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Nachts ist jeder allein

Das Angebot des TNW-Nachtnetzes ist ein Erfolg, immer mehr Passagiere nutzen es. Dass sich aber der Kanton Solothurn finanziell nicht beteiligt, führt zu Problemen bei Gemeinden und Anbietern.

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Thier

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Michael Nittnaus

«Bei der jetzigen Linienführung könnten unsere Nachtschwärmer auch zu Fuss von Laufen nach Bärschwil laufen und würden kaum später als der Nachtbus ankommen.» Für den Bärschwiler Gemeindeammann Peter Holzherr ist das Angebot der Postauto Schweiz AG deshalb nicht akzeptabel. Die Linie N41 könnte von Zwingen über Brislach, Breitenbach, Büsserach, Erschwil und Grindel den Weg auch nach Bärschwil finden - und bräuchte dafür fast 50 Minuten. Eine Direktverbindung von Laufen fehle. Seine Gemeinde bestellte deshalb als einzige im Schwarzbubenland keinen Nachtnetz-Anschluss für 2010. Die Kosten hätten bei diesem Entscheid nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Anders die Kritik in Breitenbach: Dort brauchte es Ende August im Gemeinderat den Stichentscheid von Ammann Dieter Künzli, um den Nachtnetz-Anschluss über den Fahrplanwechsel hinaus zu gewährleisten. Der Bezirkshauptort muss wegen eines neuen Kostenverteilschlüssels 9000 statt wie bisher 4000 Franken an die Postauto Schweiz AG bezahlen. Der Gemeinderat hielt auch fest, auf eine ähnlich hohe Offerte künftig nicht mehr einzugehen. «Nur um unseren Einwohnern weiter ein attraktives Nachtangebot zu bieten, haben wir Ja gesagt. Ausserdem wären die zwei Linien, die sich bei uns kreuzen, sonst gescheitert», so Künzli.

Nachtnetz geht auch ohne Breitenbach

Der neue Verteilschlüssel im Thierstein bedeutet, dass neben einem Fixbetrag von 1500 Franken pro Gemeinde der Rest nach Einwohnerzahl aufgeteilt wird - für Breitenbach eine undankbare Lösung. Bis zur Ammännerkonferenz Anfang 2010 wird Künzli deshalb alternative Schlüssel erarbeiten. Eine Kostenteilung etwa nach den gefahrenen Personenkilometern sei vorstellbar. «Ein solcher Schlüssel dürfte ähnliche Diskussionen bereiten wie der jetzige. Theoretisch können wir die Aufteilung jedes Jahr ändern. Je nach Blickwinkel könnte sich aber immer irgendeine Gemeinde ungerecht behandelt fühlen», schätzt Roman Cueni, Regionalleiter Nordschweiz der Postauto Schweiz AG. Und falls Breitenbach sich tatsächlich 2011 gegen die neue Offerte ausspreche, so müsse man sich überlegen, wie man die Linien am Bezirkshauptort vorbeiführen könne.

In Solothurn zahlt der Kanton nichts

Der Kern dieser Probleme liegt derweil im knappen Entscheid des Solothurner Kantonsrat von Ende März, die Unterstützung von Nachtnetz-Angeboten nicht zum Grundangebot des regionalen Verkehrs zu zählen. Während in den beiden Basel und im Aargau der Kanton die Hälfte der Kosten übernimmt und das Nachtnetz zentral für alle Gemeinden regelt, müssen sich im Schwarzbubenland die Anbieter selbst darum kümmern. «Bis zu 25 Gemeinden zu betreuen bedeutet einen riesigen Aufwand für uns, den wir aber im Interesse des funktionierenden Gesamtsystems betreiben», so Cueni.

Eine neu eingesetzte Arbeitsgruppe des Solothurner Bau- und Justizdepartementes soll ab nächstem Jahr nun wenigstens die Koordination bei der Bestellung und Kostenverteilung übernehmen. Cueni ist derweil überzeugt, dass sich die Kantonsmodelle noch angleichen werden: «Es ist wichtig, dass für das gesamte TNW-Gebiet eine einheitliche Regelung besteht.»

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