Reformierte
Den Mitgliederschwund stoppen

Unter der Überschrift «Lebendige Gemeinde» hat die Reformierte Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach in den letzten Monaten einen Strukturwandel eingeleitet. An der kommenden Gemeindeversammlung soll das letzte Kapitel vor der Umsetzung geschrieben werden.

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Solothurner Zeitung

Urs Byland

Mit einer Sonderbeilage in der Kirchenzeitung «reformiert.» informiert die Kirchgemeinde Grenchen-Bettlach ihre Gemeindeglieder zur Vorlage. Auf zwei Zeitungsseiten wird begründet, erklärt und analysiert, weshalb und wie die Gemeindestruktur erneuert werden soll.

Zwei wesentliche Entwicklungen stehen am Anfang der Überlegungen: die sich abzeichnende finanzielle Entwicklung und die rückläufigen Mitgliederzahlen. Laut Finanzplan muss die Kirchgemeinde mit durchwegs negativen Zahlen bis 2013 rechnen. Konkret soll sich der Schuldenberg bis in fünf Jahren auf über 600 000 Franken auftürmen.

Auf der anderen Seite zeigt die Entwicklung der Mitgliederzahlen stark abwärts. In diesem Jahr zählt die Kirchgemeinde 6560 Mitglieder. Vor vier Jahren waren es noch 7111. Im Jahr 1980 betrug diese Zahl 9647. Das Schlimme ist, dass sich der Abwärtstrend in den letzten zehn Jahren verstärkt hat.

Bereits Ende Oktober 2007 zogen die Verantwortlichen deshalb die Notbremse und beschlossen, bei allen durch Kündigung frei gewordenen Stellen zu prüfen, ob diese weitergeführt oder verlagert werden sollen. Mit der Kündigung einer Jugendarbeiterin und eines Pfarrers sahen die Verantwortlichen den Moment gekommen, die Kirchgemeinde mithilfe eines externen Beraters generell zu überprüfen.

Pfarrer administrativ entlasten

Die Überprüfung bringt letzten Endes nicht nur eine geringfügige Verminderung der Stellenprozente von bisher 640 auf neu 625 für die Pfarrer, die Gemeindehelfer und die Verwaltung. Dieser Abbau lässt sich mit der geringeren Anzahl Kirchgemeindemitglieder erklären. Die Neuausrichtung bringt auch eine wesentliche Verlagerung der Kräfte. Gestärkt werden sollen die Pfarrer in ihrer Kernaufgabe. Dies soll mit einer Verstärkung des Sekretariats sowie so genannten Schreibhilfen erreicht werden. Letztere sollen die Pfarrpersonen im administrativen Bereich entlasten.

Auch inhaltlich hat eine Trendwende eingesetzt. Festgestellt wird beispielsweise, dass das mittlere Alter zu wenig angesprochen und in der Kirche integriert ist. «Ziel ist es, den Bestand an Mitgliedern in diesem Segment der Kirche zumindest zu halten», sagt dazu Kirchgemeindepräsident Rolf Enggist. Zudem sollen die aktiven Senioren vermehrt angesprochen werden. «Wir haben viele Freiwillige, rund 140 Personen, die sich aktiv für unsere Kirche einsetzen, aber die werden nicht jünger. Hier müssen wir aktiv Interessierte ansprechen.»

Neu zwei statt drei Kreise

Konkret soll Grenchen in zwei statt wie bisher drei Kreise eingeteilt werden. Drei Pfarrämter (zweimal 100 Prozent, einmal 75 Prozent), jedes mit einem Schwerpunkt (Bildung, Diakonie, Senioren) betreuen die Grenchner Mitglieder. Der Kreis Markus (Bettlach) bleibt unangetastet. Weiter werden zwei Stellen eingerichtet. Eine 70-Prozent-Stelle mit Angeboten für Kinder und Jugendliche sowie eine 60-Prozent-Stelle für Jugendliche ab Konfirmation und mittleres Alter (Familien, Alleinerziehende und Singles). Damit sollen die Bedürfnisse des mittleren Alterssegments abgeklärt und Projekte entwickelt werden.

Die Vorlage mit den entsprechenden Änderungen in der Kirchgemeindeordnung wird an der Kirchgemeindeversammlung am kommenden Montag, 22. Juni, um 20 Uhr im Saal der Markuskirche, Bettlach, entschieden.