Franz Osswald

Da käme selbst James Bond ins Schwitzen, denn der «Octopus vulgatis», der neue Krake im Vivarium des Basler Zoos, greift seine Opfer gleich mit acht Armen an. Dem im Volksmund auch «Tintenfisch» genannten Meeresbewohner fehlt es auch keineswegs an der nötigen Intelligenz. Als «schlauer Fuchs» des Meeres erhält er seine Nahrung zum Teil in verschlossenen Joghurtgläschen oder im mit Schraubdeckel versehenen Marmeladenglas. Der Krake hat nämlich nicht nur ein Gehirn im Kopf, sondern noch acht weitere in seinen acht Beinen. Nicht nur Köpfchen muss man haben, nein, auch Ärmchen.

Der Achtarmige ist ein interessanter Geselle, gehört er doch nicht zu den Fischen, sondern zu den Weichtieren wie die Schnecken oder die Muscheln. Deshalb ist er auch ein echter Ausbrecherkönig. Ist ein Schlupfloch so gross wie sein Auge (etwa 1 Franken gross), dann bringt er seinen ganzen Körper durch diese enge Öffnung.

Im Zolli hingegen ist das Vivarium oben offen und trotzdem bleibt der Krake dort, wo er sein sollte. Denn eines mag der Octopus vulgaris gar nicht: auf Landausflügen in Gezeitenbecken, die er problemlos bewältigen kann, mag er nicht über Grasflächen laufen. So zieren Rasenstreifen die Ränder seines Beckens.

Der Krake kann auch schwimmen, tut dies indessen rückwärts. Angetrieben wird
er von einer Düse», Siphon genannt, aus der er Wasser ausstösst - fast schon ein kleiner Daniel Düsentrieb, denn dass der Krake bei der Futtersuche erfinderisch ist, haben wir ja bereits
festgestellt. Um selbst nicht gefressen zu werden, tarnt sich der Krake geschickt durch Farb- und Musteranpassung an die Umgebung. Im Vivarium hingegen müssen sich nur andere Bewohner vor dem Allesfresser fürchten.

Der Krake selbst ist, ausser während der Fortpflanzungszeit, Einzelgänger. Wer den lebenden Dosenöffner im Zoo erleben möchte, kann ihn im Vivarium im Becken 43 besuchen. Gefüttert wird er Montag, Mittwoch und Samstag zwischen 15 und 16 Uhr. Eine gewisse «Eile» ist indessen geboten: Ein Krakenleben dauert nur eineinhalb Jahre.

Erst am Anfang ihres Erdenlebens stehen drei Königspinguinkinder. In Basel hat die Aufzucht von Pinguinen Tradition, sind die drei Neuankömmlinge doch Nachwuchs Nummer 50, 51 und 52. Die drei sind eigentliche Stars für einen europäischen Zoologischen Garten, leben doch nur etwa 200 Tiere in 15 Zoos auf unserem Kontinent. In freier Wildbahn liegt das gelegte Ei auf den Füssen der Tiere, würde es doch auf eisigem Boden sofort unterkühlt.

In einer Bauchfalte wird das Ei ausgebrütet. Alle zwei Wochen etwa wird das Ei dem jeweiligen Partner übergeben - ohne, dass es den Boden berührt. Im Zolli lauert die Gefahr nicht in der Kälte, sondern der Härte des Bodens. Von den sechs Eiern waren zwei unbefruchtet und eines beschädigt.