«Die Maschine läuft ruhig und zuverlässig»

Probelauf im neuen Wehrkraftwerk in Leibstadt: Ende Jahr soll die Anlage, genau nach Zeitplan, in Betrieb gehen.

Merken
Drucken
Teilen
Kraftw.jpg

Kraftw.jpg

Aargauer Zeitung

Michael Hunziker

Die Grosskomponenten - Generator genauso wie Turbine - sind eingebaut, die Hilfssysteme sowie die Leistungs- und Steuerkabel für die ganze Anlage sind installiert. Die Inbetriebsetzungsarbeiten am neuen Wehrkraftwerk in Leibstadt befinden sich in der Schlussphase.

Update

Mit dem neuen Wehrkraftwerk auf Leibstadter Boden kann die Ausbauwassermenge des bestehenden Rheinkraftwerks von 1100 auf 1400 Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden. Gerechnet wird mit Gesamtkosten von rund 70 Mio. Euro. Für rund 4 Mio. Euro werden ökologische Ausgleichs-, Aufwertungs- und Ersatzmassnahmen getroffen. Die umfangreichste ist der Bau des naturnahen Umgehungsgewässers auf Schweizer Seite. (az)

Bereits Ende Oktober konnte im Rahmen eines Turbinentests zum ersten Mal Strom erzeugt werden (die AZ berichtete). «Die Erwartungen bestätigen sich. Die Maschine läuft ruhig und zuverlässig», sagt Projektleiter Günter Schlageter von der Bauherrschaft Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern AG.

Für Lachse oder Äschen

In den nächsten Tagen stehen gemäss Schlageter weitere Versuche an. Er spricht von Systemeinstellungen an Turbinenregler und leittechnischen Automatisierungssystemen. Ebenfalls geprüft werden die Schutzsysteme. Kurz: Es wird abgeklärt, ob die Mechanik - sowohl Turbine als auch Generator und Leitapparat - zuverlässig funktionieren.

Läuft die Anlage störungsfrei und vollautomatisch, beginnt der Probebetrieb. Dieser dauert vier Wochen. Danach wird die Maschine wie geplant eingesetzt und es können zwischen 200 und 300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde turbiniert und in den Altrhein abgegeben werden. Die kleineren Restarbeiten werden bis zum Frühjahr 2010 abgeschlossen. «Wir liegen absolut im Zeitplan», hält Schlageter fest.

Mit der Inbetriebnahme des Wehrkraftwerks wird gleichzeitig das rund 850 Meter lange naturnahe Umgehungsgewässer seine Funktion aufnehmen. «Noch in diesem Jahr fliesst das Wasser», versichert Projektleiter Schlageter. Im Umgehungsgewässer werden Lachse oder Äschen ideale Laichbedingungen vorfinden.

Strom für 180 000 Haushalte

Mit dem neuen Wehrkraftwerk wird die Rheinwassernutzung von bisher 1100 m3/s auf 1400 m3/s erweitert. Die Bauherrschaft spricht von einer mehr als 15-prozentigen Mehrerzeugung, was zu einer jährlichen Gesamterzeugung von 650 Mio. kWh führe. «Mit dieser Jahresarbeit können 180 000 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden.»

Die Vorgeschichte: Das Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern (Radag) liegt am Rheinabschnitt zwischen Aare- und Albmündung. Die Anlage wurde von 1929 bis 1933 gebaut. Der Betrieb mit den drei Turbinen, dem rund 3,5 Kilometer langen Oberwasserkanal sowie dem Stauwehr erfolgt seit 1999 vollautomatisch. Radag ist ein deutsch-schweizerisches Gemeinschaftsunternehmen.

Im Dezember 2006 erteilte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) die Baubewilligung für das neue Wehrkraftwerk. Die Bauarbeiten begannen Anfang 2007. Beim Rohbau wurden über 30 000 Kubikmeter Beton sowie knapp 3500 Tonnen Stahl verarbeitet. Die Dimensionen des Maschinenhauses sind eindrücklich: 77 Meter in der Länge, rund 20 Meter in der Breite und 30 Meter in der Tiefe.