bz
Die Todeshunde von Arlesheim

Seit letztem Frühling leben Arlesheimer Rehe gefährlich: Deren vier wurden von freilaufenden Hunden gerissen. Die Jagdaufsicht verstärkt deshalb ihre Kontrollgänge: Ungehorsame Hunde gehören das ganze Jahr an die Leine.

Merken
Drucken
Teilen

Daniel Haller

«Nachdem im vergangenen Jahr bereits drei Rehe von freilaufenden Hunden gerissen wurden, ist im Spitalholz erneut eine Rehgeiss von Hunden zu Tode gehetzt und gerissen worden», teilte die Naturschutzkommission Arlesheim mit.

Kantonstierarzt Ignaz Bloch beziffert für den ganzen Kanton die Zahl solcher Rehrisse auf im Schnitt 25 pro Jahr. Somit wurden in Arlesheim in den letzten zwölf Monaten überdurchschnittlich viele Rehe von Hunden getötet.

Qualvoller Tod

«Die Hunde gehen den Rehen direkt an den Hals und reissen sie nieder. Oder sie packen sie an den Hinterläufen, bringen sie zu Fall und beissen sie dann zu Tode», berichtet Jagdaufseherin Sandra Belzung. Das gejagte Reh stehe zwar unter Schock, «aber es ist in jedem Fall ein qualvoller Tod». Die Kadaver seien jeweils «gar kein schöner Anblick».

Die drei Rehe im vergangenen Jahr wurden im Frühjahr und Sommer gerissen: zwei Kitze und eine Geiss. Letztere hatte zwei Kitze im Alter von drei bis vier Monaten. Sie hätten eigentlich die Milch der Mutter noch benötigt. Falls sie überlebt haben, seien sie aber wohl zu schwach, um nun den Winter zu überleben. Somit habe ein Hund, der die Muttergeiss reisst, auch deren Kitze auf dem Gewissen.

Derzeit sei die Gefahr durch freilaufende Hunde besonders gross: «Liegt eine Schneedecke, ist das Wild auch für Hunde leichter zu sehen.» Zudem lebe es wegen der winterlichen Futterknappheit auf Sparflamme und benötigt zusätzliche Ruhe und sollte von Störungen verschont bleiben.

Leinenpflicht für ungehorsame Hunde

«Wir reagieren auf die gehäuften Risse, indem wir häufiger kontrollieren und Hundebesitzer ansprechen», erklärt Belzung. Die Jagdaufseherin hegt keinen Verdacht, dass ein einzelner Hund an der Häufung schuld sei. Zwar kämen Hunde, die ein Tier erfolgreich gerissen haben, auf den Geschmack und würden zu Wiederholungstätern. «Doch die Risse waren in verschiedenen Teilen des Reviers. Und in der Agglomeration sind viele Leute mit Hunden unterwegs.»

Der Jagdtrieb stecke in jedem Hund. Wichtig sei deshalb – dies betont auch die Naturschutzkommission –, dass ausserhalb der Brut- und Setzzeit (1. April – 31. Juli), in der gesetzlicher Leinenzwang herrscht, nur Hunde, die man unter Kontrolle hat, auf den Wegen frei laufen dürfen.

Den Hund notfalls abschiessen

«Wenn Jagdaufseher unbeaufsichtigt freilaufende oder wildernde Hunde im Wald sehen, behändigen sie diese und liefern sie auf dem Polizeiposten ab», erläutert Bloch das Verfahren. Die Polizei verwarne dann die Hundebesitzer schriftlich.

Dass ein wildernder Hund von einem Jagdaufseher abgeschossen werde, sei «die ultima ratio», das letzte Mittel. «Das macht niemand gern. Lieber arbeiten wir mit Aufklärung.»