Fusion: «E Zytchrankheit»?

Mit zehn Geschäften war die Traktandenliste der Gemeindeversammlung Kleindietwil reich befrachtet. Fusionsfragen und Schule waren die wichtigsten Geschäfte. Die Stimmberechtigten sagten zu allem Ja.

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Solothurner Zeitung

Jürg Rettenmund

«Fusionitis - e Zytchrankheit» ist der Titel eines Gedichts von «Tierlifritz», dem ehemaligen Gemeindepräsidenten Fritz Wittwer in der «Kleindietwiler Dorfzytig». Dieses schliesst mit einem klaren Bekenntnis: «Mir bruche gar kei Fusion». Ob es wirklich eine Zeitkrankheit ist, sei dahingestellt. Eine Zeiterscheinung ist es aber bestimmt, zog sich das Thema doch wie ein roter Faden durch die Traktanden der Gemeindeversammlung.

Diese war mit zehn Geschäften reich befrachtet. Ja sagten die Kleindietwiler zur Zusammenarbeit mit Madiswil und Leimiswil im Bereich von Kindergarten und Primarschule. Künftig werden Leimiswil und Kleindietwil je einen Vertreter in die Schulkommission von Madiswil abordnen.

Gestaffelter Übergang

Bereits ab nächstem Schuljahr wird Leimiswil seinen Kindergarten schliessen und diese Kinder nach Madiswil senden. Ein Schuljahr später wird Kleindietwil seine Schule schliessen. Die Zusammenarbeit mit Oeschenbach endet dann. Kinder, die bereits an der Basisstufe sind, können diese aber beenden (zur Basisstufe vgl. den Beitrag in der Samstag-Ausgabe). 2011 wird Leimiswil auch seine Primarschüler in Madiswil unterrichten lassen.

Vehement für den Zusammenschluss sprach sich Schulleiter Ueli Werren aus: Kleindietwil könnte zwar noch eine Gesamtschule für die erste bis sechste Klasse führen. Das sei jedoch pädagogisch nicht sinnvoll, da in einer solchen Klasse zu wenig gleichaltrige «Gspänli» sind. Zudem sei der Schulweg von Kleindietwil kürzer als innerhalb von Madiswil von Wyssbach ins Dorf. Ein Schülertransport ist vorgesehen, zudem sollte bis im Sommer 2010 der Fuss- und Radweg zwischen Kleindietwil und Lindenholz gebaut sein.

Mit den nicht mehr gebrauchten Schulliegenschaften in Leimiswil und Kleindietwil geschieht vorderhand nichts. Zu vieles sei im Bildungswesen gegenwärtig noch offen, erklärte Werren. Sowohl in Madiswil wie im Oberstufenzentrum könnten Raumbedürfnisse entstehen, die im Primarschulhaus abgedeckt werden könnten. Etwas passiert mit dem Primarschulhaus jedoch trotzdem: Weil im Keller Wasser eindringt, sprach die Versammlung einen Kredit von 110 000 Franken, um die betroffenen Kellerwände zu sanieren.

Bloss informiert wurde über die Fusionsabklärungen der Einwohnergemeinden Kleindietwil, Leimiswil und Madiswil. Alle drei Gemeinderäte empfehlen beim heutigen Wissensstand den Zusammenschluss (wir berichteten). Bis am

31. August läuft eine öffentliche Vernehmlassung. Fragen wurden zur Auflösung der Schwellengemeinde und zur Zukunft der bestehenden Fonds und Stiftungen in einer fusionierten Gemeinde gestellt.

Ohne Fusion braucht es neue Räte

Ein anderer alt Gemeindepräsident äusserte sich dezidiert anders als «Tierlifritz»: Die Dorfgemeinschaft könne auch in einer fusionierten Gemeinde weitergepflegt werden, wie die Beispiele der Madiswiler Aussenbezirke Mättenbach und Wyssbach zeigten. Im Hinblick auf den Fusionsentscheid änderten die Kleindietwiler auch die Amtszeitbeschränkung im Organisationsreglement: Diese beträgt neu drei statt zwei Legislaturperioden. Damit kann Fritz Schär im Herbst für das Jahr bis zur Fusion nochmals antreten. Seinen Rücktritt bereits angekündigt hat Gemeinderat Daniel Bärtschi. Schär und Gemeinderat Beat Fuhrer stellten jedoch klar, dass sie noch maximal für das Jahr 2010 zur Verfügung stehen.

Die Gemeinderechnung schliesst bei einem Umsatz von 2,4 Millionen Franken mit einem Defizit von rund 50 000 Franken im Rahmen des Budgets ab. Sie wurde ebenso genehmigt wie die übrigen Geschäfte der Versammlung. 46 von 398 Stimmberechtigten (11,6 Prozent) nahmen daran teil.

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