Informatik
Er ist der beste Informatiker Europas

Martin Dörig (21) reiste Anfang September an die Berufsweltmeisterschaften in Kanada. Er wurde Fünfter und klassierte sich als bester Europäer.

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Martin Dörig

Martin Dörig

Aargauer Zeitung

Andrea Marthaler

Mit ruhiger Stimme und ohne Euphorie erzählt Martin Dörig von den Berufsweltmeisterschaften: Wie er mit Ohropax in den Ohren arbeitete, um von den Zuschauern nicht gestört zu werden, wie alle 900 Teilnehmer im Studentenwohnheim lebten und wie er an der Schlussfeier für jeden des 36-köpfigen Schweizer Teams mitjubelte.

Anfang September nahm Dörig für die Schweiz am Berufswettkampf der Nationen teil. Der Informatiker, der auch in seiner Freizeit meist am Computer sitzt, trat im Bereich Software-Entwicklung gegen 18 Kandidaten aus verschiedenen Ländern an. Es galt, ein Rodeo-Management zu erstellen, unter anderem mussten die Bullen den Cowboys zugelost werden. Eine andere Aufgabe war die Rangliste unter Einbezug von verschiedenen Kriterien.

21 Stunden am Computer

Die Bedingungen an der WM waren hart: «Die zur Verfügung stehende Zeit ist knapp, sodass man eigentlich schon im Voraus wissen muss, was man macht», sagt Dörig. Nur waren die Aufgaben neu, die Teilnehmer wussten erst das Themenfeld. Die jeweiligen Aufgaben wurden in einem geschlossenen Couvert verteilt, zeitgleich durften die Teilnehmer diese anschauen. Also galt es, die Zeit optimal auszunutzen. Fehler zu machen oder die Lösungen zu überprüfen lag nicht drin. Überhaupt fertig zu werden mit den Aufgaben, war schon schwierig genug. Über vier Tage dauerte der Wettkampf, total 21 Stunden verbrachte Dörig am Computer.

Für den jungen Informatiker waren die Prüfungsaufgaben keineswegs Routine. Es galt, mit Office-Programmen eine Software zu entwickeln - ganz anders als im Alltag. «Im Geschäft arbeiten wir mit spezifischen Programmen, die auf einer anderen Sprache basieren als Office», erklärt Dörig.

Koreaner üben zwei Jahre für die WM

Deshalb war die Vorbereitung auf die WM umso wichtiger. «In Korea werden die Teilnehmer bereits zwei Jahre zuvor ausgewählt und bereiten sich während dieser Zeit intensiv auf die Berufs-WM vor», so Dörig. Seine Vorbereitungsphase war deutlich kürzer: «In den letzten drei Monaten hatte ich jeweils einen Tag frei, um mich vorzubereiten, und konnte zusätzliche Kurse besuchen.» Das Fachwissen nach der Lehre sei in der Schweiz aber bereits eine gute Ausgangslage. Um sich überhaupt für die Berufs-WM zu qualifizieren, musste sich Dörig zuerst an der Berufsschule durchsetzten. «Ich ging völlig ohne Erwartungen an die Schulmeisterschaft», so Dörig. Als Sieger durfte er dann an die Schweizer Meisterschaft, wo er sich gegen die Konkurrenz behauptete. Ein Jahr später konnte er seinen Titel nochmals verteidigen und wurde darauf für die WM ausgewählt.

Brachte als Kind den PC zum Absturz

Bereits als Kind war Dörig von Computern fasziniert. Er nahm schon als Vierjähriger den PC der Eltern in Beschlag, um erste Spiele zu spielen. Später begann er am Computer zu experimentieren, was nicht immer gut endete. «Ich versuchte dann auch den Computer wieder so herzustellen, dass meine Eltern nichts merkten.» So lernte er nach ersten Misserfolgen die Sprache hinter der Software immer besser zu verstehen. Seine Kenntnisse machte sich Dörig zunutze: «Als ich in der Bezirksschule für Chemie das Periodensystem lernen musste, schrieb ich rasch ein Programm.» Dieses stellte er seinen Mitschülern zur Verfügung.

Bei ProtectData in Boswil fand der in Brugg wohnhafte Dörig eine Lehrstelle, wo er seine Fähigkeiten einsetzen und vertiefen konnte. Die kleine Firma mit 15 Mitarbeitern erstellt Software für KMUs, unter anderem für eine Mühle, eine Bäckerei und für landwirtschaftliche Betriebe. In der Firma ist man stolz auf die Leistung des Nachwuchstalentes. «Für uns ist das gute Abschneiden an den WM eine Ehre, imagemässig gewinnt auch die Firma», ist der Lehrlingsausbildner Paul Langenegger überzeugt. Im letzten Sommer schloss Dörig seine vierjährige Lehre ab. Bereits ist er jedoch an einer Weiterbildung und möchte sich an der Fachhochschule ein noch tieferes Wissen aneignen. «In der Lehre wurden die Grundlagen vermittelt, jetzt lerne ich das Konstrukt dahinter.»