Stefan Frech

Die vor kurzem abgeschlossene Modernisierung des Aarekraftwerks Flumenthal hat es gezeigt: Es liegt noch etwas drin. Dank neuer Turbinen können jetzt 1750 Haushalte zusätzlich mit Strom beliefert werden. Die Effizienzsteigerung beträgt allerdings gerade mal 6 Prozent.

Und auch für den Neubau von Wasserkraftwerken ist im Kanton Solothurn kaum mehr Platz. «Der überwiegende Teil der nutzbaren Wasserkraft wird bereits genutzt», sagt Martin Würsten, Chef des Amts für Umwelt (AfU).

Noch ein Grosskraftwerk hat Platz

Die grösste für die Stromproduktion nutzbare Kraft besitzt die Aare. Doch ihr Gefälle wird bereits zu 90 Prozent genutzt. Einzig der geplante Neubau des Kraftwerks Wynau würde nochmals einen markanten Zuwachs von Strom aus Wasserkraft bringen. Das Projekt ist aber aus Natur- und Landschaftsschutzgründen stark umstritten.

Ausser Aarau wurden die anderen Aarekraftwerke in Ruppoldingen und Gösgen, welche den grössten Teil ihrer Staustrecke auf Solothurner Gebiet haben, in den letzten Jahren bereits modernisiert (25 Prozent mehr Strom war die Folge). Deshalb sagt auch Andreas Werz, Mediensprecher des Stromkonzerns Alpiq Holding AG: «Mit dem Neubau und der Erneuerung der Kraftwerke Ruppoldingen, Gösgen und Flumenthal haben wir das Wasserkraftpotenzial weitgehend ausgeschöpft.»

Vier kleinere Werke geplant

Die Alpiq verfolgt im Kanton Solothurn - im Gegensatz zum Alpengebiet - nur noch kleinere Projekte. So soll die Restwassermenge beim Kraftwerk Gösgen zusätzlich genutzt werden, und auch der Neubau von zwei Kleinwasserkraftwerken ist geplant. Eines soll an der Dünnern in Olten zu stehen kommen. Dagegen sind sechs Einsprachen beim Kanton hängig.

Werz ist aber zuversichtlich, dass nächstes Jahr mit dem Bau begonnen werden kann. Das Kraftwerk würde 1,6 Mio. Kilowattstunden (kWh) produzieren, das entspricht dem mittleren Stromverbrauch von 400 Haushalten. Für ein zweites Projekt an der Dünnern in der Klus in Oensingen wird zurzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt. «Wir klären unter anderem die Umweltverträglichkeit und die Kosten-Nutzen-Frage ab», sagt der Alpiq-Sprecher.

Neben diesen zwei Vorhaben der Alpiq sind Martin Würsten zwei weitere private Projekte für Kleinwasserkraftwerke bekannt: eines in Grenchen bei den Tunnelquellen und eines am Unterlauf des Dorfbachs in Deitingen/Riedholz.

«Insgesamt ist das Potenzial dieser vier Projekte aber gering», sagt der AfU-Chef. Zusammen würde die maximale Gesamtleistung unter 1 Megawatt betragen. Zum Vergleich: Alle Solothurner Aarekraftwerke zusammen bringen es auf 118 Megawatt (MW), das Atomkraftwerk Gösgen gar auf 1000 MW.

«Potenzial nicht sehr gross»

Auch die fünf bereits im Kanton Solothurn bestehenden Kleinwasserkraftwerke am Emmenkanal (Derendingen, Biberist und zwei in Luterbach) sowie an der Birs (Dornachbrugg) haben eine maximale Leistung von nur 3,4 MW. Trotzdem hat das AfU nun vom Kantonsrat den Auftrag erhalten, alle Gewässer im Kanton darauf zu prüfen, ob sie sich grundsätzlich für die Wasserkraftnutzung eignen. Damit besteht dann für interessierte Investoren eine Planungsgrundlage.

«Ich gehe davon aus, dass das Potzenzial für Kleinwasserkraftwerke nicht mehr sehr gross ist», sagt Würsten. Meist führen die Gewässer zu wenig Wasser oder beherbergen schützenswerte Tiere und Pflanzen. Manchmal können diese Zielkonflikte aber auch gelöst werden: mit Fischtreppen, Umgehungsgewässern und einer entsprechenden Restwassermenge.

Wind mit mehr Zukunft

Martin Würsten rechnet mit maximal zehn Gesuchen für den Bau neuer Kleinwasserkraftwerke in den nächsten Jahren. Und auch dann dürften diese insgesamt kaum mehr als 1 MW Leistung erbringen. «Im Vergleich zu mehreren grossen Windrädern mit je 2 MW ist das verbleibende Potenzial der Wasserkraft im Kanton Solothurn klein.»