Die Stunde der Botschafter

Mit 800 000 Franken unterstützt die Gesellschaft zur Förderung des Stadtmuseums (GFSM) die neue Schlössli-Einrichtung. Privat finanziert ist auch die Abstimmungswerbung.

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Schlössli Web

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Zur Verfügung gestellt

«Zeig uns Dein Schlössli!», ruft das überparteiliche Pro-Komitee auf. Virtuell (proschloessli.ch) und physisch können die Aarauer Stimmbürger aus Puzzleteilen ihr eigenes Motiv legen und an einem Wettbewerb teilnehmen. Richtig zusammengesetzt, ergibt das Puzzle das Schlössli inklusive Erweiterungsbau.

Das Komitee und seine Botschafter von links bis rechts, aus Kultur und Wirtschaft soll dafür sorgen, dass die GFSM ihre Mittel zu jenem Zweck einsetzen kann, für den sie seit 1989 sammelt. Kein Wunder, präsidiert alt Stadtrat Nik Brändli sowohl das Komitee als auch die GFSM.

Betriebliche Minimalvariante

«Museen machen Städte attraktiv», sagte Brändli am Montagabend im Kultur- und Kongresshaus, wo das Komitee die Bevölkerung aus erster Hand über das Vorhaben informierte. Vieles andere, wie Modeketten, sei heute austauschbar. Als weiteres Argument für die Erweiterung nannte Brändli den anstehenden «Moment der Familienerweiterung»: die Fusion mit Rohr. Ein Quantensprung in der Stadtentwicklung, den es zu dokumentieren gilt.

Stadtrat Carlo Mettauer mahnte, die vielen grossen Bauvorhaben in Aarau nicht gegeneinander auszuspielen. Er erinnerte daran, dass das Bauprojekt von 18 auf 14 Millionen reduziert wurde und das gewählte Betriebskonzept die «Minimalvariante» sei. Oder wie Museumsleiterin Kaba Rössler vorrechnete: Das Jahresbudget erhöht sich von 850 000 auf 1,125 Mio. Franken, also um 30 Prozent - bei Verdoppelung von Ausstellungsfläche und Öffnungszeiten.

Bau mit Kunst vom Baum

Der Basler Architekt Roger Diener betonte die fliessenden Übergänge zwischen altem und neuem Baukörper. Dieser kompromittiere mit seiner niedrigen Höhe den Turm nicht und trete dafür in einen Dialog zum öffentlichen Raum: im verglasten Erdgeschoss gibts ein Café. Ansonsten besteht die Fassade aus 138 Betonplatten mit «Menschenbildern». Der St. Galler Künstler Josef Felix Müller schnitzt aus Holzplatten des zu fällenden Mammutbaums Gussformen mit individuellen Figuren. - «Wenn der Baum nur nicht hohl ist», gab eine Votantin zu bedenken.

Ansonsten drehte sich die Diskussion um Details von Bau und Betrieb, wobei der Architekt und die Schlössli-Leiterin etwaige Bedenken ausräumen konnten. Auch solche zum Stadtbild: Dem Eindruck, Aarau werde zugemauert, begegnet man mit einem Freiraumkonzept. Und der Neubau sei geradezu «eine Art denkmalpflegerische Massnahme», so Diener. (trö)