«Guten Morgen
«Guten Morgen, Herr Bundespräsident»

Am Montagmorgen wird sich Bundespräsident Hans-Rudolf Merz weder mit libyschen Diplomaten noch mit italienischen Steuerbeamten beschäftigen, sondern mit Nussbaumer Sekundarschülern.

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Stefanie Niederhäuser

Im Klassenzimmer von Jürg Stark herrscht Aufregung und Vorfreude: Die 1. Sekundarklasse des Oberstufenzentrums Nussbaumen darf Bundesrat Merz besuchen. Organisiert wird der Bundesratstag von Swissaid. Für die Teilnahme wurden 4 Schweizer Klassen ausgewält, die sich schon länger und mit grossem Einsatz am Abzeichenverkauf beteiligen. Die Klasse von Jürg Stark erntet damit quasi die Lorbeeren ihrer Vorgänger, mit denen Stark seit etwa 25 Jahren Abzeichen verkauft.
«Wir freuen uns sehr, Merz zu sehen, schliesslich kann man das nicht alle Tage», sprudelt es aus der 12-jährigen Shana hervor. Deshalb bereitet sich die Klasse auch gut auf den Besuch vor.

Mehrstimmig und einstimmig rezitiert sie Theodor Fontanes «Herr Ribbeck». Zum ersten Mal klappts reibungslos - die Freude ist gross, die Schüler sind gerüstet. «Wir tragen dem Bundesrat ein Gedicht vor und singen ein französisches Lied», erzählt die lebhafte Klasse. Danach wird sie Zeit haben, ihm einige Fragen zu stellen.

Libyen, Blocher und Berufswahl

Die Schüler wollen vom Bundespräsidenten alles mögliche wissen. Zum Beispiel, welches sein eindrücklichstes Erlebnis gewesen sei. Oder was er mit 12 für Berufswünsche hatte - ein Schüler ruft spontan: «Vielleicht Fussballer». Aber auch kritischen Fragen soll sich Merz stellen: Was er über die Abwahl von Christoph Blocher denke oder ob es nicht sinvoller wäre, die 2 Schweizer in Libyen zu opfern, um einen Staatsstreit zu verhindern. Viel Zeit wird den jungen Politologen aber nicht bleiben. 10 Minuten stehen am Montag jeder der 4 Klassen zur Verfügung. Danach wirds weiter gehen auf eine Führung durchs Bundeshaus.

Zum Schluss wird die Klasse dem Präsidenten ein Gruppenfoto mit allen Unterschriften der Schüler überreichen. Die 11-jährige Ines freut sich darauf ganz speziell: «Ich bin gespannt, wie er reagieren wird, wenn er das Foto erhält», sagt sie. Ihre Klassenkameraden finden zwar, das hätte sie jetzt nicht sagen dürfen. «Das soll eine Überraschung werden, schliesslich hat Merz am Tag nachher Geburtstag», erklären sie.

Seltene Möglichkeit

Ein bisschen nervös sind einige der Schüler indes schon. Merz ist halt ein bekannter Mann. Damit auch alles klappt, ermahnt Stark die Schüler noch einmal: «Vergesst eure Pässe oder Identitätskarten nicht, sonst lassen sie euch nicht ins Bundeshaus rein.» Das wäre tatsächlich schade. Eine solche Möglichkeit bietet sich den Schülern sicherlich nicht so schnell wieder.