Veltheim

«Der Klöppel soll die Glocke küssen, nicht schlagen»

«Der Klöppel soll die Glocke küssen, nicht schlagen»

«Der Klöppel soll die Glocke küssen, nicht schlagen»

Die Reparaturarbeiten im Kirchturm von Veltheim sind abgeschlossen. Während zweier Tage brachten Werner Lang und José Benitez das Geläut auf Vodermann.

Peter Belart

Oben, in der Glockenstube des Kirchturms, wirbelt Schnee herein. Es ist ungemütlich. Die Kirchturmtechniker Werner Lang und José Benitez sind nicht unglücklich über die Bitte, einen Moment herunterzusteigen und sich auf der Empore hinzusetzen. Zwei Tage lang sind sie damit beschäftigt, das Geläut der Kirche Veltheim wieder auf Vordermann zu bringen.

Das Problem waren in erster Linie die Klöppel. Lang erklärt: «Etwa nach 25 Jahren müssen sie ausgewechselt werden.» Und Benitez verdeutlicht: «Durch die vielen, vielen Schläge auf das Metall wird dieses mit der Zeit verdichtet und dadurch auch verhärtet. Dies bewirkt einerseits, dass die Glocke nicht mehr so schön klingt, sondern schriller und messbar deutlich lauter, und anderseits, dass die Glocke durch den gehärteten Klöppel vermehrt beansprucht wird. Es kommt zu Dellenbildung, und im Extremfall können sogar Sprünge entstehen.»

Feinstarbeit beim Schmieden

Ein so überbeanspruchter Klöppel ist nicht zu reparieren; er muss ausgewechselt werden. Die Techniker vermessen ihn, dann wird ein neues Stück zu Hause in Triengen geschmiedet. Dies ist Feinstarbeit, denn jetzt müssen Form, Gewicht, Gewichtsverteilung und Legierung ganz genauen Vorgaben entsprechen, die von Glocke zu Glocke verschieden sind und individuell berechnet werden. Schon geringe Ungenauigkeiten verändern Lautstärke und Klang der Glocke und beeinflussen deren Beanspruchung.

Ebenso wichtig ist es aber, den Klöppel richtig und auf die exakt berechnete Höhe in die Glocke zu hängen. Entscheidend sind dabei die Flugbahn und der genaue Anschlagort. Die Firma Johann Muff AG präzisiert dies poetisch: «Der Klöppel soll die Glocke küssen, nicht etwa anschlagen.»

Präzise Artistik

In Veltheim wurden die Klöppel aller fünf Glocken ausgewechselt. Ersetzt wurden auch die stark gerosteten Klöppelaufhängungen, Motorzahnräder, Antriebs- und Steuerketten. Die Monteure arbeiten unter schwierigen Bedingungen. Nicht nur sind sie im Kirchturm allen Wetterkapriolen ausgesetzt; oftmals sind beinahe artistische Kletterkünste gefragt, sogar im Freien, wenn es keinen Zugang im Glockenturm gibt. Hier waren die Umstände nicht allzu schwierig, zumal alle Glocken auf einer Ebene angeordnet sind. Und doch gesteht Lang: «Man schlägt halt zuweilen den Kopf an. Dann entwischt einem schon mal ein Kraftausdruck, obwohl wir ja in der Kirche sind.»

Während Benitez die Abwechslung und Vielseitigkeit seiner Arbeit hervorhebt, erwähnt Lang die Geschichtlichkeit und Spiritualität dieser Arbeitsorte. Und beide schätzen es, in der ganzen Schweiz immer wieder neue Kirchen und Kapellen aufzusuchen. «Manchmal sind wir sogar auf die Hilfe eines Helikopters angewiesen.»

In Veltheim ist nun alles wieder in Ordnung: Oben im Kirchturm wird geküsst.

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