Zürich

Ein Geschäft, das gesunde Früchte trägt

Bereit: In Reih und Glied stehen die Körbe mit dem Bio-Obst, das «Öpfelchasper» in Zürich ausliefert. zvg/sik

Früchte

Bereit: In Reih und Glied stehen die Körbe mit dem Bio-Obst, das «Öpfelchasper» in Zürich ausliefert. zvg/sik

Für alle, die sich zwischendurch gesund und umweltfreundlich verpflegen wollen, bietet der «Öpfelchasper» eine willkommene Alternative.

Silvan Kämpfen

Im Dachgeschoss eines Gebäudes im Zürcher Kreis 5 werden Veloanhänger mit Obst beladen. Remos Ladung wiegt an diesem Mittwochmorgen gut und gern 50 Kilogramm. «Manchmal können es auch mehr sein - bis zu 80 Kilo», lächelt der Student, der beim «Öpfelchasper» jobbt. Das Unternehmen von Armin Heyer und Dominik Hungerbühler ist eines der unzähligen Start-ups, die heute rund um den Escher-Wyss-Platz zu Hause sind. Per Velo bringt es seinen Kunden ein Mal pro Woche einen Weidenkorb mit frischen Biofrüchten vorbei.

Die Vorzüge des «Öpfelchaspers» sind simpel: Gesundheit, weil ein Korb voller Früchte nicht nur zu einer ausgewogenen Ernährung verhilft, sondern auch viel ästhetischer daherkommt als ein Pausenriegel aus dem Automaten. Und der Umwelt hilft man, weil die möglichst regionalen Saisonfrüchte ausschliesslich über Bio-Lieferanten bezogen werden. Finanziell kompensiert wird der CO2-Ausstoss, der beim Import von ausländischen Produkten anfällt.

Kann ein Geschäftsmodell, das mitten in der Finanzkrise mit Bio und Ökologie punkten will, erfolgreich sein? Der in Stäfa aufgewachsene Heyer, einst selbst Bankangestellter, scheint auch ein wenig erstaunt: «So tief in der Finanzwelt die Aktienkurse gesunken sind, so sehr hat sich bei uns die Zahl verkaufter Körbe erhöht». Zur Illustration der Grösse seines Unternehmens kann er mit eindrücklichen Zahlen aufwarten: «Wir liefern pro Woche 1,5 Tonnen Früchte und fahren pro Jahr eineinhalb Mal um die Erde.» Einzig mit der Expansion in andere Städte harzt es. In Basel hält sich das Projekt noch in kleinem Rahmen und in Winterthur musste ein Versuch abgebrochen werden. Heyer und Hungerbühler wollen sich deshalb auf Zürich konzentrieren und das hiesige Marktpotenzial weiter ausschöpfen.

Kurier Remo ist bereit für seinen nächsten Einsatz, die berüchtigte «Wald-Wiesen-Tour» steht an. Auf dem Laptop zeigt ihm Heyer den Weg. Die vielen Fähnchen, die dabei aus dem virtuellen Boden von Google-Maps spriessen, stehen nicht etwa für die Posten eines Orientierungslaufs, sondern für die über 300 Kunden, die der «Öpfelchasper» mittlerweile bedient. Das Kundensegment ist vielseitig und reicht von Grossbanken über Anwaltskanzleien bis hin zur städtischen Kehrrichtverbrennungsanlage.

Via Dolder geht es für Kurier Remo nun nach Witikon und von dort zurück über den Adlisberg. Schliesslich ist auch der dort ansässige Wildhüter froh um seinen «Znüni». Bei der Auslieferung steht Remo immer etwas im Clinch: Einerseits müssen die Früchte alle heil ans Ziel kommen - «Ich habe Randsteinverbot!» -, andererseits sind die Kunden auch froh um eine speditive Lieferung. Und dann ist da noch die interne Rangliste, die gleich beim «Öpfelchasper»-Eingang von der Wand prangert. Mit seiner heutigen Ausfahrt wird Remo die Bestzeit für die «Wald-Wiesen-Tour» um eine geschlagene Minute unterbieten. Sein neuer Rekord: 1 Stunde, 34 Minuten.

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