Wasserbauprojekt Rupperswil-Auenstein

Grünes Licht für neue Auenperle

Schafft viele neue Lebensräume: der neue Flussarm (links im Bild).

Grünes Licht für neue Auenperle

Schafft viele neue Lebensräume: der neue Flussarm (links im Bild).

Das grösste Projekt im grossen Auenschutzpark Aargau ist baureif. Doch Haupteinsprecher Sämi Richner lässt offen, ob er seine Beschwerde weiterzieht.

Hans Lüthi

«Der Weg ist frei für das Kernstück des Auenschutzparks», freut sich der Regierungsrat schon im Titel der Medienmitteilung. Das Seilziehen mit den tangierten Gemeinden war schwierig und hat jahrelang gedauert. Vor Jahrzehnten hat die heute ältere Generation noch in Fronarbeit den hohen Damm am Aareufer bei Rupperswil gebaut. Jetzt soll er weggerissen werden, um einem neuen Seitenarm Platz zu machen. Auf anderthalb Kilometer Länge wird dieser zu einem neuen Fluss, dem auch der Wald-Fussballplatz geopfert werden muss. Die Fachleute im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) haben lange darauf gewartet, das Herzstück des Aargauer Auenschutzparks endlich realisieren zu können.

Für Auen, nicht für Strassen

Gegen das 8 Millionen Franken teure Projekt «Dynamische Flussaue» sind 79 Einsprachen eingereicht worden. Gemäss Staatskanzlei sind keine grundsätzlichen Gegner darunter, es gehe um flankierende Massnahmen. Vier Einsprachen sind zurückgezogen worden, darunter jene der Auensteiner Grossräte Beat Flach (GLP) und Rainer Klöti (FDP). Die identischen 75 Einsprachen einer Gruppe um EVP-Grossrat Sämi Richner aus Auenstein hat die Regierung abgelehnt. Es geht dabei um Radwege und Strassen, «die grundsätzlich nicht in ein Auenprojekt gehören». Das sagt Programmleiter Bruno Schelbert vom Auenpark Aargau.

Arbeiten über den Winter

Weil die massiven Auenausbauten nur über den Winter möglich sind, hofft Schelbert intensiv, der Beschluss der Regierung werde in 30 Tagen rechtskräftig. In dieser Zeit könnten die Einsprecher ihre Beschwerden ans Aargauische Verwaltungsgericht weiterziehen - und das Auen-Herzprojekt entsprechend verzögern. Anderseits könnten die Arbeiten rasch beginnen, zuerst mit dem Roden von 3 bis 4 Hektaren Wald, dann mit dem Ausbaggern und teilweise Abtransportieren von 180 000 Kubikmetern Material.

Einsprecher massiv enttäuscht

Ob sich Regierung und Projektleitung nicht zu früh gefreut haben, wird sich erst in vier Wochen zeigen. Jedenfalls versteht Sämi Richner nach Abweisung der Einsprache «die Welt nicht mehr». Bei der Behandlung nach Wirkungsorientierter Verwaltung (WOV) habe es geheissen, man könne sich zum Bauprojekt äussern und zur Wehr setzen. Jetzt würden er und viele seiner Mitstreiter als nicht legitimiert eingestuft. Richner wörtlich: «Ich bin sehr, sehr enttäuscht von der Regierung. Es gibt einen Verhandlungsvorschlag der Einsprecher, auf Basis des vom Rechtsdienst vorgeschlagenen Vergleichs. Dies mit der Zusage, dass alle Einsprachen zurück gezogen würden», sagt der Auensteiner. Dieser Vorschlag werde jetzt komplett abgelehnt, ärgert er sich. Richner fordert, angebaut an die Brücke, einen Steg für Fussgänger, Velofahrer und Reiter. Zudem einen Ausbau der schmalen Strasse Richtung Rohr, damit sie als kantonale Radroute genügt. Richners Fazit zum Entscheid der Regierung: «Die Chance auf einen Weiterzug ist durchaus vorhanden.»

Stahlbrücke oder Seilbrücke?

Im Projekt enthalten sind auch zwei neue Brücken für die Fussgänger. Dies als Verbindung von Rupperswil und allenfalls von der Auensteiner Seite zum unteren Teil der Insel, die zwischen dem Aare-Altlauf und dem Unterwasserkanal entstanden ist. Die Submission für den Steg von Rupperswil her läuft bereits, «die Brücke über den Unterwasserkanal ist Sache der Gemeinde Auenstein», präzisiert Schelbert. Und die Auensteiner wollen unbedingt eine schöne Hängebrücke haben.

Konfliktpotenzial ist auch hier vorhanden: «Das kommt in diesem hochwertigen Naturschutzgebiet nicht infrage», reagiert der Projektleiter unmissverständlich. Denn hier fliegen dauernd viele Wasservögel, die in der Nacht mit den Drahtseilen kollidieren und sich verletzen würden. Zudem sei eine solche Hängebrücke nicht rollstuhlgängig - was gegen diese Bauart spreche.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1