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Für die TV-Stars beginnt der Alltag wieder

Protagonisten der SF-Doku-Soap «Üsi Badi»

Für TV-Stars hat Alltag wieder begonnen

Protagonisten der SF-Doku-Soap «Üsi Badi»

Während sechs Wochen arbeiteten Arwo-Klienten für eine Fernsehserie im Strandbad St. Margrethen. Die Kamerapräsenz sei ihnen dabei nicht zu Kopf gestiegen, versichert Arwo-Leiter Alfred Isch.

Martin Rupf

Die Klienten des Arbeits- und Wohnzentrums (Arwo) in Wettingen, Laura, Isabella, Remo, Toni, Niklaus und Tamara, sowie die Zürcherin Dominique waren die grossen Stars dieses TV-Sommers. In der siebenteiligen Serie «Üsi Badi» schlüpften sie in die Rolle des Hilfsbadmeisters.

Jeweils eine halbe Million Zuschauer schlossen die Protagonisten mit ihrer ehrlichen und menschlichen Art ins Herz. Seit gestern ist das Abenteuer zu Ende. In festlichem Rahmen schauten sich Mitarbeiter, Betreuer und Mitwirkende der Serie die letzte «Üsi Badi»-Folge an.

Manchmal kein Lust auf Dreh

Der Alltag sei aber schon lange wieder eingekehrt, versichert Arwo-Leiter Alfred Isch. Denn die Protagonisten haben St.Margrethen schon vor gut einem Monat verlassen; die Serie wurde vorab gedreht. «Die Klienten hatten keinerlei Mühe, sich wieder an den Alltag zu gewöhnen», sagt Isch. Über die Serie zeigt sich der Arwo-Leiter hoch erfreut. «Die Serie wird dazu beitragen, das Thema Behinderung zu enttabuisieren», ist er überzeugt. Und: «Nicht die Defizite dieser Menschen stehen im Vordergrund, sondern deren Potenzial.»

So seien denn die Reaktionen – vor allem auch von Eltern mit behinderten Kindern – durchwegs positiv gewesen, sagt Isch. Das kritische Argument, die Protagonisten seien nicht in der Lage, die Tragweite ihres Mitwirkens zu ermessen, lässt Isch nicht gelten. «Während des Drehs gab es immer wieder Momente, in denen jemand zum Ausdruck brachte, dass er nicht gefilmt werden wollte, was natürlich respektiert wurde.»

Keine Eifersucht im Wohnheim

Was die längerfristigen Wirkungen anbelangt, sei man sich von Anfang an der Gratwanderung und der Schutzpflicht den Mitarbeitenden gegenüber bewusst gewesen, erklärt Isch. «Aus diesem Grund haben wir letzte Woche auch entschieden, dass die Protagonisten den Medien keine Auskunft mehr geben. Wir wollen keine mediale Vermarktung unserer Mitarbeitenden.»

Isch ist es wichtig, zu betonen, dass die Protagonisten in der Serie nicht geschauspielert hätten. «Natürlich spürten sie die Kamera im Nacken. Aber grundsätzlich gab sich jeder so, wie er auch hier in der Arwo ist.»

Dieses Unverfälschte und Echte kam bei den TV-Zuschauern an. Heute würden die Protagonisten auf offener Strasse regelmässig angesprochen, sagt Isch. «Die Wertschätzung und die vielen positiven Reaktionen tun ihnen gut.» Dabei sei ihnen der TV-Auftritt nicht zu Kopf gestiegen. Zwar sähe sich zum Beispiel Remo jetzt als «TV-Star», ohne sich aber von der Gruppe abzuheben. «Sorgen, die vorher schon da waren, sind geblieben. Da, wo keine waren, sind auch keine neuen dazugekommen», bringt es Isch auf den Punkt.

Auch Eifersucht anderer Mitarbeiter stelle er nicht fest. «Das hätte ich auch gekonnt», müssten sich die Protagonisten manchmal anhören. Die Antwort laute dann jeweils: «Dann mach es du das nächste Mal.»

Gibt es eine zweite Staffel?

Eine zweite «Üsi Badi»-Staffel? Toni Wachter, Redaktionsleiter beim Schweizer Fernsehen (SF), lässt dies noch offen. Die Serie sei super herausgekommen. «Die Direktheit und Menschlichkeit der Akteure hat die Leute im Herzen getroffen», sagt Wachter.

SF produziere im Spätherbst bei «SF bi de Lüt» ein Projekt mit Menschen mit Behinderung, das aber nicht mit «Üsi Badi» zu vergleichen sei.

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