Notfall wird nochmals überprüft
Notfall wird nochmals überprüft

Der Protest der Riehener Hausärzte zeigt Wirkung: Sie sollen nun doch nicht für den Notfalldienst des Gesundheitszentrums eingesetzt werden.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

ESTHER JUNDT

Das ambulante Gesundheitszentrum in Riehen baut seit Anfang Jahr sein Angebot auf und aus. Das Modell ist in der Schweiz einzigartig: Für die Grundversorgung sind Ärzte der Stiftung Meconex zuständig, die einzelnen Fachsprechstunden übernehmen Spezialisten des Bethesda- und des Claraspitals und die 24-Stunden-Notfallversorgung und die ambulanten Operationen obliegen dem Universitätsspital (USB).

Spezialisten aus mehreren Fachbereichen kommen nur für bestimmte Stunden nach Riehen. Diese Spezialsprechstunden betreffen rund zehn Fachbereiche. Das Angebot konnte allerdings noch nicht so weit ausgebaut werden, wie dies ursprünglich geplant war. Der Grund dafür liegt beim Zulassungsstopp für frei praktizierende Spezialisten, der von den eidgenössischen Räten erst im Dezember verlängert wurde. Deshalb gibt es momentan keine Spezialarztpraxen und es fehlen Angebote in der Gynäkologie, Kinderarztmedizin oder Kardiologie. Verhandlungen mit Spezialisten seien geplant, sagte Stefan Schütz von der Stiftung Meconex. Ebenfalls sollen junge Hausärzte ermuntert werden, ihre Praxis im Gesundheitszentrum zu eröffnen.

Neu aufgenommen werden die Verhandlungen mit den praktizierenden Hausärzten. Von der ursprünglichen Idee, sie in die Notfalldienstplanung einzubeziehen, sind die Verantwortlichen inzwischen abgekommen (bz vom 31. Dezember). Vielmehr sollen sie beim eigenen Notfalldienst entlastet werden. Auch wird den Hausärzten das Angebot der Spezialsprechstunden erläutert, damit auch ihre Patienten davon profitieren.

Der Erfolg des neuen Gesundheitszentrums hängt nämlich davon ab, wie stark die Angebote von der Bevölkerung genutzt werden. Im ambulanten Bereich orientieren sich die Öffnungszeiten und der Personalbedarf an den Frequenzen, sagte Gemeindepräsident Willi Fischer gestern vor den Medien. Dies gelte vor allem für den Notfalldienst. Im ersten Halbjahr 2010 werde die Gemeinde eine Analyse der Notfallversorgung durchführen, damit später entschieden werden könne, ob dieser Dienst weitergeführt werden soll. In den ersten Tagen des neuen Jahres suchten 33 Personen den Notfalldienst auf.

Der Übergang vom Gemeindespital zum Gesundheitszentrum sei erfolgreich abgewickelt worden, sagte Fischer weiter. Vom früheren Spitalpersonal übernahmen die Stiftung Meconex und die Adullam-Stiftung 45 Personen. Von den 210 ehemaligen Angestellten würden noch 15 Personen eine Stelle suchen.

Der Basler Gesundheitsdirektor Carlo Conti betonte, die vernetzte Gesundheitsversorgung, wie sie nun in Riehen betrieben wird, sei ein Zukunftsmodell. Es sei immer klar gewesen, dass Riehen kein Kleinspital mehr betreiben werde, sondern ein ambulantes Gesundheitszentrum. «Die Patienten entscheiden nun, ob es ein Bedürfnis dafür gibt», sagte er. Die Notwendigkeit eines 24-Stunden-Notfalldienstes bestehe nicht; dies sei ein politischer Entscheid gewesen. Das USB werde den Notfalldienst nun leisten.

Nebst der ambulanten Versorgung bietet das Gesundheitszentrum auch eine Geriatriespital-Abteilung mit 28 Betten. Die Adullam-Stiftung betreibt diese Abteilung als Aussenstation des eigenen Spitals. In bauliche Massnahmen, Mobiliar und Geräte investierte sie eine halbe Million Franken.