Franz Schaible

«Die Berufsbildung nach Schweizer Art ist alles andere als ein Auslaufmodell», brach der Solothurner Bildungsdirektor Klaus Fischer gestern eine Lanze für das duale Berufsbildungssystem. Bei der Präsentation der Schulabgänger- und Lehrstellensituation im Kanton Solothurn plädierte er für die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule und widersprach damit den Aussagen im jüngsten Weissbuch der Akademien der Wissenschaften. Darin schreiben die Autoren eben vom Auslaufmodell und verlangen eine deutlich höhere Akademikerquote.

2300 neue Lehrverhältnisse

Sozusagen als «Kronzeuge» für seine Aussage bemühte Landammann Fischer die Statistik 2009 der Schulabgänger. Sie zeigt, dass die Berufslehre weiterhin gefragt ist. Von den am letzten Schultag vor den Sommerferien befragten 2412 Schülerinnen und Schüler haben 65 Prozent oder 1569 Abgänger inzwischen eine Berufslehre begonnen. Insgesamt wurden gar 2300 neue Lehr-, Anlehr- oder Vorlehrverträge unterzeichnet, praktisch gleich viele wie im Vorjahr. Die Differenz rührt daher, dass bei der Totalzahl auch jene inbegriffen sind, die von einer Überbrückungslösung oder von der Kantonsschule her eine Lehre starteten. «Der gesamte Bestand an Lehrverhältnissen stieg damit auf über 6500 an. Dieser Wert wurde letztmals 1980 erreicht», erläuterte Fischer. Und dies, obwohl in der jüngsten Zeit wichtige Lehrbetriebe wie Borregaard Luterbach oder Mühlemann Biberist geschlossen
wurden oder noch werden. Fazit: «Die Berufsbildung geniesst eine ungebrochen hohe Akzeptanz.»

Generell gelinge der Übergang von der obligatorischen Schulzeit in die Berufsbildung oder weiterführende Schulen gut. Nebst dem Weg in die Berufslehre hätten von den Befragten sieben Prozent eine weiterführende Schule (Kantonsschule oder Fachmittelschule) und 21 Prozent Zwischen- und Übergangslösungen (10. Schuljahr, Sprachaufenthalt oder spezielle Brückenangebote) gewählt. Nur gerade 7,2 Prozent oder 173 Schulabgänger hätten am Stichtag keine Anschlusslösung gehabt. In den Vorjahren bewegte sich der Anteil zwischen 9 und 10 Prozent. Die ausgebauten Kapazitäten und die grössere Palette der Brückenangebote hätten zur Verbesserung beigetragen (siehe Kasten). Fischer verhehlte aber nicht, dass auch der demografisch bedingte Rückgang der Schulabgänger zum günstigen Ergebnis führte.

Zum heutigen Zeitpunkt hat sich die Situation gar nochmals deutlich verbessert, ergänzte Renato Delfini, Leiter der kantonalen Berufs- und Studienberatung. «Denn seit der Erhebung am letzten Schultag hat rund die Hälfte der ‹Anschlusslosen› noch eine Lehrstelle oder eine andere Anschlusslösung gefunden.» Damit stehe Solothurn im interkantonalen Vergleich «sehr gut» da.

Ausbildungsbereitschaft bleibt hoch

Es zeige sich schon heute, dass die Ausbildungsbereitschaft in den Betrieben hoch bleibe, sagte Delfini weiter. So seien auf dem im Internet aufgeschalteten Lehrstellennachweis (Lena) aktuell bereits 1320 Lehrstellen für 2010 ausgeschrieben. Genau gleich viel wie vor einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt. «Das sind gute Signale, und es zeichnet sich eine stabile Lage auf dem Lehrstellenmarkt ab», interpretierte Andreas Brand, Leiter des Amtes für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen. Regierungsrat Fischer appellierte an die Lehrbetriebe, ihre entsprechenden Anstrengungen im Hinblick auf die Zukunft hoch zu halten. Grosse Jahrgänge würden in die Pension gehen, gleichzeitig verlassen weniger Jugendliche die Schule. «Eine Verknappung für qualifizierte Berufsleute ist also absehbar.»