Rauchverbot

Kaum eine Party ohne Rauch in Zürich

Teuer: Der Club «Kaufleuten» leistet sich Fumoirs im Wert von rund 700000 Franken – «eine Riesenbelastung», sagt Geschäftsführer Marc Brechtbühl. zvg

Rauchverbot im Kaufleuten

Teuer: Der Club «Kaufleuten» leistet sich Fumoirs im Wert von rund 700000 Franken – «eine Riesenbelastung», sagt Geschäftsführer Marc Brechtbühl. zvg

Während Zürichs Gastronomen vor den Kosten für Fumoirs eher zurückschrecken, investieren die Clubs der Partyszene sechsstellige Beträge in Raucherräume. Damit die Party auch nach dem 1. Mai weitergeht.

Matthias Scharrer

Beim «Club Q» greift man tief in die Tasche: Eine sechsstellige Summe investiert der Club laut Geschäftsführer Michael Läuppi in Fumoirs, um gewappnet zu sein, wenn das Rauchverbot am 1. Mai in Kraft tritt. Eine schöne Stange Geld, auch für einen der grossen Ausgeh-Tempel in Zürich-West. Knapp ein Drittel der Fläche des Clubs bleibt Raucherzone. Das «Q» geht damit ans Limit des ab 1.Mai gesetzlich noch Erlaubten. Läuppi erhofft sich davon Vorteile im Konkurrenzkampf ums Partypublikum.

Doch die Konkurrenz zieht mit. Und zwar nicht zu knapp: Das «Kaufleuten» steckt bis zu 700000 Franken in Fumoirs, wie von Geschäftsführer Marc Brechtbühl zu erfahren ist. Neben den Club-Räumen werden im «Kaufleuten» auch Restaurant und Bar mit Raucherräumen ausgestattet. Als Fumoirs sind künftig vorgesehen: ein Wintergarten im Innenhof, ein einstiger Lagerraum und ein Raum, in dem früher Telefonkabinen untergebracht waren.

Angst vor Lärm rund um Clubs

«Wir sind Dienstleister. Wir müssen Lösungen für unsere Kunden finden», erklärt Brechtbühl. Die Investition sei eine «Riesenbelastung» fürs «Kaufleuten». Ob sie sich auszahlen werde, könne man noch nicht sagen. «Aber wir können den Kopf nicht in den Sand stecken. Ohne Fumoirs könnte es sein, dass die Raucher alle rausgehen. Dann droht eine Polemik über Lärm rund um die Clubs», so der Geschäftsführer des traditionsreichen Partylokals im Stadtzentrum.

Ein Szenario, das auch Markus Kappeler, Geschäftsleiter des «X-Tra», vermeiden will. Im «X-Tra» seien zwei Fumoirs für je rund 100 Leute geplant. «Wir müssen dafür viel Geld in die Hand nehmen», sagt Kappeler. «Aber Rauchen ist in Klubs halt schon ein grösseres Thema als in Restaurants.»

Eine kostspielige Lösung peilt auch das «Indochine» an. Doch hier müssen die Gäste ins Portemonnaie greifen: Nur wer eine Membercard hat, darf künftig in der Smoker Lounge gemütlich paffen. Der bisherige Member-Bereich wird hier zur Raucherzone erklärt - und bleibt Mitgliedern vorbehalten. Membercards sind ab 600 Franken erhältlich. «In erster Linie geht es uns darum, dass wir unsere Gäste zum Rauchen nicht rausschicken müssen», erklärt Yven Vogel vom «Indochine».

Allerdings seien nur knapp ein Viertel der Gäste Mitglieder. Für Nicht-Members werden laut Vogel im überdachten Hauseingang Aschenbecher aufgestellt. Security-Patrouillen sollen dafür sorgen, dass die Nachbarn nichts zu reklamieren haben. «Kontrolliert rauchen lassen», nennt Vogel das.

Nicht alle wollen Fumoirs

Draussen vor der Tür wird künftig auch beim «Escherwyss» geraucht. Fumoirs sind hier laut Programm-Macher Arnold Meyer nicht geplant. «Bedenken wegen der Nachbarn habe ich nicht, weil wir im Industriequartier sind», sagt Meyer. Zürichs «Technopapst» rechnet mit Umsatzeinbussen in Höhe von 5 bis 10 Prozent für rauchfreie Clubs. Bei Bars veranschlagt er den Rückgang auf 20 Prozent. «Die Leute kommen ja wegen der DJs und Partykonzepte in die Clubs», sagt Meyer.

Auch im «Kanzlei» verzichtet man auf Fumoirs. Allerdings aus einem ganz anderen Grund: «Die Lungenliga bereitet schon eine neue Abstimmung vor. Vielleicht sind ja auch Fumoirs schon bald verboten», so Celina Thenu, Sprecherin der Party-Halle im Stadtkreis 4.

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