Schaf-Schächtung
Illegale Schaf-Schächtung im Baselbiet

Drei Schafe wurden auf einem Bauernhof in der Gemeinde Arisdorf geschächtet - illegal. Jetzt ermittelt die Justiz gegen die drei Käufer aus dem Balkan. Auch der Schweizer Schafhalter muss sich gegen den Vorwurf der Tierquälerei verantworten.

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Am 23. Dezember 2009 war in Arisdorf fast jedermann mit den Weihnachtsvorbereitungen beschäftigt. Nur der Arisdorfer Schafbauer nicht: In seiner Scheune wurden drei Schafe geschächtet. Schächten bedeutet, dem Tier ohne Betäubung den Hals zu durchtrennen und es ausbluten zu lassen. So will es die jüdische Religion, und auch manche Gruppierungen des Islam.

Der Arisdorfer Bauer war, so berichtet onlinereports.ch, an jenem Morgen in Begriff, die drei geschächteten Schafe drei Männern aus dem Balkan zu verkaufen. Die Männer sollen aus dem Kosovo und dem Balkan stammen. Wie onlinereports.ch berichtet, habe der 80jährige Bauer den Männern «einen Bolzenschuss-Apparat gegeben, dann ging ich wieder an die Arbeit, adieu und fort.»

Das ist eine Schächtung

Das Schächten oder Schechita (hebr. שחט šacḥaṭ „schlachten") ist laut Wikipedia das rituelle Schlachten von Tieren, insbesondere im Judentum und im Islam. Die Einhaltung des Schächtritus dient dem möglichst rückstandslosen Ausbluten des Tieres vor Eintritt des Todes, um die rituelle Reinheit des Fleisches zum menschlichen Verzehr zu bewirken. Der Verzehr von Blut ist sowohl im Judentum als auch im Islam verboten.

Das Schächten erfolgt im Judentum unbetäubt, da nach den Jüdischen Speisegesetzen jede Betäubung das Tier verletzen und damit das Fleisch zum Verzehr unbrauchbar machen würde. Im Islam ist eine elektrische Betäubung nach bestimmten Rechtsschulen zulässig. Auch die Betäubung durch einen Schlachtschussapparat wird von einigen islamischen Geistlichen befürwortet. Mittels eines speziellen Messers mit einem einzigen grossen Schnitt quer durch die Halsunterseite, in dessen Folge die grossen Blutgefässe sowie Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden, wird das Tier getötet.

Als die Polizei auf dem Hof vorfuhr, fand sie die drei Schafe tot vor. Eines hing noch, zwei weitere waren in Plastiksäcke verpackt. Nachdem sie bereits tot und durch den Halsschnitt ausgeblutet waren, sei ihnen noch durch den Kopf geschossen worden.

Der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch bestätigte den Vorfall. Für ihn sei es «unbestritten, dass die Schafe mit einem normalen Metzgermesser eindeutig geschächtet wurden. Die Bolzenschüsse seien nur appliziert worden, um die illegale Schächtung zu kaschieren.

Die Schafherde des Bauern wurde konfisziert, die getöteten Schafe einem «Dompteur» (OnlineReports.ch) übergeben worden. Gegen die vier an der Aktion beteiligten Personen wurde eine Strafuntersuchung wegen Tierquälerei eingereicht.

In der Schweiz ist die Schächtung von Tieren seit 1893 verboten. Jules Bloch, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Endingen AG, war wie der Kantonstierarzt Ignaz Bloch für eine Stellungnahme für a-z.ch nicht erreichbar. (cls)