von Peter Rombach

Schon vor einhundert Jahren führten wirtschaftliche Zwänge zu Fusionen: 1909 schlossen sich die Salinen Schweizerhalle, Rheinfelden und Riburg zusammen. Heute firmiert das Unternehmen mit rund 150 Beschäftigten und einem Jahresumsatz gegen 80 Millionen Franken unter Schweizer Rheinsalinen mit Sitz im basel-landschaftlichen Schweizerhalle. Die Jahresproduktion erreicht mittlerweile bis zu 500 000 Tonnen Salz.

Pünktlich zum einhundertjährigen Bestehen stellte sich angesichts des strengen Winters 2008/09 ein neuer Mengenrekord ein: Zwischen November bis März überschritt die Auslieferung von Auftausalz die magische Grenze von 200 000 Tonnen. Jürg Lieberherr, Direktor der Schweizer Rheinsalinen: «Die Versorgungspflicht wurde erfolgreich wahrgenommen, unsere Strategie hat sich bewährt, wir waren immer lieferfähig.»

Um den Strassenwinterdienst in der Schweiz sicherzustellen, bedarf es eines enormen logistischen Aufwands, aber auch beachtlicher Lagerkapazitäten, da die Produktion der Salinen nicht sprungartig hochgefahren werden kann. Auftausalz gelangte erstmals 1956 zum Einsatz; der Jahresbedarf lag damals gerade mal bei 2311 Tonnen.

Dass die Rheinsalinen auch bei plötzlich erhöhtem Salzbedarf liefern können, garantieren die 120 000 Tonnen Lagerkapazität. Hinzu kommt eine maximale Verladeleistung auf Lastwagen oder Bahnwaggons von 6000 Tonnen täglich. Herzstück solch einer anspruchsvollen Infrastruktur ist der im Sommer 2005 nach einjähriger Bauzeit in Betrieb genommene Saldome bei der Saline Riburg, welcher mit 93 Meter Durchmesser und 31 Meter Höhe als grösster Holzkuppelbau in Mitteleuropa gilt. Seine Lagerkapazität von über 80 000 Tonnen Auftausalz und technisch ausgefeilte Verladestationen garantieren, dass die Winterdienste schweizweit keine Versorgungsenpässe mehr befürchten müssen.

Der Saldome kostete die Rheinsalinen rund 12 Millionen Franken. Die benötigten 1500 Kubikmeter oder 500 Tonnen Holz stammen ausschliesslich aus dem Rheinfelder Wald; das entspricht etwa 400 stattlichen Bäumen im Alter zwischen 80 und 100 Jahren.

Die Erfolgsgeschichte begann nicht erst 1909. Bei Schweizerhalle wurden 1836 Salzvorkommen entdeckt, ein Jahr später erfolgte die Gründung der ersten Saline, gewissermassen als Pionierleistung des neuen Industriezeitalters.

Die Suche nach Salz ging weiter: Im Mai 1844 wurde ein weiteres Lager oberhalb von Rheinfelden entdeckt, 1848 nahm die Saline Riburg ihren Betrieb auf. Bis 1874 entstanden im Umkreis von 20 Kilometern vier Salinen, die in einem erbitterten Konkurrenzkampf standen, wie die Chronisten berichten. Als Erste schlossen sich Riburg, Rheinfelden und Kaiseraugst zusammen, um gemeinsam gegen Schweizerhalle anzukämpfen.

Das Jahr 1909 erlebte schliesslich die totale Fusion aller Salzproduzenten in der Region. Damals wurden klare Besitzverhältnisse geschaffen, denn Besitzer der Schweizer Rheinsalinen sind heute noch die Kantone, mit Ausnahme von Waadt, dem Fürstentum Liechtenstein sowie dem Konzern Südwestdeutsche Salzwerke AG in Heilbronn. Zu einem frühen Zeitpunkt, als Globalisierung noch ein Fremdwort war, arbeiteten Salzproduzenten bereits grenzüberschreitend zusammen.

Dass die Kantone mit im Boot sind und ihre so genannte Regalhoheit für den Salzhandel den Schweizer Rheinsalinen übertragen haben, bringt trotz gewisser Handelsbeschränkung einen wichtigen Vorteil: Durch einheitliche, stabile und transparente Listenpreise ist dank einer Art Solidarpakt auch die Salzversorgung von Randregionen in der Schweiz gesichert.