffeure ins Feld oder auf privaten Grund pinkeln», so der Leserbriefschreiber Rolf Ingold.

Damit ist er nicht der Einzige. Schon als sich die Haltestelle beim FC-Blustavia-Clubhaus weiter südlich befand, habe es Vorfälle dieser Art gegeben, wie sich eine andere Anwohnerin erinnert: «Aber was will man da machen?», zuckt sie resigniert mit den Schultern. Auch Ingold zeigt sich ähnlich machtlos: Einmal habe er einem fehlbaren Chauffeur zugerufen, dies sei keine «Schiffländte». Dann hat seine Frau die BSU telefonisch auf die Unsitte aufmerksam gemacht. «Bis heute aber ist nichts geschehen», so Ingolds Beobachtung. Er stösst sich zudem auch an dem Mangel an Sauberkeit: «Schon in der Schule lernt man, sich nach dem Toilettengang die Hände zu waschen. Wenn aber Busfahrer im Freien urinieren, so werden sie sich danach kaum wieder mit sauberen Fingern hinters Lenkrad setzen.»

Toiletten sind genügend vorhanden

Bein den BSU selbst hat die Reklamation einiges ins Laufen gebraucht, bestreitet Robert Fürst den Vorwurf der Untätigkeit. Auch für ihn ist ein solcher Vorfall selbstverständlich schwerwiegend, insbesondere da Toiletten zur Genüge vorhanden wären: «Allerdings müssen wir für eine Untersuchung genau wissen, wann und wo der Vorfall beobachtet wurde. Wir können nicht alle 100 Chauffeure verdächtigen, die diese Linie befahren.» Zudem verkehren auch die Partnerbetriebe Aare Seeland Mobil asm, Postauto Region Bern und die Busbetriebe Grenchen und Umgebung BGU (nur Linie 2) mit 100 weiteren Busfahrern im Netz des Konzessionärs BSU.

Dem Pinkler ins Gewissen geredet

«Wir konnten nicht begreifen, dass es wieder zum Thema wurde. Noch vor dieser Reklamation haben wir betriebsintern eine Weisung herausgegeben, die das Urinieren im öffentlichen Raum verurteilt», so Fürst.

Nun stellte sich nach Abklärungen die Urheberschaft eines der Verdächtigen heraus, während der andere einem Partnerbetrieb angehört. «Wir haben dem Mitarbeiter aus unseren Reihen ins Gewissen geredet und ihn über die Konsequenzen aufgeklärt, sollte sich ein solches Vergehen wiederholen», versichert er. Schliesslich gehe es auch ums BSU-Image, das durch drei, vier schwarze Schafe geschädigt werde. Und nicht zuletzt hat Reinlichkeit am richtigen Ort auch für Robert Fürst vor allem mit einem zu tun: «nämlich mit Anstand».