Peter Belart

An einem dieser warmen Spätnachmittage oberhalb des Rebbergs beim Hasel in Remigen. Im Rücken den Waldrand, ein Feld, einen Flurweg, hier ein Stück recht ebenes Wiesland, dort vorne die Sicht auf den Bruggerberg, die Habsburg und weiter bis in die Alpen. Das Labyrinth scheint sich im hohen Gras und all den Wiesenblumen zu verstecken. Wer den Ort nicht kennt, wird hier achtlos vorbeigehen.

Eine Frau in mittleren Jahren hat sich eingefunden. Seltsam: Es entwickelt sich wie selbstverständlich ein Gespräch, das gar nicht erst im Belanglosen beginnt, sondern gleich zu tiefgründigen Gedanken führt. «Ich komme immer wieder an diesen Platz, und dann beschreite ich das Labyrinth. Für mich ist das eine Form von Meditation. Ich finde zu mir selbst, fühle mich ruhiger, ausgeglichener, und es kommt vor, dass sich mir Lösungswege eröffnen, wenn mich irgendwelche Fragen beschäftigen.»

Ein paar Tage später. Eine andere Frau, auch sie nicht mehr ganz jung, hat auf der Sitzbank beim Labyrinth Platz genommen. Auch diesmal findet das Gespräch gradlinig zu Wesentlichem. «Offen gesagt bin ich nicht wegen des Labyrinths gekommen. Mir ist einfach dieser Ort wichtig, diese Sicht. Ich schöpfe hier Kraft für den Alltag.» Und sie erzählt von ihrer Lebenssituation und davon, dass sie vielleicht vor wichtigen Entscheidungen steht. - «Merkwürdig, worüber wir uns als Fremde, die sich noch nie zuvor begegnet sind, hier unterhalten.» - Ist es nur Zufall? Ist es der Ort? Ist es das Labyrinth?

«Ich bin berührt»

Wieder ein paar Tage später. Silvia will sich auf das Labyrinth einlassen, obwohl sie diesen Ort nicht kennt und auch nie zuvor ein Labyrinth begangen hat.

Ein angenehm warmer Wind streicht über die Wiese. Silvia macht sich auf den Weg. Sie ist lange unterwegs. Dann sagt sie, offensichtlich bewegt: «Es ist recht eindrücklich, sehr speziell. Ich bin berührt.» Sie sei ganz langsam gegangen, erzählt sie, «schnell geht das nicht», und bei einzelnen Wendungen habe sie einen Halt eingelegt. In der Mitte sei sie einen Moment verweilt, um sich danach wieder auf den Rückweg zu machen. Sie spricht von der Symbolik des Lebensweges: «Wir sind immer unterwegs. Manchmal haben wir das Gefühl, nichts wolle gelingen, und dann geht es doch weiter, vielleicht auf einem grossen Umweg.»

Silvia hat sich auf das Bänkli gesetzt. Die letzten Wochen waren aussergewöhnlich anstrengend für sie. «Aber hier habe ich einen Ort der Ruhe gefunden. Es war richtig wohltuend.»

Die Wolken haben sich verzogen. Die Glocken des Remiger Kirchleins sind zu vernehmen.