Von Julian Perrenoud

Ideal sei das ehemalige Lehrerhaus, sagt Rüdtligen-Alchenflühs Gemeindeschreiber Urs Lüthi schwärmend. Im Doppeleinfamilienhaus, das durch einen Kellerübergang verbunden ist, soll ab dem nächsten Schuljahr das «Chinderhus» Alchenflüh und Umgebung eröffnet werden.

Mit «Leolea» konnte die Gemeinde eine Organisation finden, die in beiden Häusern Kinder im Vorschul- und Schulalter betreut. Lüthi sagt: «Es ist wunderbar, dass wir mit dem Projekt noch diesen Sommer starten können.» Dies sei möglich, weil Organisation und Infrastruktur bereits vorhanden seien.

Mit zwölf Kita-Plätzen starten

Mit der Teilrevision des Volksschulgesetzes 2008 ist eine Gemeinde ab Sommer 2010 dazu verpflichtet, eine Tagesschule anzubieten - sofern die Nachfrage der Eltern mit mindestens zehn Kindern besteht. In Rüdtligen-Alchenflüh ist dies der Fall. Und die Gemeinde kommt dem Gesetz nun ein Jahr zuvor. Die bisherigen Planungsarbeiten seien kompliziert gewesen, so Lüthi - da es viele Vorschriften seitens des Kantons Bern gab.

Noch vor wenigen Monaten sah es in Rüdtligen-Alchenflüh nicht danach aus, dass es ab dem 3. August 2009 ein Kinderhaus geben wird. Der Krippenbetreiberverein Suki erhielt keine Bewilligung für das damals vorgesehene Projekt. Grund waren unter anderem finanzielle Unklarheiten, wie der Verein angab.

Bei der zweiten Suche hatten die Gemeindeverantwortlichen mehr Glück: Die Zusammenarbeit mit «Leolea» scheint zu funktionieren. Entsprechend erleichtert zeigt sich ebenfalls Lüthi. Man könne sich glücklich schätzen, dass die Mieter beider alten Lehrerhäuser praktisch gleichzeitig umgezogen seien. So konnten die Räumlichkeiten an der Hauptstrasse 46 rasch übernommen werden, sagt er.

Ähnlich positiv klingt es auch bei Christiane Bohni, Geschäftsleiterin von «Leolea». Im Bereich familienergänzende Betreuung könne man das ganze Feld anbieten; will heissen, vom Kleinkind ab drei Monaten in der Kita über zwölfjährige Schülerinnen und Schüler an der Tagesschule bis hin zu Kursen für Eltern.

In der Stadt Bern führt die Organisation sieben Betriebe. Im «Chinderhus» Alchenflüh und Umgebung werden vorerst zwölf Kita-Plätze angeboten. Zehn davon werden vom Kanton Bern subventioniert. Für die Tagesschule hat die Gemeinde den Antrag auf Subventionsgelder für 20 Plätze gestellt.

«Wir haben uns mit Urs Lüthi die Räumlichkeiten angeschaut und erachten sie als geeignet», sagt Bohni. Ein weiterer Vorteil des Doppeleinfamilienhauses sei der grosse Garten. Weiter gibt es auf der nahen

Autobahnüberführung Grill- und Spielmöglichkeiten. Die Kita soll das ganze Jahr über geöffnet sein (täglich 7 bis 18.30 Uhr), die Tagesschule während der offiziellen Schulzeiten. Die kantonalen Vorschriften sehen laut Bohni genau vor, wie viele Betreuerinnen eine Kindergruppe aufweisen muss. Bei einer Gruppe von zehn Schulkindern ist dies mindestens eine Pädagogin. Bei den Kleinkindern sind es im Minimum drei Betreuerinnen.

Tarife richten sich nach Lohn

Das Angebot gilt ab Sommer nicht bloss für Kinder aus Rüdtligen-Alchenflüh, sondern auch für die Umgebung. Bewusst, sagt Bohni. «Falls ein Kind beispielsweise aus Kirchberg zu uns kommen will, kann es das gerne tun.» Und was kostet es die Eltern, wenn sie ihr Kind durch «Leolea» betreuen lassen? «Das ist individuell», sagt Bohni. Die kantonalen Tarife setzen sich aus dem Einkommen, Vermögen und der Familiengrösse zusammen.

Im Vorfeld fordert die Organisation deshalb die Lohnunterlagen der Eltern ein. Im Gegenzug, so Bohni, werde ihnen ein verlässlicher Betreuungsort garantiert.

Am Dienstag, 12. Mai, findet um 20 Uhr im Gemeindesaal Rüdtligen-Alchenflüh ein öffentlicher Infoabend zum «Chinderhus» Alchenflüh und Umgebung statt.