Rosmarie Mehlin

Wie die gelernte Grafikerin Franziska (Name geändert) auf die Idee gekommen war, in den Devisenhandel einzusteigen, wurde vor Gericht nicht klar. Tatsache ist, dass ein Vermittler in der ganzen Schweiz Frauen und Männer akquiriert hatte, deren Geld Franziska im Devisenterminhandel anlegte. Zunächst anlegte - später allerdings nicht mehr. «Ich hatte solche Anlagen für mich getätigt gehabt und war auf die Idee gekommen, das auch für andere zu tun.»

Als die grossen Gewinne ausblieben, begann die heute 49-Jährige Löcher zu stopfen. Dazu verwendete sie Kundengelder, statt diese anzulegen. «Man verfällt schnell der Hoffnung und dem Fehlglauben, man könne alles wiedergutmachen», erklärte sie vor Gericht. Aber es war gekommen, wie es kommen musste: Am Ende standen 50 Anlegerinnen und Anleger vis-à-vis du rien, respektive Franziska vor einem Schuldenberg in Höhe von über 2,66 Millionen Franken.

Zugetragen hatte sich dies zwischen 1996 und 1998. Vor Gericht verhandelt wurde der Fall erst jetzt, weil Franziska sich - nachdem das Wasser ihr bis zum Halse stand - ins Ausland abgesetzt hatte. 2003 war sie, aus freien Stücken und reuig, zurückgekehrt. Sie hatte die Veruntreuung der Gelder vollumfänglich zugegeben.

Grosses Verschulden

Inzwischen hat die Ledige sich, unterstützt von ihrer Schwester, in einem anderen Kanton eine neue Existenz aufgebaut und sich nichts mehr zuschulden kommen lassen.

Der Staatsanwalt erwähnte in seinem Plädoyer, dass die Beschuldigte ihr anvertraute Gelder zum Teil zur Tilgung von persönlichen Schulden verwendet hatte. Franziska habe nicht von Anfang an deliktisch gehandelt, doch sei ihr die Sache rasch aus dem Ruder gelaufen. 4 Jahre Freiheitsstrafe forderte der Ankläger. Die Verteidigerin erachtete maximal 24 Monate bedingt als angemessen, da ihrer Mandantin «eine äusserst günstige Prognose» gestellt werden könne.

Drei Jahre lautet das Urteil. Das Gericht unter Vorsitz von Hans-Rudolf Rohr befand, das Verschulden von Franziska sei zu gross für eine bedingte Strafe, sprach sie aber immerhin teilbedingt aus: 18 Monate muss die 49-Jährige hinter Gitter, weitere 18 Monate werden ihr bedingt erlassen.