Schmutzli

Der Schmutzli lässt das Knurren sein

Wenn in den kalten Dezembernächten auf den Strassen ein Glöcklein erklingt, dann ist der Samichlaus mit seinen Schmutzli wieder unterwegs. AZ-Mitarbeiter Roger Wetli schlüpfte ins schwarze Gewand und erzählt von seinen Begegnungen.

«Es ist 16 Uhr. Mit ein wenig Verspätung treffen die zwei Frauen und sechs Männer ein, die die heutigen Familientouren bestreiten. Zuerst werden die beiden Chläuse geschminkt, während der Rest von den mitgebrachten Lebkuchen kostet.

Dann bin ich an der Reihe, und aus Roger Wetli wird Schmutzli. Schwarze Socken, Schuhe, Hosen, Pullover und Schal habe ich von zu Hause mitgebracht. Was noch fehlt ist die Schminke, das Schmutzligewand und die Handschuhe. Dabei ist es wichtig, dass ich mich nicht zu warm anziehe. Denn aus Erfahrung weiss ich, dass die Schmutzli bei den Familien oft hinter den Chlaus und damit vor das Cheminée-Feuer gestellt werden. Ein Hitzestau kann die Folge sein.

‹Bitte lasst das Knurren vor den Kindern›, mahnt der Chlaus. «Im Chlauskurs haben wir gelernt, dass dies kontraproduktiv ist.»

Unterwegs per Chlausmobil

Heute sind zwei Teams mit je einem Chlaus und drei Schmutzli unterwegs. Mit dem roten Chlausmobil ist meine Gruppe zur ersten Familie gefahren. Kurz bevor wir dort anklopfen, verteilt der Chlaus die Aufgaben unter den Schmutzli und gibt ihnen Anweisungen.
Der erste Schmutzli trägt die Laterne, der zweite die Fitze und ich den Jutensack. Dann ist es so weit und wir klopfen bei der ersten Familie an. Die für die Kinder bestimmten Chlaussäcklein hatten die Eltern vorher im Briefkasten deponiert, von wo sie nun in meinen Sack wandern.

Wir betreten die Wohnung und stellen uns hinter dem Chlaus auf. Dieser ruft jedes Kind einzeln auf und erzählt ihm, was es im vergangenen Jahr gut, aber auch schlecht gemacht hat. Als Geschenk erzählen sie ihm Gedichte. Wir Schmutzli sind dabei mucksmäuschenstill und verkneifen uns das Lachen, wenn die Kinder mit Engelsaugen ihre Fehler bedauern. Das ist für mich nicht immer einfach.

Pro Kind etwa 10 Minuten

Derweil habe ich Zeit, die Stuben der Familien zu betrachten. Jede Wohnung versprüht ihren ganz eigenen Charme. Zudem versucht jeder Schmutzli zu erraten, wie die anwesenden Personen zueinander stehen.

Wenn ein Kind die Schmutzli angstvoll anschaut, bittet uns der Chlaus einige Schritte Abstand zu halten. Das passiert aber nur selten. Pro Kind rechnet der Chlaus 10 Minuten. Der Zeitplan an diesem Abend ist ehrgeizig, kann aber eingehalten werden. Wenn wir von einer Familie zur andern wechseln, tauschen wir gemeinsam die ersten Eindrücke aus. Welches Kind hatte Angst, welches war vorlaut, welches mutig und tapfer? Die Eltern hatten sich vorher angemeldet und die Eigenschaften der Kinder aufgeschrieben. Diese stehen nun im Goldenen Buch.

Bei einer Familie kommt spontan noch ein weiteres Kind hinzu. Aber auch eine erwachsene Person wird vor den Chlaus zitiert. Immer wieder erhalten wir Lebkuchen oder Guetzli auf den Weg. Auch ein Nuggi wird dem Samichlaus mitgegeben.

Um 21 Uhr beenden wir die Tour und schminken uns ab. Mein Hunger ist mittlerweile so gross, dass ich mich nur halbherzig vom Schwarz im Gesicht befreie und nun wie ein Grufti aussehe.

Während wir zusammen Wienerli mit Brot, Kuchen und Guetzli essen, trifft die andere Chlausgruppe ein und wir tauschen die Erlebnisse aus. Während wir Schmutzli verschiedene Dinge über die Wohnungen erzählen, haben sich die Chläuse so sehr auf die Kinder konzentriert, dass sie ihre jeweilige Umgebung kaum wahrgenommen haben. Nicht einmal an das riesige Aquarium mit den zahlreichen Fischen erinnert er sich, obwohl er direkt daneben gestanden hat.

Um 22 Uhr verlasse ich den Ort. Eine Dusche lässt endgültig die letzten Spuren des Schmutzli verschwinden. Übrig bleibt Roger Wetli. Wieder der alte zwar, aber um viele Eindrücke reicher.» (AZ)

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