Andrea Weibel

Die steinharten Äcker machen es den Bauern beinahe unmöglich, ihre Kartoffeln unbeschädigt zu ernten. Andere mussten ihre Zäune wieder abbrechen, da das verbliebene Gras auf den Wiesen für die Kühe schlicht nicht ausreicht. Kein Wunder, denn seit Anfang September hat es im Freiamt nicht mehr richtig geregnet. «Zwischen dem 16. und dem 19. September ist der Boden nochmals nass geworden, aber das hat nicht gereicht», so Thomas Schlegel, Klimatologe bei Meteo Schweiz. «Das ist der trockenste September seit 1996.»

Besser als trockener Sommer

Doch nicht allen macht die derzeitige Trockenheit zu schaffen. «Die Winzer freuen sich, denn die Sonne macht die Trauben süss», weiss Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau in Muri. Ein wenig Regen täte allerorts gut, aber «weil wir gerade entlang der Reuss oft Nebel haben, der die Felder mit genügend Feuchtigkeit versorgt, freuen sich die Bauern dort über den sonnigen Herbst». Ein trockener Sommer wäre viel schlimmer als ein trockener Herbst, denn «jetzt wächst sowieso nicht mehr viel».

Das Wiesland sei ebenfalls nicht so stark betroffen. «Der fünfte oder sechste Grasschnitt im Jahr ist nie sehr ergiebig und kann auch einmal ausgelassen werden. Er wird nur durchgeführt, weil zu hohes Gras im Winter die Mäuse anlockt», weiss Bucher. «Wenn das Gras aber nicht einmal mehr für die Kühe reicht, muss man früher mit der Winterfütterung beginnen und im Frühling womöglich Futter zukaufen. Das ist natürlich mit Kosten verbunden.»

Am meisten treffe die Trockenheit jedoch die Gemüsebauern. «Aber der Grossteil unter ihnen ist sowieso mit Bewässerungsanlagen ausgerüstet. Die Kosten für die Bewässerung sind natürlich höher, als wenn das Wasser gratis vom Himmel kommt, aber zu Engpässen sollte es dennoch nicht kommen.» Nach dem trockenen Sommer 2003 habe die Diskussion über Bewässerungsanlagen zugenommen, sei aber wieder abgeflaut. «Die momentane Trockenheit wird das Thema wieder in den Vordergrund stellen, und das ist langfristig gesehen einfach nötig», so Bucher.

Fische kaum gefährdet

Der Wasserstand der Reuss ist in Bremgarten so tief, dass man sie beinahe zu Fuss überqueren möchte. «Der Pegelstand ist verheerend. So tief sollte das Wasser im Januar sein, nicht im Oktober», bestätigt Armin Geissmann, Vorstand des Aargauischen Fischereiverbandes. «Wir haben aber Glück, dass das Wasser, auch wenn es wenig ist, nicht zu warm wird und die Fische dennoch genügend Sauerstoff bekommen», gibt er Entwarnung.

Die Fliessgeschwindigkeit der Gewässer sei stark gesunken. Dennoch sei sie noch einigermassen zufriedenstellend. «Wir sorgen uns eher um Fische in kleinen Waldseen, die sich aufwärmen, wenn es nicht bald regnet.»

Meteo Schweiz macht jedoch Hoffnung: In den nächsten Tagen werde es vermehrt regnen. «Am Donnerstag wird ein starker Regen die Trockenperiode aber endgültig abschliessen.» Und auch danach sorge ein Tief dafür, dass die Felder und Flüsse stetig mit Regenwasser versorgt werden.