Vergiftung

Giftarzt: Spur führt in die Schweiz

Das Haus, in dem die tödlichen Drogencocktails verabreicht wurden, wurde abgesperrt.

Drogencocktail verabreicht - zwei Tote

Das Haus, in dem die tödlichen Drogencocktails verabreicht wurden, wurde abgesperrt.

Nach einer Therapiesitzung in Berlin sind durch einen Drogencocktail zwei Menschen gestorben. Der verhaftete Arzt hat seine Ausbildung beim umstrittenen Solothurner Psychiater Samuel Widmer absolviert.

Stefan Frech

Der Berliner Arzt und Therapeut Garik R. hat am Samstag zwölf Patienten einen Drogencocktail verabreicht, an dem zwei Menschen gestorben sind. Ein Teilnehmer der Sitzung hatte am Samstagnachmittag per SMS einen Notruf an die Berliner Feuerwehr gesendet, den diese an die Polizei weitergab. Vor Ort leiteten Notärzte sofort Wiederbelebungsmassnahmen ein. Trotzdem starb ein 59-Jähriger noch am Nachmittag. Ein 28-Jähriger überlebte die Nacht im Krankenhaus ebenfalls nicht.

Ein weiterer 55-jähriger Mann schwebe noch in Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher. Die Feuerwehr war nach Angaben eines Sprechers mit sechs Krankenwagen und drei Notärzten vor Ort.

Mordkommission ermittelt

Gegen Garik R. ermittelt eine Mordkommission. Er bleibe vorläufig in Haft, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Noch am Abend sollte er einem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Tiergarten wegen des Verdachts eines vorsätzlichen Tötungsdelikts zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden.

Der ominöse Vorfall ereignete sich im gutbürgerlichen Ortsteil Hermsdorf im Norden Berlins. Der Arzt soll sich laut Polizeiangaben am Samstagmorgen zusammen mit seiner 41-jährigen Ehefrau, die im selben Haus eine Naturheilpraxis betreibt, und weiteren zwölf Menschen im Alter zwischen 26 und 59 Jahren zu einer psychotherapeutischen Sitzung getroffen haben. Während der mehrstündigen Sitzung soll er den Patienten verschiedene Drogen verabreicht haben. Garik R. wirbt mit tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, psycholytischer Psychotherapie, Körper- und Gestalttherapie sowie Hilfe bei spirituellen Krisen.

«Als seriöser Arzt bekannt gewesen»

Sein Wissen habe er sich beim Schweizer Psychiater Samuel Widmer angeeignet. Widmer ist einer der Hauptvertreter der «Psycholytischen Psychotherapie» und sorgt mit seiner «Kirschblütengemeinschaft» in Nennigkofen/Lüsslingen seit vielen Jahren für Aufregung. Der umstrittene Psychiater bestätigte am Sonntag auf Anfrage der MZ, dass der Berliner Arzt vor zehn Jahren bei ihm die Ausbildung gemacht hat.

«Er ist mir aber als seriöser Arzt bekannt gewesen», beteuert Widmer. Wie es zu den Todesfällen in Berlin kommen konnte, verstehe er nicht. «Ich habe gehört, dass R. eine neue Substanz entdeckt hat, für die er aber eine Bewilligung hatte», so Widmer. «Heroin war aber sicher nicht im Spiel gewesen.»

Er selber arbeite mit Bewilligung von Bund und Kanton seit 1993 nur noch mit den legalen Substanzen Ketamin und Ephedrin. Die Versuche mit LSD und Ecstasy habe er damals eingestellt. Bei Ephedrin könne es nur zum Todesfall kommen, wenn eine zu grosse Menge verabreicht wird. Samuel Widmer ist sich bewusst, dass der Vorfall in Berlin auch seine eigenen Methoden wieder in Verruf bringen wird. «Das ist ein Rückschlag für den Einsatz von bewusstseinserweiternden Substanzen in der Psychotherapie.»

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